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6. Februar – Geburtstag Bob Marley

Momentaufnahmen, kurze Episoden in den Medien, flüchtige Eindrücke – und alles rauscht einfach vorbei? „Auch das noch“ zeigt die Skripte (leicht überarbeiteter) Rundfunkbeiträge aus dem öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Manche wurden sogar speziell für Heaven On Air geschrieben. Frei nach dem Motto: einfach mal einen Moment innehalten.

6. Februar – Geburtstag Bob Marley

Er war und bleibt unumstritten der größte Reggaemusiker aller Zeiten, obwohl er sich selbst immer nur als Nummer Zwei ansah: Robert Nesta Marley, genannt Bob Marley. Er und seine Band The Wailers machten den Reggae weltweit bekannt. Und damit das Gedankengut des Rastafarianismus. Der Religion, die sich zwar auf ausgewählte Teile der christlichen Bibel bezieht, aber eben nur auf die, die nicht von den Interessen der Sklavenhaltergesellschaft geprägt ist. Und der Religion, die den ehemaligen äthiopischen Kaiser Haile Selassie als ihren Gott ansieht.

Reggae, Marley und Religion? Genau. Das eine wäre ohne das andere nicht denkbar. Allerdings wusste davon noch niemand etwas, als Robert am 6. Februar 1945 – manche Quellen gehen auch vom 5. Februar aus – das Licht der Welt erblickt. Seine Eltern: eine Kolonialwarenhändlerin oder Barsängerin – auch hier gibt es unterschiedliche Angaben – und ein britischer Hauptmann, der sich aber zügig aus dem Staub macht. Jamaika, denn dort liegt Nine Miles, der Geburtsort Marleys, wird noch bis 1962 britische Kolonie bleiben. Die Kolonialherren, die Weißen haben dort das Sagen. Die Schwarzen haben zu kuschen und zu arbeiten. Zwar ist die Sklaverei abgeschafft, aber Rassismus und Ungleichbehandlung ist geblieben. „Get Up, Stand Up For Your Rights“, wird Bob später seinen schwarzen Landsleuten immer wieder eindringlich auf die Ohren geben.
Doch vorher wird er mit seiner Mutter Opfer der allgemeinen Landflucht: Weil es in der Stadt mehr Möglichkeiten gibt, sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen, ziehen Mutter und Sohn nach Trenchtown. „Trenchtown Rock“? Natürlich findet dieser Song hier seine Wurzeln. Wie überhaupt die Musik hier zu lebensbestimmenden Größe im Leben von Bob Marley wird. In Trenchtown beginnt Bob zwar eine Schweißerlehre. Aber er lernt hier vor allem Nevelle O’Riley Livingstone kennen, der sich später Bunny Wailer nennt, und Hubert MacIntosh, der meint, als Peter Tosh seinen Namen bühnentauglicher zu machen. Das Grundgerüst der Wailers steht. Die Annahme, dass Bunny Wailer zum Namensgeber der Band wird, ist falsch. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Denn die drei Musiker hören auf Jamaika immer wieder Songs der LP „The Fabulous Wailers“, die die US-amerikanische Gruppe „The Wailers“ bereits 1959 eingespielt hat. Bunny macht seine ersten musikalischen Gehversuche bei den neuformierten jamaikanischen Wailers noch unter seinem Geburtsnamen, ändert diesen erst, als er 1974 die Wailers verlässt.
Zwei Faktoren sind für den kometenhaften Aufstieg der Wailers verantwortlich: Bereits Ende der 1960er Jahre sind die Texte von Bob, Bunny und Peter überwiegend politisch-religiös motiviert. 1969 treffen sie auf Lee „Scratch“ Perry, der ihnen einen völlig neuen Rhythmus und Sound verpasst. Haben die Wailers bis dahin treibende Ska-Rhythmen verwendet, verlangsamt Perry diese nun deutlich und schafft das neue Genre. Innerhalb eines Jahres sind „The Wailers“ die bekannteste Band der Karibik.


Der internationale Erfolg allerdings wäre ohne einen weiteren Helfer nicht denkbar: Chris Blackwell, Gründer des Labels „Island“, nimmt die Wailers unter Vertrag und entschärft ihren rauen, ungeschliffenen Sound auf eine Weise, die ihm passend für europäische und US-amerikanische Hörer zu sein scheint. (Deshalb gibt es frühe LPs der Wailers auch in zwei Fassungen, nämlich der Original-jamaikanischen und einer von Blackwell angepassten europäisch-US-amerikanischen Abmischung.)
Als dann noch Eric Clapton 1974 mit dem Wailers-Titel „I Shot The Sheriff“ an die Spitze der Charts stößt, wächst im Sog dieses Erfolgs auch die Popularität der Band. Der Rest ist Geschichte.

Die meisten Songs von „Bob Marley & The Wailers“, wie die Formation später heißt, haben politisch-religiöse Inhalte. So geht es immer wieder darum, dass die schwarzen Jamaikaner die Nachfahren von Sklaven sind, die rund 350 Jahre vorher aus Afrika verschleppt wurden. Auch wenn die Sklaverei längst abgeschafft ist, unterdrücken die weißen Machthaber auf Jamaika die Schwarzen weiterhin: Schwarze bekommen, wenn überhaupt, dann schlechtere Jobs, werden von der Polizei schlechter behandelt als Weiße. Titel wie „Concrete Jungle“, „400 Years“, „No More Trouble“, „Rat Race“, „Slave Driver“ und viele andere beschreiben diese Situation deutlich.
Aufgrund dieser sozialen Missstände haben schwarze Jamaikaner i.d.R. kein Geld, um die Medizin der Weißen zu kaufen, dürfen aber ihre „Naturmedizin“ nicht verwenden. Diese Naturmedizin ist Ganja, das jamaikanische Marihuana. (Peter Tosh fordert später in „Legalize It“ die Freigabe dieser Medizin, da sie gegen Tuberkulose und andere Krankheiten helfe. Wichtig: Für echte Rasta ist Ganja keine Droge, sondern – ähnlich wie in der katholischen Liturgie der Weihrauch – ein Mittler zwischen dem Göttlichen und den Menschen.)
Über allem thront der frühere äthiopische Kaiser Haile Selassie. Einer Prophezeiung zufolge wird der Befreiungskampf der Schwarzen gegen die Weißen beginnen, wenn ein schwarzer König die weißen Besatzer aus seinem Land vertreibt. Selassie gelingt dies. Selassie, der ursprünglich Ras (Fürstentitel) Tafari (Vorname) Makonnen heißt, wird zum Namensgeber einer neuen Religion, des Rastafarianismus. Bob Marley

ist sein größter Prophet, die Reggaemusik wird zum Sprachrohr, mit dem sich die Botschaft des Rastafarianismus verbreiten lässt. „Iron Lion Zion“, der eiserne Löwe von Juda, spielt auf die Abstammung Selassies sowie einen seiner von ihm gewählten Beinamen an. Konzerte eröffnet Marley gerne mit Grüßen von Haile Selassie I, stellte sie damit aus seiner Sicht quasi unter göttlichen Segen. Dabei steht das „I“ steht nicht für die römische Zahl, sondern, wie man bei Konzerten hören kann, für den Buchstaben und bedeutet vereinfacht gesagt so viel wie Göttlichkeit. In der Nachfolge Marleys eröffnen so auch viele andere Reggaemusiker ihre Konzerte oder verarbeiten diese Grußformel in ihren Songs.
Wenn das Bewusstsein, dass die Nachfahren verschleppter Sklaven wieder in ihre ursprüngliche Heimat zurückkehren können, groß genug ist, wird es zum von Marley geforderten „Exodus“ kommen, der Rückkehr der Jah-People (= Rastafarianer, die ihren Gott Jah nennen) in ihre ursprüngliche Heimat, Afrika. Musterstaat ist dabei anfangs Äthiopien, wo sogar Siedlungen für die zu erwartenden Neuankömmlinge gebaut werden. Allerdings zerschlägt sich diese Idee, nicht zuletzt aufgrund der Ermordung Selassies. Später wird Zimbabwe, das frühere Rhodesien, zum neuen Hoffnungsstaat. „Africa Unite“ ist die Forderung Marleys, der ebenfalls nicht müde wird, das „Babylon System“, das von den Weißen aufgebaute Unterdrückungssystem gegenüber Schwarzen zu attackieren. „No Woman No Cry“ ist deshalb kein Lovesong. Im Gegenteil. Die simple versteckte Botschaft: Wenn du keine Frau hast, die um dich weinen wird, dann fällt es dir leichter gegen die verhassten Unterdrücker zu kämpfen.

Bob Marley stirbt am 11. Mai 1981 an einer Krebserkrankung, nachdem er vorher auch in Deutschland (am Tegernsee) vergeblich behandelt worden war. Seine Songs leben weiter – vor allem, weil sie sich gegen Unterdrückung wenden, Unrecht aufzeigen, zu einem aktiven Eintreten für ein besseres Leben in Frieden und Harmonie eintreten und in seiner (!) Religion einen Rückhalt für die Erreichung der Ziele, aber auch ein Bindeglied aller Menschen mit gutem Willen sehen. Damit hat der Rastafari-Reggae auf Jamaika eine ähnliche Funktion wie der christliche Gospel auf den Feldern der Baumwollpflücker zu Zeiten der Sklaverei in den USA.
Bob Marley würde heute 76 Jahre alt. Happy Birthday, Bob!

Nachtrag: Eine ausführliche, etwa 120 Seiten lange Darstellung zum Reggae und seinen Hintergründen findet sich in…

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