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23. Februar – Berechnung des Osterfestes: Wann ist Ostern?

Momentaufnahmen, kurze Episoden in den Medien, flüchtige Eindrücke – und alles rauscht einfach vorbei? „Auch das noch“ zeigt die Skripte (leicht überarbeiteter) Rundfunkbeiträge aus dem öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Manche wurden sogar speziell für Heaven On Air geschrieben. Frei nach dem Motto: einfach mal einen Moment innehalten.

23. Februar – Berechnung des Osterfestes: Wann ist Ostern?

Kaum ist die Fastnacht vorbei, beginnen viele Menschen damit, ihre Urlaube und verlängerten Wochenenden zu planen. Aber da Corona die Zeiten bestimmt, ist es ganz gut, eine Option mehr in der Tasche zu haben. Man weiß ja nie, ob die Pandemie nicht den Reisewünschen kurzfristig einen Strich durch die Rechnung macht. Also: schnell in den Kalender geguckt. Der gibt sofort Auskunft darüber, wann in diesem Jahr die Ostertage liegen.

Es ist schon ein Kreuz: Weihnachten, Silvester und Neujahr sind feststehende Feiertage. In jedem Jahr finden Sie am selben Datum statt. Beim Tag der Arbeit am 1. Mai ist das genauso. Aber auf Ostern ist einfach kein Verlass. Der Termin für das Osterfest ändert sich Jahr für Jahr. Kleiner Rückblick: 16. April, 1. April, 21. April, 12. April – das waren die Termine, an denen in den letzten vier Jahren das Osterfest gefeiert wurde. In diesem Jahr wird es der 4. April sein. Und in den nächsten drei Jahren wird das Osterfest am 17. April, 9. April und im Jahr 2024 sogar schon am 31.März liegen. Ein unglaubliches Hin und Her. Was natürlich auch den Freitag vor Ostern, den arbeitsfreien Karfreitag, und den Montag nach dem Osterfest, den arbeitsfreien Ostermontag betrifft. Wer seinen Urlaub über Ostern plant, kommt auf zwei volle Wochen, büßt dabei aber nur acht Urlaubstage ein.

Das Hin und Her mit dem Osterfest betrifft auch, man glaubt es kaum, den Karneval. Der beginnt bekanntermaßen im November: am 11.11. um 11.11 Uhr starten die Närrinnen und Narren in die neue Karnevalssaison – ein traditioneller Beginn, immer am selben Datum. Das Ende der Karnevalszeit allerdings wird durch den Aschermittwoch bestimmt. Denn bekanntlich ist ja am Aschermittwoch alles vorbei, zumindest was das Karnevalstreiben anbelangt. Dieser Aschermittwoch liegt nun leider immer 40 Tage vor Ostern. Was bedeutet: Da das Osterfest seinen Termin Jahr für Jahr verändert, schwankt auch der Aschermittwoch mit. 2019, als das Osterfest ziemlich spät im Jahr lag, lag der Faschingsdienstag am 5. März. Wenn im Jahr 2024 das Osterfest aber ziemlich früh im Jahr anliegt, endet die Karnevalszeit bereits am 13. Februar. Fastnachtsjecken verlieren also fast einen ganzen Monat närrischen Treibens. Wer also einen Besuch eines der großen Umzüge plant, muss rechtzeitig rechnen. Wer sich vor dem großen Trubel in Sicherheit bringen will, auch.

Zurück zur Urlaubsplanung: Wer die Donnerstagsfeiertage Christi Himmelfahrt und Fronleichnam, vielleicht sogar den Pfingstmontag für seinen Urlaub einplanen will, hat es keinen Deut leichter. Auch die hängen vom Osterfest ab, schwanken also mit ihm im Kalender hin und her. Christi Himmelfahrt liegt exakt 40 Tage nach Ostern, das Pfingstfest am 50. Tag nach Ostern. Zehn Tage nach Pfingsten kommt das Fest Fronleichnam hinzu – für den, der in einer Region mit überwiegend katholischer Bevölkerung lebt und arbeitet, ebenfalls ein Feiertag.

Ganz schon viel Aufwand wegen eines christlichen Festes. Den könnte man theoretisch vereinfachen. Bei Jesu Geburtstag hat man das ja auch getan: Weil die Kirche gar nicht wusste, wann Jesus eigentlich geboren wurde, pappte sie seinen Geburtstag einfach auf ein großes, wichtiges heidnisches Fest, in diesem Fall das Fest des unsterblichen Sonnengottes, des Sol Invictus am 25. Dezember. Und weil wir in Feierlaune sind, hängen wir noch einen zweiten Weihnachtstag an, stellen noch den Heiligen Abend vorweg – und perfekt ist das dreitägige Glaubens- und Familienfest. Alles wegen Jesu Geburtstag.
Einerseits hatte man so nun endlich einen Termin, an dem man Jahr für Jahr Jesu Geburtstag feiern konnte; andererseits überlagerten die neuen Festtage das heidnische Fest immer mehr, so dass es im Laufe der Zeit immer mehr in Vergessenheit geriet. Zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.
Theoretisch könnte man das mit dem Osterfest genauso machen. Zum Beispiel immer am 15. April – fertig.

Zwei Dinge allerdings sprechen dagegen: erstens die Tradition; zweitens, dass man über den Tod Jesu ein bisschen mehr weiß als über seine Geburt.
Jetzt wird’s theologisch: Nach biblischer Überlieferung und christlichem Glauben

erweckte Gott am dritten Tag nach Jesu Tod wieder von den Toten auf. Für Christen bedeutet der Sieg Jesu über den Tod: Wenn Gott Jesus von den Toten auferwecken kann, dann kann jeder Mensch die Hoffnung haben, ebenfalls nach dem Tod auf dieser Welt von Gott auferweckt zu werden und ein wie-auch-immer-geartetes Leben nach dem Tod zu führen. Da etwas Größeres kaum denkbar ist, verwundert es auch nicht, dass das Auferstehungsfest für Christen das höchste Fest ist, nämlich Ostern. Mit diesem Fest lässt sich dann auch der Tod Jesu festlegen: Der geschieht am dritten Tag vorher. Tod Jesu, vermeintliches Ende aller Hoffnungen: Auch hier ist es wenig verwunderlich, dass der so genannte Karfreitag zum größten Trauertag des Christentums wird.

Nachdem das geklärt ist, kann nun also die Berechnung des Osterfestes erfolgen. Auch hier ist ein Blick in die Überlieferung notwendig: Das Todesjahr Jesu ist in den historischen Quellen nicht hundertprozentig belegt. Aller Wahrscheinlichkeit nach geschah Jesu Kreuzigung (mit Todesfolge) im Jahr 30 oder 31 nach Christus, wie man so schön sagt. Sicher ist aber aufgrund des biblischen Befundes, dass Jesus unmittelbar vor einem jüdischen Passahfest gekreuzigt wurde. Und nun haben wir den Salat: Das jüdische Passahfest ist kein feststehender Feiertag, sondern er ist abhängig vom Mondkalender. Konkret heißt das: Zur Berechnung des Passahfestes warteten schon die alten Juden erst einmal auf den Frühlingsanfang, also dem Datum, an dem Tag und Nacht gleich lang sind. Passah feierten sie am ersten Vollmond nach dieser sogenannten Tag- und Nachtgleiche. Und weil sich der Mond sein Umkreisen der Erde nun einmal partout nicht mit unserem irdischen Kalender abstimmen will, haben wir den ersten Vollmond nach der Tag- und Nachtgleiche auch immer an unterschiedlichen Terminen.

Wenn man’s einmal weiß, ist es gar nicht mehr so schwer: Frühlingsanfang, erster Vollmond, Passahfest. Leider ist das aber dann doch nicht alles. Denn Juden feiern ihr Passahfest immer am Tag des Vollmondes, Christen warten mit dem Osterfest bis zum Sonntag nach diesem Vollmond. Getreu dem Motto: Der Sonntag ist der Höhepunkt der Woche. Da feiern wir dann auch das höchste Fest.

Aber das war’s nun auch. Das heißt: fast! Fällt nämlich der Vollmond und damit das Passahfest ausgerechnet auf einen Sonntag, warten Christen mit ihrem Osterfest noch bis zum darauffolgenden Sonntag. Denn das große jüdische Fest überlagern und in Konkurrenz dazu treten – das wollte das Christentum dann doch nicht. Ostersonntag

Zugegeben: Für Ihre Urlaubsplanung war das alles vielleicht nur sehr bedingt hilfreich. Aber immerhin kennen Sie jetzt die Zusammenhänge. Und können nachvollziehen, warum Sie eigentlich an Karfreitag, Ostermontag und den davon abhängigen Feiertagen in der Regel arbeitsfrei haben.

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