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24. Februar – Sechs Grammys für Eric Clapton

Momentaufnahmen, kurze Episoden in den Medien, flüchtige Eindrücke – und alles rauscht einfach vorbei? „Auch das noch“ zeigt die Skripte (leicht überarbeiteter) Rundfunkbeiträge aus dem öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Manche wurden sogar speziell für Heaven On Air geschrieben. Frei nach dem Motto: einfach mal einen Moment innehalten.

24. Februar – Sechs Grammys für Eric Clapton (1993)

In wenigen Wochen wird Eric Patrick Clapp 76 Jahre alt. Bei seiner Geburt am 30. März 1945 dachte im überschaubaren Ripley niemand daran, dass Eric unter dem Namen Eric Clapton mal der berühmteste Sohn der Gegend werden würde. Und erst recht dachte niemand daran, dass er als „Slowhand“ und sogar als „Gitarrengott“ Geschichte schreiben würde.
Die Biographie von Eric Clapton hat er selbst geschrieben. Über 280 Millionen verkaufter Tonträger, einer der erfolgreichsten Musiker aller Zeiten, der zudem mit seinem MTV-Unplugged-Album Geschichte geschrieben hat. Welcher andere Musiker ist neben ihm gleich dreimal in der Rock and Roll Hall of Fame verewigt? Eben! Keiner!

Um Eric Clapton zu verstehen und ein bisschen Küchenpsychologie zu betreiben, lohnt dennoch ein Blick in die frühe Kindheit. Wir schreiben also das Jahr 1945 in einem puritanischen, von den Kriegswirren ausgemergelten England. Bei Erics Geburt ist seine Mutter Patricia gerade einmal 16 Jahre alt, also minderjährig. Erics Vater, Edward Walter Fryer, ist damals ein kanadischer Soldat aus Montreal, der während des Kriegs in England stationiert war, aber bei Erics Geburt längst wieder in seiner Heimat war. Ein uneheliches Kind einer Minderjährigen – in damaligen Zeiten mehr als nur ein Skandal. Und eine Situation, die für die junge Mutter nicht zu meistern ist. Letztlich wächst Eric ab seinem zweiten Lebensjahr bei seinen Großeltern auf, bei Oma Rose und ihrem zweiten Mann Jack Clapp. Das, was als gesellschaftliche Schande angesehen wird, hält man lange von Eric fern. So wächst er tatsächlich in dem Glauben auf, Rose sei seine Mutter, Jack sein Stiefvater.
Um das Ganze noch etwas verworrener zu machen: Der erste Mann von Großmutter Rose, also Erics Großvater mütterlicherseits, war Reginald Cecil Clapton. Clapp – Clapton: zwei Namen, die sich ziemlich ähnlich sind. Und bei denen man am Ende gar nicht mehr weiß, wer eigentlich wer ist. Was macht das mit einem jungen Menschen, wenn er aus halbwegs harmonischen Lebensumständen gerissen wird und plötzlich in die weniger harmonischen Umstände seiner Herkunft blickt? Wahrscheinlich eine ganze Menge. Küchenpsychologie Ende! Bliebe einzig noch nachzutragen, dass Erics leibliche Mutter Patricia Jahre später erneut einen kanadischen Soldaten heiratet und mit dem nach Deutschland übersiedelt.

In seiner Kindheit gilt Eric als zurückhaltend und ruhig, aber überdurchschnittlich begabt. Und – sorry, da schlägt die Küchenpsychologie schon wieder zu – muss man als Künstler nicht in irgendeiner Form leidend und innerlich zerrissen sein, um wirklich große Kunst aus den tiefsten Tiefen seines Seins zu erschaffen?
Die musikalische Biographie lassen wir an dieser Stelle einmal aus. Erzählen nichts davon, dass Eric die Kunstschule verließ, um in einer ersten Band, The Roosters, mitzuspielen; wir lassen aus, dass Eric sich John Mayall, dem großen Förderer junger Talente, und

seinen Bluesbreakers anschloss, um danach mit Ginger Baker (Drums) und Jack Bruce (Bass) die erste Supergroup des Rock, nämlich Cream, zu gründen; kein Wort über Songs wie „White Room“, „Sunshine Of Your Love“ oder „Crossroads“. Dass Clapton den Song „Badges“ bereits mit George Harrison schreibt, muss ebenfalls nicht gesondert erwähnt werden. Auch nicht, dass die beiden eine lebenslange Freundschaft verbindet, obwohl er dem Ex-Beatle die Frau ausspann. Ja, ja, ist schon klar: Natürlich basiert „Layla“ auf der persischen Liebesgeschichte von Leila und Madschnun. Aber dass Clapton in dem Song die erste Frau seines Freundes George, nämlich Pattie Boyd-Harrison anschmachtet, schließt das ja nicht aus. Seit 1970 leben die beiden zusammen, obwohl Pattie bis 1977 mit George verheiratet ist, 1979 heiraten die beiden. Schon wieder so eine merkwürdige Beziehungskiste von Eric, bei der manch Otto Normalo sich nur fragt, wie Eric, George und Pattie das alles unbeschadet auf die Reihe bekommen haben. Immerhin: Die Ehe von Clapton und Pattie hält zumindest auf dem Papier bis 1989. Dass Clapton zwischendurch 1985 mit Yvonne Kelly eine Tochter und 1986 mit Lory Del Santo in die Welt setzt, ist eine andere Geschichte.

Dauerhafter Begleiter in den 1970ern: Drogen und Alkohol. Als George Eric bittet, beim ersten Charity-Concert der Welt teilzunehmen, nämlich dem legendären Concert For Bangladesh (1971), sagt Eric natürlich zu, bricht aber unter dem Einfluss unter Drogen während des Konzerts zusammen. Freunde wie Pete Townshend von The Who und, natürlich, George verhelfen dem Musiker zum Comeback. Das gelingt 1974 mit Claptons Version von Bob Marleys „I Shot The Sheriff“. Als negativer Meilenstein von Claptons Geschichte kommt es zu rassistischen Äußerungen des Musikers, „weil er betrunken war“, so Clapton später.
Ein einziges, aber wenig beachtetes Album soll an dieser Stelle erwähnt werden: 1975, in einer Phase massiven Alkoholkonsums, veröffentlicht Clapton das Album „There’s One In Every Crowd“. Mit dabei sind Spirituals und andere fromme Stücke, so auch „Swing Low, Sweet Chariot“ und „We’ve Been Told (Jesus Coming Soon)“. Zumindest im Ansatz wirkt dieses Album wie der Versuch, sich mit Hilfe des christlichen Glaubens ein wenig aus dem Sumpf zu ziehen. Ein Versuch, der zumindest kommerziell völlig misslingt.

Zu den Schicksalsschlägen im Leben vor Eric Clapton gehören mehrere Todesfälle: So verunglückt Stevie Ray Vaughan 1990, nachdem er an zwei Konzerten von Claptons „Journeyman World Tour“ teilgenommen hatte.
Als George Harrison 2001 stirbt, trifft dies Eric tief. Und so ist er es auch, der seinem alten Kumpel eine letzte musikalische Ehre erweist, indem er Ende November 2002, ein Jahr nach Georges Tod, zum „Concert For George“ aufruft.
Auch der Tod von J. J. Cale im Jahr 2013 trifft Clapton. Immerhin war der eher kauzige J. J. Claptons Buddy. Claptons Coverversion von Cales „Cocaine“ gab der Karriere von Clapton neuen Schub. Und „The Road To Escondido“, ein gemeinsames Album der beiden Musiker von 2006, ist ganz einfach nur ganz, ganz großes Kino.
Der größte Schicksalsschlag aber traf Eric Clapton am 20. März 1991: Damals stürzte Connor, sein gerade einmal viereinhalb Jahre alter Sohn, in New York aus dem 53. Stockwerk eines Hochhauses. Am Tag vor dem schrecklichen Unfall waren Connor und Papa Eric gemeinsam in einer Zirkusvorstellung. In „Circus“ leistet Clapton später Trauerarbeit, singt über ein Messer in der Hand eines Clowns, das im wahrsten Sinne des Wortes ins Leben einschneidet. In diesem Song über Leid und Sinnlosigkeit von Leid schimmert allerdings auch ein wenig Hoffnung auf, wenn Clapton davon singt, sich an die Hand zu nehmen und gemeinsam durch die dunkle Nacht zu kommen. Denn danach, so impliziert der Song, wird es wieder Tag, geht es wieder weiter.
Zum großen Song über den Verlust des Sohnes wird in der Kritik „Tears In Heaven“. Spannend, dass Clapton zwar im Titel von „Tränen im Himmel“ spricht, im Song aber davon singt, dass es im Himmel eben keine Tränen mehr gibt – no more Tears in heaven! Ja, es gibt sogar ein Wiedersehen, das der Musiker in seinem Song beschreibt. Ein Wiedersehen, das stark an die christliche Hoffnung auf ein Weiterleben nach dem Tod, wenn auch in einer anderen Dimension, erinnert. Zum überragenden Erfolg wird der Song in der Fassung des 1993er MTV-Unplugged-Albums – bei dem allenfalls der nahezu frenetische Applaus nach dem tränenrührenden Song irritiert.
Am 24. Februar 1993 erhält Eric Clapton in Los Angeles für „Tears In Heaven“ gleich sechs Grammys. Wir würden gerne einen siebten vergeben: für den vielleicht traurigsten, aber auch tröstlichsten Song aller Zeiten.

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