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Eric Clapton – zum Geburtstag des Gitarrengotts (30. März)

Es gibt Texte, bei denen man einfach nicht weiß, wie man beginnen soll. So auch bei diesem anlässlich von Eric Claptons Geburtstag. Keine der vielen Möglichkeiten gefällt wirklich. Ein etwas gewagter Einstieg wäre zu erzählen, dass am heutigen 30. März im Jahr 1945 sowjetische Truppen die Stadt Danzig erobert, US-amerikanische Truppen Heidelberg eingenommen haben. Als drittes Faktum für denselben Tag könnte man

dann anfügen, dass da noch etwas Besonderes passierte: Dass nämlich am 30. März 1945 der Gitarrengott Eric Clapton in Ripley geboren wurde. Ein bescheuerter Einstieg, oder? Zumal das mit dem „Gitarrengott“ ja keiner der Beteiligten, auch Eric himself, gar nicht wissen konnten…

Eine andere Idee: sofort mittenrein:
„Eric Clapton wird 76 – happy Birthday, Eric.“
Aber dann wäre die Luft schon im ersten Satz irgendwie raus.

Eine dritte Möglichkeit: aus „Tears in Heaven“ zitieren:
„Würdest du meinen Namen kennen, wäre es so wie immer,
wenn ich dich im Himmel träfe?
Würdest du meine Hand halten, würdest du mich aufrecht halten,
wenn ich dich im Himmel träfe?“

Immerhin sind das die Fragen, die der Gitarrist und Sänger seinem Sohn Connor stellt – wohlgemerkt nachdem der als Vierjähriger aus dem Fenster eines Hochhauses zu Tode stürzte. Erwähnenswert, dass Clapton doch mit dem Song irgendwie zu erkennen gibt, dass er ein Weiterleben nach diesem irdischen Leben für möglich hält. Wenn man sich nach dem Tod wiedertrifft, muss es – ganz logisch – also auch ein Leben nach dem Tod geben. Das Clapton wohl anscheinend ganz real für möglich hält.

Geht so, oder? Jemanden ausgerechnet an seinem Geburtstag mit dem schmerzlichsten Moment seines Lebens in Verbindung zu bringen, ist nun wirklich keine Idee, die für Feierlaune steht. Und die Story rund um „Tears in Heaven“ ist auch schon unglaublich oft erzählt. Auserzählt, quasi. Obwohl: Was mich literarisch immer noch beeindruckt: Da heißt der Song zwar „Tears in Heaven“, aber wenn man hinhört, dann singt Clapton immer „No more tears in heaven“. Im Himmel gibt es eben keine Tränen mehr! Das hat nichts von Trauer und Fatalismus. Das hat etwas von Zuversicht, von Hoffnung. Christen feiern ja in dieser Woche genau diese Hoffnung ganz groß: dass Jesus, der Christus, durch seine Auferstehung quasi einen Präzedenzfall schafft: Was ihm ermöglicht wurde, nämlich von den Toten aufzuerstehen, den Tod also zu besiegen, ist dann für jeden anderen auch möglich. Zumindest wenn er so gestrickt ist wie Jesus, also sich ähnlich an die Gebote von Gottes- und Nächstenliebe hält wie Jesus. Aber obwohl das hundertmal aus „Tears in Heaven“ herauszulesen ist – ist das ein schöner Aufhänger, um auf Claptons Geburtstag zu verweisen? Ich weiß nicht so recht.

Wie also würdigt man diesen Mann, der alles schon gesehen hat, alles erlebt hat, was ein Mensch erleben kann? Mit Cream gefeiert wie kein Zweiter, zum „Gitarrengott“ erhoben. Und dann diese unglaublichen Abstürze durch Alkohol und Drogen bis hin zur totalen Abhängigkeit. Wer hoch fliegt… Bei Clapton trifft das vom tiefen Fall ganz sicher zu.

Aber auch die Geschichte vom Phoenix aus der Asche: Nach einer Entziehungskur hat er sich wieder nach oben gekämpft. Es dauert etwas, aber dann landet er mit Bob Marleys „I Shot The Sheriff“ einen Welthit. Dass er dabei die religiös-politisch motivierte Botschaft des Rastafarianismus ebenfalls quasi adelt – geschenkt. Allerdings nehmen ihm die Kritiker übel, dass er dann mit christlichen Spirituals weitermacht. „Swing Low Sweet Chariot“, „We’ve Been Told (Jesus Coming Soon)“ und all die anderen Tracks sind zweifellos schöne Songs, von Clapton glänzend interpretiert. Aber ist das der Gitarrengott? Für die Kritiker nicht. Die zerreißen die ganze Platte. Bloß gut, dass die Plattenfirma den einzigen wirklichen Makel am Album verhindert hat: „EC is God … There’s One in Every Crowd“ sollte es eigentlich heißen. Der erste Teil war der Plattenfirma zu heiß, so dass die Platte mit dem zweiten Teil auskommen musste. Wahrscheinlich wäre diese Nummer Clapton um die Ohren geflogen: „Musiker behauptet von sich, Gott zu sein“ – gut, dass der Boulevard diese Schlagzeile nie texten musste.

Ach, der Boulevard. Stoff fand der bei Mr. Slowhand genug. Nehmen Sie nur Layla, schon immer ein Herzstück des Clapton-Kanons: Auf der Unplugged-CD kommt er Jahrzehnte später noch dramatischer daher als im Original. Wie sehr muss dieser Kerl gelitten haben, dass seine Liebe zur Frau von Ex-Beatle, geschätzten Kollegen und sogar Freund George Harrison anfangs nicht erwidert wurde. Und später? Wie hat das funktioniert, dass er dem Freund die Frau ausspannt und trotzdem mehrfach mit ihm auf Tour geht, weiter mit ihm befreundet bleibt? Bitte, lassen wir diese Geschichte links liegen. Schließlich sind wir hier nicht beim Boulevard…

Obwohl… zumindest diese Geschichte hier ist unbestreitbar boulevardesk: In irgendeinem Blättchen habe ich einmal die Geschichte von einem englischen Pfarrer gelesen, der, neu im Ort, angeblich von Haustür zu Haustür ging, um sich vorzustellen. Und um seine Schäfchen um sich zu sammeln. Bei Eric Clapton sei er auch gewesen, habe ein paar Gitarren im Haus gesehen. Da könne der doch prima mal im Gottesdienst spielen, so angeblich der Pfarrer. Clapton, der merkt, dass der Pfarrer keine Ahnung hat, mit wem er da überhaupt spricht, zögert kurz. Was den Pfarrer angeblich zu der Bemerkung veranlasst: Er müsse da nicht schüchtern sein. Selbst wenn er vielleicht gar nicht gut spielen könne – es käme auf das Dabeisein an.
Ganz sicher nur eine urban legend. Obwohl ich genau danach Eric Clapton gern fragen würde, falls ich ihn mal vor ein Mikrophon bekäme. Am Ende ist vielleicht sogar doch ein Fünkchen Wahrheit an der Sache.

Ähnlich wie bei dem Graffiti auf einer Straßenüberquerung, an die jemand geschrieben hatte: „Clapton is God!“ Ob da wirklich jemand drunter geschrieben hat: „Falsch! Denn Gott spielt keine Gitarre“? Wenn schon, dann natürlich auf Englisch, ist klar.

Ach, Eric, wie viele Jahre hast du mich mit deiner Musik begleitet? Wie viele CDs habe ich von dir im Schrank stehen? Und sie immer und immer wieder gehört? Wenn es so ist, dass Musik dabei helfen kann, wieder an längst vergangene Zeiten zu erinnern, dann freue ich mich auf heute Abend. Da werde ich mal wieder die gute alte „Slowhand“ auflegen. Und meiner Frau das schöne alte „Wonderful Tonight“ vorspielen. Happy Birthday, Eric Clapton. Auch wenn ich jetzt immer noch keinen Anfang für deinen Geburtstagstext gefunden habe.

Momentaufnahmen, kurze Episoden in den Medien, flüchtige Eindrücke – und alles rauscht einfach vorbei? „Auch das noch“ zeigt die Skripte (leicht überarbeiteter) Rundfunkbeiträge aus dem öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Manche wurden sogar speziell für Heaven On Air geschrieben. Frei nach dem Motto: einfach mal einen Moment innehalten.

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Kommentare

1 Kommentar

Albert

TOLLER ARTIKEL, DANKE DAFÜR!!!


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