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Monterey Pop Festival, Hippies… und Fridays for Future (16. Juni)

Kalifornien, Frühjahr 1967. Etliche befreundete Musiker auf dem blanken Fußboden. Völlig stoned. Mit dabei: John Philips von The Mamas And The Papas. Die Gruppe ist dermaßen erfolgreich, dass sich John brüstet, über alles einen Hit schreiben zu können. „Hey, John, schreib einen Hit!“ „Worüber?“ Scott McKenzie zappt durch die Fernsehprogramme, sieht, wie Menschen

in San Francisco ihre Angst vor den ersten Hippies äußern. „Schreib einen Hit darüber, dass man keine Angst vor den Hippies haben muss!“ John kriecht durch den Raum – laufen kann er nicht, dazu ist er zu zugedröhnt – schnappt sich die Gitarre, greift ein paar Akkorde. Dann beginnt er zu singen: „If you‘re going to San Francisco“ – ein Lied über friedliche junge Menschen mit Blumen in den Haaren. Über Menschen auf der Suche nach Sinn im Leben. Sinn, den sie in den Konventionen ihrer Eltern nicht finden.

Barry McGuire

So erzählt einer, der damals dabei war, diese Geschichte, solange er auf der Bühne stand: Barry McGuire, 1965 Verfasser des Protestsongs „Eve of Destruction“. Das letzte Mal war der mittlerweile 85jährige im Jahr 2013 auch in Deutschland unterwegs. Während seiner Konzerte erzählte er von Begegnungen mit Kollegen, von denen viele längst nur noch auf Wolke sieben Musik machen. Wie damals alles begann, aus seiner Sichtweise, wie er es erlebt hat, erzählt Barry. Vom Festival von Monterey, dem eigentlichen Beginn der Idee von Love, Peace und Musik – schon zwei Jahre vor dem legendären Woodstock-Festival.

Monterey International Pop Festival

Obwohl das Monterey International Pop Festival, wie es offiziell heißt, etwas in Vergessenheit geraten ist, ist doch genau dieses Festival der eigentliche Beginn der Hippie-Ära. Vom 16. bis zum 18. Juni gaben sich die bekanntesten Künstler der damaligen Zeit quasi die Klinke in die Hand. Die Beatles, die Beach Boys und The Mamas And The Papas saßen im Organisationskomitee. Auf der Bühne standen Eric Burdon mit seinen Animals, Simon & Garfunkel, Canned Heat, die Steve Miller Band, The Byrds, Jefferson Airplane, Booker T & The M.G.‘s, Otis Redding, The Who, Grateful Dead, Janis Joplin mit ihrer Big Brother And The Holding Company und The Jimi Hendrix Experience, um nur einige wenige zu nennen. Und um das Ganze rund zu machen: Auch Scott McKenzie sowie The Mamas And The Papas spielten natürlich ihre Shows. Für die in England bereits erfolgreichen The Who und Jimi Hendrix


bedeutete das Auftreten beim Monterey-Festival den Durchbruch in den USA, Janis Joplin wurde durch ihren Gig in Monterey überhaupt erst einer breiten Masse bekannt.
Beatles, Beach Boys, Rolling Stones, Kinks u.a.

Dabei hätte das Festival noch viel größer sein können. Die Beatles hatten keinen Bock mehr auf Festivals, bei denen sie sich selbst nicht mehr hören konnten (und wurden deshalb auch aus dem Organisationskomitee geworfen), die Beach Boys stiegen quasi in letzter Sekunde aus. Die Rolling Stones und Eric Clapton mit Cream waren auf einmal anderweitig verplant, The Kinks und Donovan erhielten keine Visa für die USA – die einen, weil sie sich mit der US-amerikanischen Musikergewerkschaft angelegt hatten, der andere, weil er im Jahr zuvor mit Drogen erwischt worden war. Ach ja, auch Neil Young, damals noch Gitarrist und Sänger bei Buffalo Springfield, wollte nicht und wurde in Monterey kurzerhand durch seinen späteren Crosby, Stills, Nash & Young-Kollegen David Crosby ersetzt. Ja, es hätte noch größer sein können. Aber es war für das Jahr 1967 schon ein riesiges Festival. Wobei erstaunlicherweise dieselben, die in Monterey fehlten, auch dem Woodstock-Festival fernblieben.

Anders – und trotzdem friedlich

Die Zahl der Besucher wird zwischen 50.000 bis 90.000 angegeben – da war Woodstock in der Tat um einiges größer. Wie später bei Woodstock wurden Eindrücke des Festivals in einem Film festgehalten. Ein Festival, das etwas zeigte, was man damals nicht für möglich hielt: dass junge Menschen, die anders sein wollten als ihre Eltern, deren Politik als schrecklich und bedrückend empfanden, sexuell viel freizügiger waren als ihre Eltern und zudem noch Drogen nahmen – dass diese jungen Menschen trotz alledem nichts anderes taten als friedlich zu feiern.

Pech und Schwefel

Obwohl einige erzkonservative Kreise nur darauf warteten, dass sich denn endlich der Schlund der Hölle öffne, zumindest aber Pech und Schwefel vom Himmel regneten oder eine neue Sintflut alles Gotteslästerliche bestrafe, passierte nichts dergleichen. Im Gegenteil: Die späten 1960er Jahre, die Zeit der Hippies mit ihrer friedlichen Flower Power-Botschaft, ihrem plakativ verkündeten Zusammenspiel von Love and Peace hatte auch ihre religiöse Seiten: Neben den Jesus People entstanden religiös geprägte Gemeinschaften, die nichts anderes wollten, als friedlich zusammenzuleben. Dabei beriefen sie sich auf den christlichen Gott und das Evangelium, auf die Frohe Botschaft, wie dieses Wort übersetzt heißt. Eine Botschaft, die Menschen veränderte: Der ehemals drogenabhängige Barry McGuire wurde clean und lange Zeit zu einem durch seine Songs missionarischen Christen, Simon & Garfunkel verwandten in „Mrs. Robinson“ erstmals den Namen Jesus in einen Popsong. Und die Byrds zitierten die Bibel, wenn sie – Turn Turn Turn – feststellten, dass alles seine Zeit hat. Mit derselben Grundhaltung sang etwas später Norman Greenbaum in seinem „Spirit In The Sky“ über ein Leben nach dem Tod, was man durch ein gottgefälliges Leben erreichen könne. Und McGuinness Flint behaupteten in ihrem „When I’m Dead And Gone“, dass Trauer um einen Verstorbenen völlig unnötig sei. Schließlich ginge es dem Verstorbenen in einem jenseitigen Leben besser als auf der Erde.

Die Kraft der Jugendbewegungen

Einige wenige Songs, die zeigen, wie junge Menschen in den 1960er Jahren aus der Lethargie ihrer Eltern zu entkommen versuchten und sich selbst auf die Suche nach Sinn in ihrem Leben machten. Vielleicht ist neben der unsterblichen Musik genau das, was vom Festival in Monterey, diesem Startpunkt der Hippie-Bewegung, und der gesamten Bewegung selbst bleibt: Junge Menschen verändern die Welt, in der es sich ihre Elterngeneration bequem gemacht hat, reißen die Mauern einer trügerischen Scheinsicherheit ein, gehen neue Wege und suchen eigene Antworten. Mit neuen Idealen, mit der Kraft, Althergebrachtes hinter sich zu lassen. Und mit einer unglaublichen Beharrlichkeit.
Ähnlichkeiten mit Jugendbewegungen wie „Fridays for Future“ sind rein zufällig. Oder?

Momentaufnahmen, kurze Episoden in den Medien, flüchtige Eindrücke – und alles rauscht einfach vorbei? „Auch das noch“ zeigt die Skripte (leicht überarbeiteter) Rundfunkbeiträge aus dem öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Manche wurden sogar speziell für Heaven On Air geschrieben. Frei nach dem Motto: einfach mal einen Moment innehalten.

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