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Schon eine Woche Tour de France – und immer wieder spannend (2. Juli)

Rouen, Paris, Cambrai, Reims, Metz und Lyon – das sind Stationen der ersten Tour de France. Die fand schon vor rund 2000 Jahren statt. Teilnehmer sind ausschließlich Franzosen. Übrigens: nur zwei Teilnehmer. Bis ihnen in Paris ein kleiner weißer Hund zuläuft, der nie mehr von ihrer Seite weicht. Da das Fahrrad damals noch nicht erfunden war, waren diese Urfranzosen zu Fuß unterwegs. Und: Sie nannten sich Gallier. Spätestens jetzt

wissen Sie: Ich rede von Asterix, Obelix und Hündchen Idefix.

108. Tour de France

Aber jetzt der Sprung ins richtige Leben: Am letzten Samstag startete die mittlerweile 108. Tour de France. Los ging’s an der Bretagne, an diesem Wochenende geht’s bereits zum ersten Mal in die Berge. Und schon ist die Tour de France wieder eine Tour der Rekorde und der Überraschungen. Fangen wir mit den Überraschungen an: Dass Emanuel Buchmann vom deutschen Bora Hansgrohe überhaupt dabei ist, ist eine freudige Überraschung. Weniger freudig der Grund: Denn Buchmann ist nur dabei, weil er vor kurzem beim Giro d’Italia im wahrsten Sinne des Wortes aufs Maul gefallen ist. Oder etwas freundlicher formuliert: weil er sich bei einem heftigen Sturz üble Verletzungen im Gesicht zuzog. Schade wiederum, dass ein Mann wie Lennard Kämna eben nicht dabei ist. Oder John Degenkolb ausgebotet wurde. Der stürzte im letzten Jahr auf der ersten Etappe, quälte sich voller Schmerzen ins Ziel… und wurde von der Jury der Tour nach Hause geschickt. Der Grund: John Degenkolb kam erst ziemlich spät im Ziel an. Und zwar außerhalb des Zeitlimits. So etwas wie Gnade kennt die Jury der Tour in solchen Fällen nicht.

Sturzrekord

Überhaupt Stürze: So viele Fahrer wie in diesem Jahr lagen nach so kurzer Zeit noch nie auf der Nase. Schon nach kurzer Zeit kam es zu einem Massensturz. Dann sprang auch noch eine Zuschauerin auf die Straße, um sich selbst zu profilieren und mit einem Pappschild Oma und Opa zu grüßen. Prompt rauschten Fahrer in dieses unerwartete Hindernis hinein. Zwei Rekorde also auf der ersten Etappe: die meisten Stürze der gesamten Tourgeschichte. Und die größte Dämlichkeit aller Zeiten.

Spannendes Taktieren

Seit ein paar Jahren schaue ich so viel Tour de France im Fernsehen, wie ich eben kann. Und mittlerweile interessiert mich der Radsport tatsächlich. Ich verstehe immer

mehr von der unglaublichen Taktik, die dort im Spiel… Verzeihung: im Rennen ist. Verstehe, was Sprinter und Bergspezialisten sind und warum die nur in manchen Etappen ganz vorne versuchen mitzumischen. Und ich habe immer mehr Respekt vor den Helfern. Hätten Sie mir vor ein paar Jahren gesagt, ein Helfer würde seinen Kapitän die Hand in den Rücken legen und schieben – ich hätte mich zwar gewundert, aber widersprochen hätte ich Ihnen nicht. Jetzt weiß ich, wie wichtig es ist, Helfer im Team zu haben. Einen, der vorweg fährt, an dessen Hinterrad man sich über eine gewisse Distanz hängt, dessen Windschatten der nachfolgende Fahrer nutzt, um dann, genau im richtigen Augenblick, nach vorne zu preschen und möglicherweise zu gewinnen. Spannend! Genauso spannend wie die Situation, dass ein paar Fahrer versuchen auszureißen, die Verfolger sie ziehen lassen, um dann, nach etlichen Kilometern, sich doch darauf besinnen, die Ausreißer einzuholen. Nervenkitzel, wenn der Vorsprung Sekunde um Sekunde mehr zusammenschmilzt. Werden die Ausreißer belohnt? Oder fangen die Verfolger sie kurz vor dem Ziel noch einmal ab? Ein Spektakel voller Taktik, Kraft, Mut und Disziplin.
Grandiose Bilder

Wenn ich ganz ehrlich bin: Erstmals bewusst angeschaut habe ich mir die Tour de France, als die eine Region Frankreichs durchquerte, in der ich bereits Urlaub gemacht hatte. Fantastisch, was die Franzosen mit etlichen Kameras, darunter auch viele Aufnahmen aus Hubschraubern, von ihrem Land zeigen. Grandiose Bilder von Dörfern, Schlössern, Kirchen, vielen anderen Sehenswürdigkeiten und von der unglaublichen Natur. Dazu die vielen Dörfer, in denen Menschen mit einer unglaublichen Akribie Objekte vorbereiten, die gerade aus dem Hubschrauber einfach nur fantastisch wirken: gigantisch große Fahrräder, die auf Wiesen gemalt sind, wobei aber die Menschen hintereinander im Kreis laufen, so dass es von oben so aussieht, als drehen sich die Räder oder bewege sich die Kette am Fahrrad. Oder… Nein, schauen Sie sich das selbst im Fernsehen an. Würde ich versuchen, solche Bilder adäquat zu beschreiben, würde der Text viel zu lang. Nur so viel: Die Vorbereitungen zu diesen „Objekten“ dauert Tage, manchmal sogar Wochen. Und dann sind davon nur wenige Sekunden im Fernsehen zu sehen. Aber nur, wenn gerade im Fahrerfeld nichts Gravierendes passiert. Dann ist der Regisseur der Sendung natürlich auf der Strecke und die Macher der Objekte haben Pech gehabt.

Werbung für Frankreich

Keine Frage: Die Tour de France ist nicht nur eine Sportveranstaltung, sondern auch eine gigantische Werbeveranstaltung. Damit meine ich weniger die Namen der Sponsoren, die es tausendfach in die Kameras schaffen. Vielmehr meine ich: eine Werbeveranstaltung für das Land. Jedes Jahr nehme ich mir aufs Neue vor, die eine oder andere Etappe einer Tour nachzufahren und mir die vielen schönen Orte anzuschauen. Dazu die Kommentare der extrem gut vorbereiteten Fernsehmoderatoren zu den Sehenswürdigkeiten, zu Land und Leuten, Empfehlungen zu regionalen Speisen und Getränken – nicht zu viel, sondern so gut dosiert, dass ich einfach Lust bekomme. Ja, das flasht! Und das geht garantiert nicht nur mir so.

Tour de Dope

Da ist es natürlich ärgerlich, wenn sich jemand den Sieg bei diesem Spektakel durch Betrug erschleicht. Lance Armstrong zum Beispiel gewann am 24. Juli 2005 zum siebten Mal die Tour de France. Lange Zeit später gab er zu, gedopt gewesen zu sein. Nicht nur ihm, aber vor allem ihm ist es zu verdanken, dass Spötter die Tour de France umbenannten. Und zwar in Tour de dope. Welch ein Schaden für die Tour, welch ein Schaden für das Land, welch ein Schaden für die ehrlichen Verlierer. Geht es schlimmer?
Seine Siege wurden Armstrong allesamt aberkannt. Gott sei Dank! Denn das war zumindest ein Signal, dass sich sportliche Siege eben nicht durch Betrug erkaufen lassen sollten. Und was für den Sport gilt, gilt auch im richtigen Leben.
Es gibt nur eine einzige Ausnahme: Man ist als Kleinkind in einen Topf mit Zaubertank gefallen. Aber das ist eine andere Geschichte…

Momentaufnahmen, kurze Episoden in den Medien, flüchtige Eindrücke – und alles rauscht einfach vorbei? „Auch das noch“ zeigt die Skripte (leicht überarbeiteter) Rundfunkbeiträge aus dem öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Manche wurden sogar speziell für Heaven On Air geschrieben. Frei nach dem Motto: einfach mal einen Moment innehalten.

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