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Regnet’s jetzt durch? Regen seit Siebenschläfer! (1. Juli)

„Jetzt regnet es schon den dritten Tag hintereinander. Hoffentlich bekommen wir bald mal richtig schönes Sommerwetter.“
Ich gebe zu: Dass es sogar mir in der letzten Woche zu heiß war, ist fast vergessen. Drei Tage Regen am Stück nerven einfach. Zumindest mich. Da schlägt der Wunsch nach Sommer, Sonne, Badewetter einfach stark durch.
„Das kannst du knicken“, sagt Hank, der eigentlich Johannes heißt, aber Hank genannt werden möchte. „Sonntag war Siebenschläfer.“

Siebenschläfer

Weil ich wohl überrascht bis fragend gucke, frei nach dem Motto: „Wer glaubt denn so etwas?“, ergänzt Hank: „Wenn es regnet am Siebenschläfertag, es sieben Wochen regnen mag.“
Sieben Wochen Regen? Das hieße bis Mitte August? Da wäre der Sommer ja schon quasi vorbei. Schlagartig denke ich an all die Schülerinnen und Schüler, die in diesen Tagen Ferien bekommen. Die gesamten Wochen verregnet? Gibt es Schlimmeres?

Urlaub im Regen?

Und all die Familienurlaube, die ins Wasser fallen! In diesem Jahr mehr denn je – coronabedingt – im eigenen Land, wo das Wetter sowieso meist nicht so stabil und erst recht nicht so warm ist wie in Südeuropa. Oder in der Karibik. Oder… Es macht keinen Sinn, sich jetzt in eine gewisse Panik hineinzusteigern. Auch wenn der Siebenschläfertag als Lostag gilt, an dem, so der Volksglaube, ein Blick auf das zukünftige Wetter möglich ist: Das Wetter haben wir eh nicht in der Hand. Selbst wenn es nicht ganz passend ist, sage ich zu mir selbst: Die sieben – das ist wieder so eine Symbolzahl, wie man sie aus der Gematrie kennt. Wie bei den sieben Tagen der Woche, den sieben Engeln, Sendschreiben und Siegeln aus der Johannesapokalyspe, den sieben Weltwundern, den sieben Hügeln, auf denen Rom erbaut wurde, und natürlich bei den sieben Zwergen. (Sorry, ich bin schon wieder bei meinem Lieblingsthema gelandet.) Das Wetter über sieben Wochen vorherzusagen – das ist gar nicht möglich. Deshalb gilt für mich eher eine andere Bauernregel: „Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist.“ Soll er also bitte krähen. Und vor allem soll sich das Wetter ändern!

Sieben Monate Winterschlaf

Siebenschläfer: Das sind diese kleinen possierlichen Tierchen, die einem sehr kleinen Eichhörnchen ähneln. Insgesamt vielleicht 30 Zentimeter lang, wobei der Schwanz die Hälfte der Körperlänge ausmacht. Im Tierpark habe ich mal welche gesehen. Die gingen da an senkrechten Wänden hoch. Unglaublich. Für unsere österreichischen Nachbarn sind die Siebenschläfer in diesem Jahr „Das Tier des Jahres“. Bei uns waren sie das schon 2004. Aber immerhin. Sieht man sie, so der Volksmund, ist das ein Vorzeichen. Allerdings gibt es unterschiedlichen Deutungen: Mal handelt es sich um ein gutes Vorzeichen, mal um ein schlechtes. Hmmm… Gut, dass ich an solche Dinge nicht glaube. Sieben Monate dauert der Winterschlaf dieser kleinen Nager. Und daher haben sie auch ihren Namen.

Legende von den sieben Schläfern

Der allerdings leitet sich von einer uralten Legende ab: die von den Siebenschläfern, oder besser: sieben Schläfern. Im dritten Jahrhundert nach Christus fand unter dem römischen Kaiser Decius eine große Christenverfolgung statt. Angeblich versteckten sich sieben junge Männer in einer Höhle, wurden gefunden und dann in dieser Höhle eingemauert. Warum auch immer: Die Sieben verhungerten nicht, sondern fielen in einen tiefen Schlaf. Zweihundert lange Jahre schliefen sie in ihrer Höhle. Dann erwachten sie, kamen irgendwie ins Freie und bekannten umso eifriger ihren Glauben an die Auferstehung Christi. Kurze Zeit später allerdings starben sie dann doch. Blöd, aber irgendwie auch wieder normal. „Denn wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“, wie es am Ende von Märchen immer so schön heißt. Aber ist schon klar: Die Erzählung von den sieben Schläfern ist eine Legende, kein Märchen. Und sie gibt es in einer ganzen Reihe von Fassungen, übrigens auch im Koran.

Jetstream und Statistik

Um zum Wetter zurückzukommen: Tatsächlich wissen Meteorologen seit langem, dass sich durch Einfluss des so genannten Jetstreams Wetterlagen von Ende Juni bis Ende Juli stabilisieren. Dieser Jetstream schlenkert immer ein bisschen, mal mehr in Richtung Norden, mal mehr in Richtung Süden. Entscheidet er sich dafür, dem Norden einen Besuch abzustatten, bringt er jede Menge Tiefdruckgebiete mit. Und

damit auch jede Menge Regen. Statistisch ist nachgewiesen: Vor allem in Süddeutschland stimmt das. Wenn sich um den Monatswechsel von Juni zu Juli Regen einstellt, gibt es dort zu über 70 Prozent einen feuchten bis nassen Sommer. Je nördlicher man sich in unserem Land befindet, desto geringer wird die Regenwahrscheinlichkeit.
Die Bauern freut das: Damit der Ernteertrag gut ausfällt, braucht es nun mal eine ganze Menge Wasser. Und so ganz nebenbei: Durch die letzten beiden, statistisch betrachtet viel zu heißen und vor allem zu trockenen Sommer ist das Grundwasser abgesackt. Es fehlt noch eine ganze Menge Regen, bis der alte Pegel wieder erreicht ist. Wer in seinem Garten ein Loch gräbt, wird schnell feststellen: Trotz des Regens der letzten Tage ist es ab einer gewissen Tiefe immer noch pulvertrocken.
Die Hoffnung

Ja, das kann ich nachvollziehen, dass die Bauern froh über den Regen sind. Ich letztlich auch. Denn ich möchte auch in den nächsten Monaten noch etwas zu beißen haben. Andererseits: Hank hat mir Begriffe wie „Azorenhoch“ und „Hochdruck über Skandinavien“ zugeworfen. Wenn die sich, so habe ich ihn verstanden, mit einer „Hochdruckbrücke über den Britischen Inseln“ verbinden, dann bekämen wir doch noch einen warmen, trockenen Sommer. Vielleicht geht ja beides: ein paar Wochen schönen Sommer und immer mal wieder einen schönen, gemäßigten Landregen. Meinetwegen in jeder zweiten Nacht. Nur bitte keine sieben Wochen am Stück.

Momentaufnahmen, kurze Episoden in den Medien, flüchtige Eindrücke – und alles rauscht einfach vorbei? „Auch das noch“ zeigt die Skripte (leicht überarbeiteter) Rundfunkbeiträge aus dem öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Manche wurden sogar speziell für Heaven On Air geschrieben. Frei nach dem Motto: einfach mal einen Moment innehalten.

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