Drücken Sie Enter, um das Ergebnis zu sehen oder Esc um abzubrechen.

Rauch, Pfarrer Ferdinand – Gematrie: Zahlensymbolik in der Bibel

Kameras sind unerbittlich. Aber sie zeigen nur das, was „vor den Kulissen“ passiert. Was er mit seinen Gästen „hinter den Kulissen“ und „abseits der Kameras“ erlebt hat, erzählt Moderator Klaus Depta hier. Zum Beispiel mit

Rauch, Pfarrer Ferdinand – Gematrie: Zahlensymbolik in der Bibel

Ende der 1960er Jahre sagte Komiker Karl Dall, lange bevor er Zotenkönig wurde, einen Satz, den Ferdinand Rauch sofort unterschreiben würde: „Ich mag den Rummel um meine Person nicht so!“ Während Dalls Aussage als geplante Steilvorlage für Ingo Insterburg diente, der schelmisch-naiv fragte: „Warum bist du denn dann neulich mit mir Riesenrad gefahren“, fragte Ferdinand Rauch: „Meinst du wirklich, das, was ich zu sagen habe, interessiert die Leute?“ Ja, natürlich. Sonst hätte ich den sympathischen Nordhessen nicht zu „Talk am Dom“ eingeladen.

Gematrie: Zahlen erzählen Sachverhalte

Erlebt habe ich ihn in den unterschiedlichsten Zusammenhängen: bei Vorträgen, Seminaren, Gesprächen am Rande von irgendwelchen Tagungen… und 2010 sehr intensiv bei einer von ihm organisierten noch intensiveren Rundreise durch Syrien und Jordanien. Was wir dort – vor der Zerstörung durch den IS – in Palmyra, Krak des Chevaliers, in Städten wie Aleppo und Damaskus, dann quasi auf den Spuren von Laurence von Arabien in einem Wüstencamp im Wadi Rum, in Petra und an anderen Orten gesehen und erlebt haben, ist unbeschreiblich, lässt mich bis heute nicht los. Und ist auf immer verbunden mit einem großartigen Organisator und begnadeten Tourleiter.
Jahrelang hat der Ferdinand Rauch als Sekten- und Weltanschauungsbeauftragter des Bistums Fulda gearbeitet. Ein Mann mit einem ungewöhnlichen Hobby: Gematrie und sprechende Namen in der Bibel. In unserem Wort „erzählen“ steckt ja das Wort „Zahl“ bereits drin, so der Einstieg in Rauchs Hobby. Denn Gematrie beschäftigt sich damit, mit Zahlen eine Aussage zu treffen. Vereinfacht ausgedrückt: Jedem Buchstaben ist ein Zahlenwert zugeordnet. Und über eine Zahl drückt man dann einen Sachverhalt aus, der auf diese Weise viel leichter nachvollziehbarer wird.

Beispiele für sprechende Zahlen

Reste davon finden wir auch in unserer Sprache: Dass aller guten Dinge drei sind, hat etwas damit zu tun, dass bereits die alten Israeliten in der Bibel – aber auch andere alte Völker – die Zahl 3 als göttlich ansehen. Die 4 hingegen ist die Zahl der Harmonie der Welt, wie wir sie in den vier Himmelsrichtungen, den vier Elementen, den vier Jahreszeiten und vielen mehr kennen. 3 x 4 wird also zur Vereinigung von Gott und Welt. Deshalb haben schon unsere Vorfahren 12 Tierkreiszeichen definiert, Tag und Nacht in 12 Stunden und das Jahr in 12 Monate aufgeteilt. Aus gutem Grund sprechen wir von dem runden Dutzend.
Wenn es aber 13 schlägt, sind wir einen Schritt über das schöne runde Dutzend, über die Zahl der Vollkommenheit, hinausgegangen. Dann wird es unharmonisch, dann kracht es!
Und wenn Sie jemandem etwas schon „tausendmal gesagt haben“, haben weder Sie noch der Angesprochene mitgezählt. Sie dürften auch weit unter dieser Zahl geblieben sein. Klar wird aber: Jetzt ist es genug. Mehr geht nicht.


Denn die 1000 ist nun einmal die Zahl der Fülle.
Entschlüsselt: der Ort des Paradieses

Auf diese Weise entschlüsselt Rauch den Subtext biblischer Erzählungen. Wenn zum Beispiel in der Schöpfungserzählung dargestellt wird, wo sich das Paradies befindet, bedeutet das nicht, das Archäologen diesen Ort auch finden könnten. Der Schlüssel liegt in den Buchstabenwerten: Addiert man die Zahlenwerte aller benannter Ortsangaben, erhält man den Wert 1000. Zufall? Für Rauch Absicht: Der biblische Verfasser wollte keine Ortsangabe liefern, stattdessen aber klarmachen: Das Paradies ist da, wo Frieden und Gerechtigkeit in Hülle und Fülle – symbolisiert durch die 1000 – vorhanden sind. Insofern ist auch die Hoffnung auf ein 1000jähriges Reich des Friedens biblischen und damit göttlichen Ursprungs. Ein 1000jähriges Reich ohne Gott dauert nicht allzu lange, wie unsere Geschichte für die Jahre 1933 bis 1945 deutlich macht…

Warum genau 153 Fische?

Und wie war das mit den 153 Fischen, die die Jünger auf Geheiß Jesu im See Genezareth aus dem Wasser ziehen? Interpretationen, dass es sich dabei um die Anzahl der im See Genezareth lebenden Fischarten handelt, sind leicht zu widerlegen. Spannend wird es, wenn Sie die Zahlen von 1 bis 17 miteinander addieren: 1 + 2 + 3 + … 17. Ergebnis: 153. Fragen Sie mich nicht nach der 17. Wenn ich lese, dass Carl Friedrich Gauß – der mit der Normalverteilungsparabel – bereits als 19jähriger entdeckte, dass die Darstellung der Zahl 17 als Fermatsche Primzahl die Möglichkeit schafft, das regelmäßige Siebzehneck mit Lineal und Zirkel zu konstruieren, bin ich raus. Aber ich verstehe, dass die Zahl 4 als Zahl für die Harmonie steht, mit sich selbst multipliziert durch und durch Welt bedeutet. Durch das Zutun des Göttlichen – oder mathematisch ausgedrückt durch 4 x 4 + 1 – entsteht ein wunderbares Ereignis, symbolisiert durch die 17. Anders ausgedrückt: Als erfahrene Fischer wussten die Apostel, dass sie im See Genezareth nach Tagesanbruch, also nach dem eigentlichen Ende ihres Fischfangs, kaum noch etwas fangen würden. Nur durch das Zutun Gottes wird ein wundersamer Fischfang möglich. Und genau das will der Verfasser des Johannesevangeliums im 22 Kapitel seines Evangeliums mit der Zahl 153 ausdrücken.

Zahlen und sprechende Namen: Das Buch Jona

Sie wissen, dass eine Taube immer wieder in ihren Schlag zurückfindet? Dann verstehen Sie auch, warum der Verfasser des Jonabuches in seiner Lehrerzählung seine handelnde Figur Jona nennt. Denn Jona heißt „Taube“. Als Jona von Gott den Auftrag erhält, in Ninive ein Strafgericht zu verkünden, sieht er darin ein Himmelfahrtskommando. Also flieht er. Ein Sturm führt dazu, dass Jona über Bord geworfen, von einem Wal verschlungen und wieder ausgespien wird. Diese Flucht ist missglückt. Gott hat die Reset-Taste gedrückt: Alles auf Anfang! Dass Jona ans entgegengesetzte Ende der Welt fliehen wollte, nach Tarschisch, und dass Tarschisch mit 1210 den zehnfachen Zahlenwert von Ninive (121) hat, hat der Verfasser des Jonabuches geschickt konstruiert: Seine Zeitgenossen erkannten anhand der Zahlenwerte sofort, dass es um ein Vielfaches schlimmer ist, vor dem Auftrag Gottes zu entfliehen, statt ihn auszuführen. Für uns ist diese Erkenntnis normalerweise nicht mehr sichtbar.

Soweit lediglich ein ganz kleiner Einstieg in eine höchst spannende Thematik. Hoffentlich schreibt Ferdinand Rauch irgendwann einmal ein Buch über sein Hobby und seine Erkenntnisse. Denn damit wird das Lesen der Bibel zu einem neuen Abenteuer. Einen winzigen Einblick erhalten Sie mit einem Klick auf den Mitschnitt von unserem Gespräch bei „Talk am Dom“.
P.S.: Warum der legendäre Turmbau zu Babel und das Pfingstfest eng zusammenhängen, wie sich das mit Hilfe der Gematrie nachweisen lässt und in welchen spannenden Zusammenhängen die beiden Erzählungen stehen, erfahren Sie bei HeavenOnAir an Pfingsten. Versprochen!

Kommentare

Hinterlassen Sie ein Kommentar

Datenschutz
Ich, Klaus Depta (Wohnort: Deutschland), verarbeite zum Betrieb dieser Website personenbezogene Daten nur im technisch unbedingt notwendigen Umfang. Alle Details dazu in meiner Datenschutzerklärung.
Datenschutz
Ich, Klaus Depta (Wohnort: Deutschland), verarbeite zum Betrieb dieser Website personenbezogene Daten nur im technisch unbedingt notwendigen Umfang. Alle Details dazu in meiner Datenschutzerklärung.