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Michael Wielath – Musikmanager und Radiomoderator

Kameras sind unerbittlich. Aber sie zeigen nur das, was „vor den Kulissen“ passiert. Was er mit seinen Gästen „hinter den Kulissen“ und „abseits der Kameras“ erlebt hat, erzählt Moderator Klaus Depta hier. Zum Beispiel mit

Michael Wielath – Musikmanager und Radiomoderator

Köln, irgendein mehrstöckiges Wohnhaus, fußläufig zum Hauptbahnhof, wahrscheinlich angemietet oder auf eine andere Weise in Teile rechtzeitig bereitgestellt vom Erzbistum. Hier treffen wir uns also zu einem ersten Meeting. Die Erinnerung trügt, aber es wird irgendwann im Jahr 2002 gewesen sein. Der Grund des Treffens dieser illustren Gruppe: die Ausarbeitung des Musik- und Unterhaltungsprogramms für den Weltjugendtag in Köln, der im Sommer 2005 stattfinden soll. Hier kommen sie also zusammen, mehr oder weniger junge Leute, Damen und Herren, die alle so aussehen, als würden sie in irgendeinem Bereich für Kirche arbeiten. Nur einer sieht anders aus als man ihn in kirchlichen Gremien oder gar in Kirchenbänken erwarten würde.

Ein großer, etwas schlaksiger Typ, glänzender Kahlkopf, aber unterhalb der Unterlippe ein zwei Finger breiter und schätzungsweise zehn Zentimeter langer senkrechter Kinnbart. Keine Ahnung, wie der heißt. Aber die Ähnlichkeit zu einem Imperial, meinetwegen auch Van Dyck-Bart ist da, wenn man davon absieht, dass zu diesen beiden Bartformen auch ein Bärtchen oberhalb der Oberlippe gehört. Die ist bei diesem Menschen jedoch völlig kahl. Das ist also Michael Wielath, seines Zeichens Musikmanager.

Vom Papier und den Infos seiner Agentur „set free entertainment“ kenne ich ihn schon lange. W4C, ein paar christliche HipHopper (, zu denen auch Danny Fresh gehörte), habe ich vor ein paar Jahren live gesehen. „set free“ – freigesetzt, nennt Michael Wielath das, was ihn umtreibt und die Künstler, die er vertritt bewegen sollte. Freiraum schaffen für die Weiterentwicklung seiner Künstler – das steht bei ihm im Vordergrund. Alles Organisatorische will er von „seinen Künstlern“ fernhalten. Damit die nichts anderes im Kopf haben können als die Musik, damit sie ohne Ablenkung ihrer Kreativität freien Lauf lassen können. So oder ähnlich habe ich das gelesen.

Jetzt also steht der Mann, der das sinngemäß geschrieben hat, vor mir. Einer, der möglicherweise alles kann, außer Hochdeutsch. Auch wenn dieser Satz dem Gag geschuldet ist: Dass Michael aus dem Schwäbischen kommt und damit aus einer Region, in der sie nicht nur in der Fastenzeit das Fleisch mit Nudelteig umwickeln und meinen, der liebe Gott bekäme nicht mit, dass das Fasten gebrochen wird, wo es egal ist, ob die Leute Kuddrschaufl, Kehrwisch oder Schrubbr verwenden, Hauptsache sie sind in der Lage zom d’ Schdaffla saubr kehra – das ist im ersten Moment etwas gewöhnungsbedürftig.

Die Arbeit mit ihm aber

macht schlichtweg nur Spaß. Michael ist jemand, der sich völlig in den Dienst der Sache stellt. Der erst einmal zuhört, nachdenkt, noch einmal zuhört und dann die heterogenen Ideen und Gedanken der Arbeitsgruppe bündelt, auf den Punkt bringt, dabei eigene Ideen einbringt. Einer, der sympathisch formuliert, der nicht verletzt, selbst wenn er eine andere Meinung zurückweist. Und er ist einer, der schlichten kann. Genau das ist gefragt, als die Arbeitsgruppe erfährt, dass beim Weltjugendtag in Köln de Höhner und die Bläck Fööss gesetzt seien – zwei Musikformationen, die die Mitglieder der Arbeitsgruppe aus anderen Teilen der Republik ausschließlich als Karnevalsgruppen einstufen. Karneval beim Weltjugendtag? Das ist das Bild, das die deutsche katholische Kirche in die Welt transportieren will? Und: Vorgaben von oben, von „alten Kirchenmännern“, wer beim Treffen der katholischen Jugend aus aller Welt die deutsche Jugend und das Land repräsentieren soll? Die Buschtrommeln behaupten: Kardinal Meißner höchstpersönlich habe das so gewünscht. „Colonia locuta causa finita“? Die Buschtrommeln werden nie bestätigt, die Setzung aber schon, was manche Mitglieder der Arbeitsgruppe verärgert, die Arbeitsatmosphäre – vorsichtig formuliert – negativ beeinfluss. Michael Wielath ist es, der der festgefahrenen Situation neue Impulse verleiht.

Irgendwann steht die Frage im Raum, wann er wohl eine Beteiligung „seiner Künstler“ einfordert. Doch genau das tut er nicht. Wenn es passen würde, dass die dabei sind, würde er sich freuen. Wenn es nicht passt, dann eben in diesem Fall nicht. Schließlich gehe es um mehr. Es gehe um ein Treffen von Jugendlichen aus aller Welt in einer Größenordnung, wie wir alle das vermutlich nicht noch einmal in Deutschland erleben würden. So oder ähnlich argumentiert er. Ruhig, sachlich, unaufgeregt. Am Ende tragen auch die von dieser Gruppe erarbeiteten Elemente dazu bei, dass der Weltjugendtag ein Erfolg wird.

Eine Seite im Leben von Michael Wielath ist also moderne Musik, darunter auch HipHop, eine andere ist seine Moderatorentätigkeit bei Radio Horeb. Der als eher konservativ einzuordnende Sender sieht Michael als Brückenbauer, als jemanden, der seine Erfahrungen mit Bands, Interpreten und Künstlern einbringt, um eine Verbindung zu jungen Menschen zu schaffen. Wieder etwas, was hervorragend gelingt. Außerdem unterstützt er das Popbüro der Popakademie in Baden-Württemberg. Immer wieder ist er in Jerusalem, organisiert auch hier musikalische Veranstaltungen, erdet sich aber auch immer wieder dort. Dass er am 18. Mai 2013 zum Ständigen Diakon geweiht wird, ist da fast nur konsequent. Und letztlich betreut er im Auftrag von Radio Horeb immer wieder Projekte in Afrika, vor allem in Kenia und Ruanda – vor Corona und voraussichtlich auch wieder danach.

HipHop-Macher, Musikmanager, Konzertveranstalter, Festivalplaner, Radiomoderator, Diakon, Projektbetreuer – Michael Wielath war auch beim „Talk am Dom“-Spezial ein spannender Gast. Einer, der wirklich alles kann. Außer Hochdeutsch.

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