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Tobias Hundt – von Pop bis zum Abspacken

Kameras sind unerbittlich. Aber sie zeigen nur das, was „vor den Kulissen“ passiert. Was er mit seinen Gästen „hinter den Kulissen“ und „abseits der Kameras“ erlebt hat, erzählt Moderator Klaus Depta hier. Zum Beispiel mit
Tobias Hundt – von Pop bis zum Abspacken

Als wir Tobias Hundt am Telefon haben, ist der erste Eindruck: ein wahnsinnig netter, offener Kerl, auf den ersten Ton sympathisch. Ein Eindruck, der sich mit dem seiner Songs deckt. Trotzdem gibt es mit seiner Anwesenheit beim Hessentag in Kassel anfangs Probleme. Da gibt es am Abend vorher irgendwo, weit entfernt, ein Konzert, die Anfahrt ist weit. Aber rein rechnerisch könnte das klappen. Was wir von ihm wollen? Sobald er da sein kann ein „Talk am Dom“-Gespräch vor laufender Kamera und einem Publikum ähnlich wie die Kamera: laufend, in der Regel vorbeilaufend. Durch Werbebanner, durch die Kameras und die Liveübertragung des Tons sollen die Menschen dazu gebracht werden, dem Vorplatz der St. Elisabethkirche in Kassel und dem, was darauf passiert, mehr Aufmerksamkeit zu schenken, als sie dies eigentlich vorhatten. Und sollen sich animiert fühlen, später ein kostenfreies Konzert in oder – bei gutem Wetter – vor der Kirche zu besuchen.

Wer den Namen Tobias Hundt „nur“ vom Handball kennt: Der Musiker und der frühere Handballer vom TV Hüttenberg sind dieselbe Person. Aber die Liebe zur Musik war noch größer als die Liebe zum Handball. Also geht Tobias in die Schweiz, um sich dort an einer Pop-Musikschule ausbilden zu lassen. Das Ergebnis: eine erste EP und später ein Album, das von der Promikon, also vom Projekt für missionarische Konzertarbeit, mit dem eigens für solche Fälle geschaffenen David Award ausgezeichnet wird. In diese Zeit fällt auch die Kooperation mit Johannes Falk und Samuel Harfst, die sich in der gemeinsamen Single „Mehr als genug“ niederschlägt. Nach einem Wechsel im Line-Up verändert Tobias Hund auch seinen Sound und den Bandnamen: Als „Lupid“ wird die Musik elektronischer und landet, nicht zuletzt wegen eines Plattenvertrags bei einer Major Company, auch beim Musikstreaming-Anbieter Spotify.

Doch zurück zum Hessentag: Wie auch immer Tobias und seine Jungs das hinbekommen: Es klappt! Sie kommen. Und alle, die dabei sind, haben einen Riesenspaß. Gott-sei-Dank auch zwei junge Frauen, zwei Gruppenleiterinnen, die sich für den Hessentag mächtig ins Zeug gelegt, aber heftig auf die Nase bekommen haben. Nur so viel: Mit einer ganzen Reihe von Jugendlichen hatten die beiden eine große Aktion gestartet, mit der sie – um es einmal so banal zu formulieren – aus Müll verwertbare Kunst machen wollten. Etliche Kinder und Jugendliche hatten sich bereitgefunden, an dieser Aktion mitzuwirken. Kinder und Jugendliche, die so normal mit einer Kirche umgingen, sich so unbefangen dort bewegten, wie sie es vielleicht nie vorher getan hatten, geschweige denn später tun würden.
Über die Ergebnisse der Arbeiten mag man streiten. Wie immer hat auch Kunst etwas mit dem Auge des Betrachters zu tun. Und in einer Kirche, die sich als Kunst- und Kulturkirche versteht, mögen die Ansprüche an die Kunstwerke tatsächlich so hoch sein, dass die „Arbeiten“ der Kinder und Jugendlichen keine Gnade vor den Augen des Herrn finden. Dass aber ein Vorgesetzter die beiden Frauen öffentlich, laut, und in einer unberechtigt aggressiven Tonart wegen ihrer „Müllhalde in der Kirche“ anzählt, sogar mit

der Kündigung droht, ist alles andere als schön. (Wobei unbedingt noch gesagt werden muss, dass der „Vorgesetzte“ mit der Kirchengemeinde St. Elisabeth gar nichts zu tun hat…)
Heißt es nicht immer so schön, dass der Weg das Ziel sei? Ist es nicht großartig, dass Kinder und Jugendliche zum Teil zum ersten Mal in einer Kirche sind und sich da zwar nicht „ehrfürchtig und gottesdienstlich“ benehmen, aber überhaupt einmal da sind? Gab es nicht einmal das Stichwort von der „niedrigen Einstiegshürde“? Ist es nicht wichtiger denn je, dass Kinder überhaupt noch Kontakt zur Kirche haben, sowohl als Institution, wie auch im Sinne des Gotteshauses? Lasset die Kinder zu mir kommen? Auch darüber mag man streiten können, selbst wenn dieses Wort biblischen Ursprungs ist. Vor allem wenn Kinder von Akademikern, die einem gewissen Zirkel angehören, während des Gottesdienstes mit einem Ball durch die Kirche hüpfen dürfen, andere aber eben mit dem, was sie außerhalb des Gottesdienstes in der Kirche tun, „Müll ins Gotteshaus“ tragen. Für mich nicht nachvollziehbar. Für die beiden jungen Frauen auch nicht. Tränen fließen. Der verletzende Ton und die deutlich ausgesprochenen Warnungen zeigen genau die Wirkung, die sie zeigen sollen: Verletzungen und Einschüchterung.

Eigentlich wollen die beiden Frauen, schwer getroffen, nach Hause gehen. Am Rande bekommen sie den Talk mit Tobias Hundt mit. Seine freundliche, offene, ja warme Art lässt sie bis zum Konzert bleiben. Und mittlerweile hat auch Tobias – wie auch immer – von dem Vorfall Wind bekommen. Weiß, um wen es geht. Und wendet sich mit kleinen Gesten aufmunternd den beiden jungen Frauen zu. Sie erleben seine offene, ehrliche Art. Und als Tobias in einem Song plötzlich „zum Abspacken“ auffordert und dabei direkt die beiden animiert, tanzen die sich die Seele aus dem Leib. Fast scheint es, als sei diese Passage des Songs Monate vorher nur für die beiden Frauen und nur für diesen Moment geschrieben worden. Zumindest für einen Moment ist der Frust vergessen, sind die Schmerzen der Verletzungen nicht mehr zu spüren. Für einen Moment fühlen sich die beiden angenommen. Die Drohungen, die wie ein Damoklesschwert über den beiden schweben, sind für einen Moment vergessen. Ein Moment der Liebe, ein Moment des Miteinander, ein Moment von Frieden, Lebensfreude und Glück?
Vielleicht habe nur ich diese Szenerie so erlebt. Aber ich bin mir sicher: Ein an diesem Tag sichtlich zufriedener Tobias Hundt und zwei junge Frauen würden meine Wahrnehmung sofort unterschreiben.

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