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Marin, Mischa – Ex-Sänger der “Allee der Kosmonauten”

Kameras sind unerbittlich. Aber sie zeigen nur das, was „vor den Kulissen“ passiert. Was er mit seinen Gästen „hinter den Kulissen“ und „abseits der Kameras“ erlebt hat, erzählt Moderator Klaus Depta hier. Zum Beispiel mit

Marin, Mischa – Ex-Sänger der “Allee der Kosmonauten”

Rund ein Dutzend Konzerte und vieles mehr finden während des Hessentages 2013 in Kassel rund um die Elisabethkirche statt. Die Kulturkirche macht ihrem Namen alle Ehre. Leider gibt es auch eine Riesenpanne. Der Leidtragende: Mischa Marin.

Zuerst einmal: Mischa ist ein wahnsinnig netter Kerl. Einer, der nach einem Auftritt auf sein Publikum zugeht, Fragen beantwortet, sich Zeit nimmt für all diejenigen, die auch 1000mal gestellte Fragen haben. Gerade so einem Typen gegenüber ist es dann besonders peinlich, wenn Pannen passieren. Dazu gleich mehr.

Nach den üblichen ersten kleinen Schritten startete Mischa ab 1994 richtig durch: Da sang er nämlich in der Formation “Kyd Moses”, die so beeindruckend gut war, dass mit BMG/Hansa gleich ein multinationaler Plattenkonzern einen Vertrag anbot. Mit „Kinder der Nacht“ erschien 1995 eine erste erfolgreiche Single, so dass das Album „U Topic“ eingespielt wurde. Weil aber die Chemie zwischen den jungen Musikern und dem Multi nicht mehr stimmte, erfolgte die Trennung. Und „U Topic“ landete in den Archiven, ohne je veröffentlicht zu werden. Mit Arcade war sofort ein neues Label bereit, die Band unter Vertrag zu nehmen. Nach der Single „Brich mir dein Herz“ sollte nun endlich hier ein Album folgen: Doch auch „Delphine“ wurde nicht veröffentlicht. Arcade war nämlich mittlerweile pleite.
Macht aber nichts. Wenn du fest an dich glaubst, geht eine andere Tür auf. Diese Tür hieß Nena. Begeistert von “Kyd Moses” wurde die Band für ein halbes Jahr Nenas Vorgruppe, spielte in Österreich, der Schweiz und natürlich in Deutschland.

„Wenn du fest an dich glaubst…“, steht ein paar Zeilen weiter oben. Die Mitglieder der Band glaubten nicht nur an sich, sondern vor allem an eine mögliche persönliche Beziehung zu Jesus Christus. Das sollte sich auch in der Musik ausdrücken. Und weil der Bandname „Kyd Moses“ ja mittlerweile für etwas anderes stand, entschieden sich die Mitglieder der Gruppe für einen neuen Namen: „Allee der Kosmonauten“. Wer mehr wissen will: Steffen Kern hat mit seinem Buch „Kinder der Sehnsucht“ den Wandel von „Kyd Moses“ zur „Allee der Kosmonauten“ detailliert beschrieben.

Und schon kam der nächste Schritt: Die Mitglieder der „Allee der Kosmonauten“ waren die treibende Kraft hinter dem Projekt „Zeichen der Zeit“, bei dem sie eine Reihe ihrer Kollegen zum Mitmachen bewegen konnten, allen voran Xavier Naidoo, Paddy Kelly, Judy Bailey, Sarah Brendel und andere. Etliche Auftritte auf christlichen Festivals folgten.


2005 trat dann die „Allee der Kosmonauten“ beim Vorentscheid zum Eurovision Song Contest an, belegte einen beachtenswerten dritten Platz, wurde zur ersten Band, die – nicht zuletzt dank des sie begleitenden damaligen Schalker Fußballers Marcelo Bordon – im Aktuellen Sportstudio auftrat. Und immer wieder hieß es: touren, touren, touren. 2009 zeigte sich dann, dass nichts für die Ewigkeit ist: Die „Allee der Kosmonauten“ löste sich auf. Jeder Musiker verfolgte eigene Interesse, auch Mischa Marin, der sich an verschiedenen Projekten beteiligte, mit “Die Mehrzahl von Glück” eine eigene CD veröffentlichte und seitdem immer wieder solo unterwegs ist. So auch beim Hessentag 2013 in Kassel.

Und jetzt zur eingangs angekündigten Panne: Wir hatten unser „Talk am Dom“-Spezial erfolgreich hinter uns gebracht und standen vor der Frage, ob Mischas Konzert draußen vor der Kirche oder in der St. Elisabethkirche stattfinden sollte. Das Wetter war gut; vor der Kirche würden wir eine Reihe von vorbeiziehenden Hessentagsbesuchern anlocken können. Dass eine Hauptstraße direkt neben der Kirche liegt, hatte sich in den letzten Tagen nur einmal als störend erwiesen, nämlich als ein Krankenwagen mit Martinshorn alles beiseite pusten wollte, was nicht schnell genug auf den Bäumen war. Wir entschieden uns, dieses Konzert, wie die vorangegangenen auch, draußen stattfinden zu lassen – ein schwerwiegender Fehler. Mischa fing an, das Publikum war klein, aber aufmerksam, ein paar Schaulustige kamen neugierig näher… und dann ertönte plötzlich Bierzeltmusik, irgendwo von einer anderen Veranstaltung des Hessentags, durch Windböen immer wieder unangenehm laut zu uns hinübergetragen. Mischa reagierte überrascht, wie auch sonst? Da half es nichts, dass die Organisatoren Stein und Bein schworen, dass so etwas an den Tagen zuvor nicht vorgekommen sei. Und dass niemand eine Ahnung gehabt hätte…

Gerade wenn jemand wie Mischa, der mit seinen Songs etwas zu sagen hat, zudem ein Meister der eher leisen Töne ist, gegen Bierzeltmusik ansingen und anspielen soll, dann ist das so etwas wie ein Atmosphäre-Killer.
Mischa hielt sich wacker, spielte Song um Song, um – je nach Windböe – immer mal wieder etwas irritiert die Ohren in den Wind zu halten. Und am Ende war er wohl froh, dass dieses Konzert vorbei war. So ein Sch…

Das Publikum sah das übrigens ähnlich. Vor allem aber sah und hörte es einen Musiker, der nicht aufgab, sich den Problemen stellte und sich damit nicht nur für seine schönen Songs, sondern auch für sein Durchhaltevermögen dicken Respekt erarbeitet hatte. Ein unvergessliches Konzert? Ich fürchte, was die Begleitumstände anbelangt, gibt es da nur ein klares Ja. Was die Inhalte und Mischas Bühnenpräsenz anbelangt gibt es das zum Adjektiv “unvergesslich” übrigens auch.

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