Drücken Sie Enter, um das Ergebnis zu sehen oder Esc um abzubrechen.

Strawberry Fields… forever? Die Beatles und ein Kinderheim (14. Juli)

„Strawberry Fields Forever“? So ein Song kann nur unter dem Einfluss von Drogen entstehen. Ähnlich wie bei Lucy In The Sky (With Diamonds). Da allerdings ist es offensichtlicher: Lucy, Sky, Diamond – deutlicher als die Anfangsbuchstaben der drei Wörter kann man ja seine Verehrung für Drogen, hier LSD, gar nicht zum Ausdruck bringen. Und ein normaler, nicht berauschter junger Mann käme nie auf die Idee, sich ausgerechnet Erdbeerfelder für einen Song auszusuchen. Nein, das könne nur mit Drogen zusammenhängen. Meinte zumindest irgendwann einmal ein Pfarrer, der sich extrem kritisch zu Rock- und Popmusik im Allgemeinen, zu den Beatles

oh si tacuisses…

wohl im Besonderen äußern wolle. Oh, si tacuisses philosophus mansisses, wie mein alter Lateinlehrer gesagt hätte. Hättest du geschwiegen, wärest du ein Philosoph geblieben. Anders formuliert: Hättest du geschwiegen, hätte niemand bemerkt, dass du die Bedeutung von “Strawberry Fields Forever” nicht kennst. Oder wie Dieter Nuhr einst sehr treffend formulierte: „Wenn man keine Ahnung hat… Einfach mal die Fresse halten!“

Kinderheim

Im britischen Liverpool wird man von diesem Pfarrer kaum etwas wissen. Ansonsten hätte man sich wohl über den Pfarrer aufgeregt, der es nicht kannte: das Kinderheim „Strawberry Fields“. Dieses Heim inspirierte die Beatles, 1967 ihren Klassiker „Strawberry Fields Forever“ aufzunehmen. „Strawberry Fields Forever“ wurde ein sozialkritischer Gassenhauer, das Kinderheim weltberühmt. Denn viele Beatlesfans wussten, dass sich hinter den Strawberry Fields, den „Erdbeerfeldern“, in Wahrheit dieses Waisenhaus verbarg. Oder anders formuliert: ein Waisenhaus mehr oder weniger umgeben von Erdbeerfeldern – warum auch nicht?
Für die Beatles blieb es nicht beim bloßen Kennenlernen. Ex-Beatle John Lennon vermachte dem Heim einen Teil seines Nachlasses und sicherte so dessen Existenz. Als Dankeschön für die Songidee, vielleicht aber auch aus sozialer Verantwortung seinen Insassen gegenüber: Denn auch John Lennon wuchs getrennt von seinen Eltern auf, wenn auch nicht im Heim, sondern bei einer Tante.

Ort der Inspiration?

Aber man kann sich gut vorstellen, wie der spätere Beatle als Junge durch eine Lücke im Zaun auf das Gelände des Kinderheimes gelangt, dort

die Kinder beobachtet, vielleicht sogar mit ihnen in Kontakt kommt, auf jeden Fall aber in dieser besonderen Atmosphäre über Gott und die Welt nachdenkt. Sich ein bisschen in seine eigene Welt verkriecht. Eine Welt, die sich später maßgeblich als Vorratsspeicher für seine Songideen entpuppt. Bei den Beatles und als Solokünstler. Und gerade als Lennon 1980 eine längere Auszeit beendet hat und ein fulminantes Comeback startet, wird er von einem geistig Verwirrten erschossen. Wie das nun mal so ist: Danach brechen die Verkaufszahlen von Lennons Schallplatten alle Rekorde. Ein Erfolg, auf den er und seine Fans sicher gern hätten verzichten können und den lebenden Lennon vorgezogen hätten. Ein Vierteljahrhundert nach Lennons Tod kam mit dem Waisenhaus auch ein Kapitel britischer Musik- und Sozialgeschichte an ihr Ende.
Heimunterbringung nicht mehr zeitgemäß

Lennon sei Dank: Das Heim wurde nicht aus Geldmangel geschlossen. Das Sammeln von verwaisten Kindern in Heimen, dort wie auch bei uns eher ein Relikt aus der Nachkriegszeit, sei nicht mehr zeitgemäß, so die Betreiber des Hauses, die Heilsarmee. Man kann es sich gut vorstellen: Krieg, Millionen von Toten in Europa, viele, viele Kinder, die plötzlich ohne Eltern dastehen. Sie zu sammeln, um ihnen eine Unterkunft, tägliches Essen und Trinken, medizinische Betreuung und Schulbildung zu ermöglichen, war damals eine gute Idee. Mittlerweile haben sich die Zeiten zum Glück geändert. Es gibt weitaus weniger Waisen als unmittelbar nach dem Krieg; und weitaus mehr Menschen als früher bleiben heute kinderlos, möchten deshalb verwaiste Kinder adoptieren. Die restlichen noch im Heim verbliebenen Kinder wolle man in Pflegefamilien oder kleineren Einrichtungen unterzubringen, so die Heilsarmee als Betreiber des Hauses damals.

Christenpflicht. Unterstützung von Fremden, Witwen und Waisen

Kinder in Heimen – nein, zeitgemäß ist das sicherlich nicht mehr. Zumindest nicht bei uns in Europa. Zeitgemäß geblieben aber ist die Botschaft, die sich mit Strawberry Fields und jeder anderen Institution für elternlose Kinder verbindet: „Denn der Herr, euer Gott, … verschafft Waisen und Witwen ihr Recht, liebt die Fremden und gibt ihnen Nahrung und Kleidung!“ So steht es im Buch Deuteronomium, dem fünften der Bücher Mose, gleichzeitig das fünfte Buch der Bibel. Und was Gott Recht ist, ist den Menschen billig: „Auch ihr sollt die Fremden lieben, denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen.“ Geliebt werden sollen natürlich nicht nur die Fremden, sondern Hilfsbedürftige jeder Art, darunter auch Witwen und eben Waisen. Strawberry Fields Forever: Wer hätte 1967 schon gedacht, dass ein Beatles-Song ein Paradebeispiel für christliche Nächstenliebe sein kann? Strawberry Fields Forever? In diesem Sinne: bitte, gerne! Und als Song der Fab Four natürlich auch.

Momentaufnahmen, kurze Episoden in den Medien, flüchtige Eindrücke – und alles rauscht einfach vorbei? „Auch das noch“ zeigt die Skripte (leicht überarbeiteter) Rundfunkbeiträge aus dem öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Manche wurden sogar speziell für Heaven On Air geschrieben. Frei nach dem Motto: einfach mal einen Moment innehalten.

Kommentare

Hinterlassen Sie ein Kommentar

Datenschutz
Ich, Klaus Depta (Wohnort: Deutschland), verarbeite zum Betrieb dieser Website personenbezogene Daten nur im technisch unbedingt notwendigen Umfang. Alle Details dazu in meiner Datenschutzerklärung.
Datenschutz
Ich, Klaus Depta (Wohnort: Deutschland), verarbeite zum Betrieb dieser Website personenbezogene Daten nur im technisch unbedingt notwendigen Umfang. Alle Details dazu in meiner Datenschutzerklärung.