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Machu Picchu – vor 110 Jahren entdeckt (24. Juli)

Cusco, Sacsayhuaman, Machu Picchu – seit meiner Kindheit faszinieren mich die legendären Bauten der alten Inkas. Schuld daran ist ein entfernter Verwandter. Ein paar Jahre älter als ich gab er mir damals einen Stapel Jugendromane. Er hatte sie ausgelesen, ich war damals dringend auf der Suche nach neuem Lesefutter. Und so las ich sie dann: Die Abenteuer von mehr oder weniger jungen Erwachsenen. Die waren in den alten Inkastätten unterwegs, befreiten Gefangene, retteten Unschuldige vor grausigen Menschenopfern und verbrüderten sich mit Einheimischen. Die waren, warum auch immer, zivilisierter als der Rest der Bevölkerung. Seit damals sehne ich mich danach, selbst einmal die Stätten dieser alten Kulturen zu besichtigen. Kein Wunder, dass ich wie elektrisiert war, als ich las: Heute, auf den Tag genau, im Jahr 1911 wurde Maccu Picchu überhaupt erst entdeckt.

Wieder-Entdeckung von Machu Picchu

Wiederentdeckt, wäre der bessere Ausdruck. Es war der US-amerikanische Archäologe Hiram Bingham, der hoch in den Bergen der Anden, genauer: im Land Peru diese alte Stadt entdeckte. Wie der Ort ursprünglich hieß, bleibt unbekannt – auch weil die alten Inkas keine Schrift in unserem Sinne verwendeten und dementsprechend keine Aufzeichnungen existieren. Allerdings gab es seit Jahrhunderten eine Legende von einer sagenumwobenen Stadt in den Anden. Die Menschen, die Bingham befragte, nannten die Region, in der er später die Stadt entdeckte, schlicht Machu Picchu. Was so viel bedeutet wie Alter Berg.

Uralte Stadt für 1000 Menschen

Es dauerte eine Weile, bis feststand: Es handelte sich um eine alte Inkastadt, erbaut rund 500 Jahre zuvor, allerdings mittlerweile über und über von Lianen und Moosen überwuchert. Rund 1000 Menschen lebten wohl hier, möglicherweise eine letzte Zuflucht vor den spanischen Eroberern. Die waren, wie viele Eroberer dieser Zeiten, vor allem auf unglaubliche Schätze aus, die sie in den eroberten Ländern fanden und den dort lebenden Menschen raubten. Als Dank schenkten sie ihnen die europäische Kultur und Zivilisation. Oder das, was sie dafür hielten. In der Regel bestanden ihre „Geschenke“ nämlich aus Krankheiten, gegen die für die Urbevölkerung im wahrsten Sinn des Wortes kein Kraut gewachsen war. Und ein gnadenloses Verfolgen bis zum Tod, wenn sich die Eroberten weigerten, den neuen Herren zu dienen, ihre Religion anzunehmen und ihnen ihre Schätze auszuliefern.

Wir sind die Größten

Tatsächlich erlebten alte Kulturen wie die der Inkas schon früh eine unglaubliche Blüte – viele vor Jahrhunderten, manche vor Jahrtausenden, in jedem Fall aber zu einer Zeit, in der unsere Vorfahren noch mit der Trommel um den Weihnachtsbaum herumliefen. Natürlich kann man sagen: Menschenopfer hatten wir lange hinter uns. Und schon vor Jahrhunderten haben wir es uns abgewöhnt, Götter mit irgendwelchen Gaben beeinflussen zu wollen, erst recht eben mit lebenden Menschen. Deshalb applaudieren wir uns oftmals selbst, halten uns vor Augen, wie toll wir doch sind. Wir sind die Größten, wir feiern uns selbst. Wir sind quasi göttlich. Denn ständig erschaffen wir unsere Gegenwart und unsere Zukunft selbst. Wer kann das schon?
Upps, da war doch was! Klimawandel, Umweltverseuchung, Artensterben, ganz aktuell Unwetterkatastrophen und vieles mehr – so ganz langsam dämmert uns, dass wir unsere Gegenwart doch nicht so großartig gestalten, wie wir bis vor kurzem gedacht haben. An die Zukunft gar nicht zu denken. Oder sollte man besser sagen: So, wie wir mit unserer Gegenwart umgehen, bleibt von der Zukunft kaum etwas übrig, woran sich zu denken lohnt?

Respekt vor den Leistungen in der Antike

Vielleicht sollten wir „unsere Vorfahren“ in der großen weiten Welt einmal mit anderen Augen betrachten. Gelegentlich passiert das sogar: Um die Verschmutzung der Themse durch Abwasser zu reduzieren, schauen die Engländer mittlerweile ins antike Griechenland: Was die alten Minoer auf Kreta, die Griechen in Städten wie Olympus und Athen in Sachen Wasserzu- und -ableitungen konstruierten, hält bis heute jedem Vergleich stand. Und wird seit geraumer Zeit zum Vorbild an der Themse. Dass ein Großteil des medizinischen Bestecks heutiger Chirurgen dem der alten Babylonier – wenn man einmal vom Material absieht – zum Verwechseln ähnlich sieht, hat gute Gründe: Die uralten Erfindungen haben sich in dieser Form einfach bewährt. Und viele Formeln, Gesetze und Regeln der Mathematik und ihrer Teilgebiete entstanden Jahrhunderte vor der Zeitenwende.

Staunen bewahren

Wenn wir uns also heute vielfach selbst feiern, mag das seine Berechtigung haben. Völlig fehl am Platze ist es jedoch, den Respekt und die Hochachtung vor den Leistungen „unserer Vorfahren“ zu vernachlässigen. Hier gibt es viel Verborgenes zu entdecken, sicher auch viel Vergessenes wiederzuentdecken. Die Bereitschaft, immer wieder zu staunen, macht das Leben erst schön. Und ganz nebenbei kann es uns helfen, Probleme zu lösen, die schon ganz andere vor uns gelöst haben – auch wenn wir das nicht unbedingt auf den ersten Blick so sehen. Einer von vielen Gründen, warum ich mich bis heute für Machu Picchu begeistere. Und für viele andere Dinge in der Welt, auch und gerade wenn sie aus längst vergangenen Zeiten stammen.

Momentaufnahmen, kurze Episoden in den Medien, flüchtige Eindrücke – und alles rauscht einfach vorbei? „Auch das noch“ zeigt die Skripte (leicht überarbeiteter) Rundfunkbeiträge aus dem öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Manche wurden sogar speziell für Heaven On Air geschrieben. Frei nach dem Motto: einfach mal einen Moment innehalten.

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