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Nie Glück und trotzdem zufrieden? Geburtstag von Donald Duck (9. Juni)

Die Eltern heißen Dortel und Degenhard, er selbst hat den Zweitnamen Fauntleroy. Aber bekannt ist er vor allem unter seinem Kurznamen Donald Duck. Am 9. Juni 1934 feierte Donald seine Filmpremiere. „The Wise Little Hen“, auf Deutsch: „Die kluge kleine Henne“, heißt der Streifen, in dem Donald nur eine kleine Nebenrolle bekleidet. Da dieser Film heute vor 87 Jahren veröffentlicht wurde, feiert alle Welt auch heute Donalds Geburtstag. Was nicht ganz richtig ist.

Denn Donald erblickt bereits im Jahr 1931 das Licht der Welt. Und zwar in einem Bilderbuch („The Adventures of Mickey Mouse“), in dem er als Freund von Mickey Mouse bezeichnet wird. Sei’s drum, stimmen wir trotzdem ein in ein beherztes „Happy birthday to you, Donald!“ Vielleicht sollten wir sagen: „…to you, Donald Duck“, damit nicht noch jemand auf die Idee kommt, unsere Sympathien wären bei einem anderen Donald. Nein, bitte jetzt nicht Charakterzüge, Wesensmerkmale, Bürzel hinten mit Bürzel oben und ähnliches vergleichen. Wir wollen ausschließlich bei dem sympathischeren der beiden bleiben, beim Geburtstagskind Donald Duck.

Die Duck-Familie

Was wäre Donald Duck ohne seine Familie? Allen voran sind da seine drei Neffen Tick, Trick und Track zu nennen. In den Comics ähnelt das Verhältnis von Onkel und Neffen eher dem eines Vaters zu seinen Söhnen. Die drei sind de facto Waisen: Ihre Mutter, Della Duck, brach vor langer Zeit zu einer Expedition auf, von der sie nie zurückkehrte. Der Vater des flotten Trios ist unbekannt – so etwas kommt ja in den besten Familien vor.
Unverzichtbar ist Dagobert Duck, Donalds Onkel. Der hat das, was Donald nie hat. Und wenn Donald es doch einmal haben sollte, verschwindet es ratzfatz wieder: Geld. Ohne Ende. Um dieses Geld sorgt sich Dagobert wie um nichts anderes auf der Welt. Was allerdings nicht weiter verwunderlich ist. Denn Dagobert wurde wie seine Schwestern Mathilda und Dortel in Schottland geboren. Gemeinsam wanderten sie ins amerikanische Entenhausen und ließen ihre Heimat zurück. Schottland – Dagobert – Geiz: Die Klischees lassen grüßen.

Wichtige Nebenfiguren

Für die, die seit Jahren die Comics nicht mehr gelesen haben: Sicher erinnern Sie sich noch an die Dauerverlobte von Donald, Daisy Duck, an den Menschen, der zumindest so viel Glück hat wie Donald das Pech an sich zieht, nämlich seinen Vetter Gustav Gans. Und weil Reichtum bekanntlich Begehrlichkeiten weckt, gibt es nicht nur Pechvögel wie Donald, die gern etwas vom großen Kuchen abhaben möchten, sondern auch solche, die immer wieder versuchen, sich auf Kosten anderer zu bereichern: die Panzerknacker. Haben wir wen vergessen? Bestimmt. Das Entenhausen-Universum ist groß. Und braucht immer mal wieder neue Figuren, damit sich nicht alles wiederholt. Figuren wie Della, Phantomias, DoppelDuck, Daphne Duck, Teddy Duck und viele andere. Entenhausen lebt – und das seit bald 100 Jahren!

Zahlen… und Daisy

Noch ein paar Zahlen? Auch wenn heute, also am 9. Juni und Donalds Filmpremiere, nicht ganz richtig Donalds Geburtstag gefeiert wird, bestimmte Walt Disney irgendwann, dass Donalds Geburtstag auf einen 13. März falle – und zwar auf Freitag, den 13. So wollte der Herrscher über das Comic-Weltreich das unglaubliche Pech dieser Ente unterstreichen. (Jetzt bitte nicht verzweifeln: Einen Freitag, den 13. im Monat März, gibt es 1925, 1936 und – Achtung! – 1931, nicht aber 1934. Danach wäre Donald bereits seit ein paar Monaten 90 Jahre alt. Aber diese kleinen Unstimmigkeiten im Disney-Universum wollten wir ja übersehen…)

1937 hat Daisy ihren ersten Auftritt. Die gleicht einer gewissen Donna Duck wie ein Ei dem anderen, wird oftmals auch als gleiche Person angesehen. Allerdings gibt es auch ganz wenige Episoden, in denen sich Daisy und Donna begegnen – auch hier zeigt sich, dass die Disney-Macher dann doch nicht in letzter Stringenz gearbeitet haben. Seit 67 Jahren übrigens sind Daisy und Donald miteinander verlobt. (Nein, bitte rechnen Sie jetzt nicht nach, ob Daisy da eigentlich schon volljährig war oder nicht – damals mit 21 Jahren! – und ob sie ggf. für die Verlobung die Genehmigung ihrer Eltern benötigt hätte). Trotz dieser Dauerverlobung macht Gustav Gans ihr immer noch den Hof. Wenn man das bei einer Dame ihres Alters noch sagen darf: Daisy sieht heute, immerhin auch schon 84 Jahre alt, immer noch sehr gut aus. Vor allem: jünger aus als früher. Na gut, auch was Daisys Geburtstag anbelangt, ist das Disney-Universum nicht ganz stringent, so dass es dabei auch eine andere Datierungsmöglichkeit gäbe. Aber lassen wir auch das.

Tick, Trick und Track vs. Dicky, Dacky und Ducky

Seit 1938 sind Tick, Trick und Track mit an Bord, Dicky, Dacky und Ducky, die Nichten von Daisy, stoßen 1953 zur Familie. Den Rest der buckeligen, sorry: bürzeligen Verwandtschaft schenken wir uns an dieser Stelle.
Nur noch so viel: Der erste Comic, der auf 64 Seiten ausschließlich Geschichten um Donald Duck beinhaltet und auch „Donald Duck“ heißt, erscheint 1940. Der zweite, „Donald Duck finds Pirate Gold“, folgt 1942. Ein einziges Mal wird Donald in seinem langen Leben hochpolitisch und bekommt dafür sogar den Oscar: Und zwar 1934 in „The Fuehrers Face“ („Das Gesicht des Führers“) – ein Film, der das Leben in Nazi-Deutschland als Albtraum darstellt und auch über weite Strecken parodiert.

Enten mit anthropomorphen Zügenn

Genaugenommen sind die Bewohner von Entenhausen nichts anderes als Abbilder der Gesellschaft. Auch dort gibt es sie: die furchtbar Reichen, die nichts von ihrem Reichtum abgeben wollen, die Pechvögel, die jedes erdenkliche Fettnäpfchen dank ihrer – im übertragenen Sinne – breiten Entenpaddeln voll erwischen und irgendwie ein bisschen – noch mal sorry – lebensuntüchtig sind. Dann die unterschiedlichen Gegenpositionen dazu: die einen, die, wie eine Tante von mir zu sagen pflegte, „aus Scheiße Butter machen“, sprich: sogar Diamanten in einer Pralinenschachtel finden wie Gustav Gans. Und letztlich die, die sich abstrampeln, bemühen, aus dem Sog der Loser herauszukommen und auf alle Fälle „ganze Kerle“ sein wollen, in diesem Fall die sympathischen drei Neffen, allesamt Pfadfinder. Ach ja, das Böse an sich, hier personifiziert in den Panzerknackern, ist natürlich etwas, was es im „richtigen Leben“ auch gibt. Kein Wunder: Denn das, was uns die Zeichner und Texter mit Donald Duck und Co. immer wieder vorsetzen, sind letztlich wir selbst – dargestellt zwar anhand von Comic-Enten, aber eben mit anthropomorphen Zügen. Mit SEHR anthropomorphen Zügen.

Heile Welt – Es geht immer weiter

Das Schöne an Donald Duck und Co ist: Selbst wenn die Panzerknacker endlich einmal erfolgreich sind, landen sie am Ende doch hinter Gittern. Selbst wenn Dagobert, der alte Geizhals, mal einen seiner wohlbehüteten Taler verliert, bekommt er ihn zurück. Das Leben ist schön, das Leben ist wohlgeordnet. Und selbst wenn es einmal aus den FUgen zu geraten scheint, kehrt es immer wieder in seine Ordnung zurück. Deshalb ist es voller Hoffnung, das Leben ist eines, das stets ein Happy End bereithält – so ließen sich all die vielen kleinen Episoden aus dem Duckschen Universum vielleicht am ehesten zusammenfassen. Dass aus Donald und Daisy partout kein Paar wird – wer weiß, vielleicht ist das auch besser so. Wo bliebe das gelegentliche Knistern, wenn der Gedanke, dass da doch endlich mal etwas passieren muss, kein Gedanke mehr wäre, sondern real würde? Weg wäre er. Und mit ihm das Knistern.
Was mir übrigens am besten gefällt: Donald ist zwar der größte Pechvogel den es gibt. Er kann auch nicht mit Geld umgehen. Selbst wenn Dagobert, was, wie Sie wissen, nur sehr, sehr selten passiert, Donald einmal Geld borgt, kann er damit nichts anfangen. Zumindest nichts, was sein Dasein maßgeblich verändert. Ja, er mag traurig sein, mag sich auch ein besseres Leben wünschen. Aber im Grunde seines Herzens ist er glücklich und zufrieden. Ihm geht es, allen Widerständen zum Trotz, gut, er geht nicht unter. Er erinnert mich an einen Bibelvers, den es über die „Vögel des Feldes“ gibt: „Sie säen nicht, sie ernten nicht – und ihr himmlischer Vater ernährt sie doch.“

Hoffnung für das eigene Leben

Bei Donald heißt das: Seit nunmehr 87 oder vielleicht 90 Jahren kann ihm alles Pech der Welt nichts anhaben, lässt er sich durch kein Unglück der Welt wirklich unterkriegen. Donald Duck bleibt Donald Duck, bleibt sich selbst treu und zeigt uns allen: Ja, man kann auch zufrieden alt werden, wenn man nicht jeden Tag im Geldspeicher badet. Das macht das „wirkliche Leben“ für einen Einzelnen nicht besser. Aber diese Haltung tröstet ungemein. Auch wenn sie nur aus der Welt des Comics stammt. Deshalb danke, Donald Duck, für diesen Trost, für diese Hoffnung darauf, dass am Ende alles gut wird.

Momentaufnahmen, kurze Episoden in den Medien, flüchtige Eindrücke – und alles rauscht einfach vorbei? „Auch das noch“ zeigt die Skripte (leicht überarbeiteter) Rundfunkbeiträge aus dem öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Manche wurden sogar speziell für Heaven On Air geschrieben. Frei nach dem Motto: einfach mal einen Moment innehalten.

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