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Noch nicht mal Zweiter – aber glücklich. Zur ersten Mondlandung (7. April)

Am 20. Juli 1969, exakt um 9.17 Uhr mitteleuropäischer Zeit, kam die Botschaft vom Mond: Die Mondlandefähre Eagle, auf Deutsch Adler, hatte auf dem staubigen Boden des Erdtrabanten aufgesetzt. Kurze Zeit später betrat der erste Mensch die Oberfläche des Mondes und sprach den legendären Satz: „Ein kleiner Schritt für mich, ein großer Schritt für die ganze Menschheit!“ Würden die deutschen Quizmaster,

egal ob bei „Wer wird Millionär“, „Gefragt – gejagt“ oder sonst wo danach fragen – jeder würde den Namen des Mannes, der als erster den Mond betreten hat, richtig benennen: Neil Armstrong!

Über Ostern habe ich in einem Bildband geblättert und dabei auch Bilder dieser legendären ersten Mondlandung gesehen. Und plötzlich stellte ich mir die Frage: Wer war eigentlich der Mann, der nur wenig später als Armstrong über den Mond hüpfte? Wenn Günter Jauch das fragen würde – ich hätte jämmerlich versagt. Natürlich habe ich nachgeschlagen. Edwin „Buzz“ Aldrin hieß er. Ihn hatte ich längst vergessen.

Unserem Gedächtnis speichert als erstes das Spektakuläre. Deshalb merken wir uns oftmals auch nur den Ersten. Die Zweiten, die Dritten sind schnell vergessen. Das gilt für die Mondlandung, aber auch bei Sportlern und im Alltag. Die deutschen Fußballmeister kann jeder Quizchampion herunterbeten. Die Vizemeister auch? Mit den Gewinnern der olympischen Goldmedaillen sieht es ähnlich aus. Aber wer weiß schon die Namen der Zweiten, vielleicht sogar der Dritten? „Wer zu spät kommt, den bestraft eben das Leben“, hat schon Gorbatschow gesagt, auch wenn er seinen legendären Satz völlig anders gemeint hat.

Eine Fernsehwerbung, die ich vor kurzem noch gesehen hatte, fällt mir ein. Wofür geworben wurde, weiß ich nicht. Aber im Werbeclip fragt eine Stimme aus dem Off nach dem Mann, der Armstrong und Aldrin im legendären Apollo 11-Projekt zum Mond geflogen hat, aber selbst den Erdtrabanten nie betrat: Michael Collins heißt er. Als Neil Armstrong seinen legendären Satz sagte, befand sich Collins in der Kommandokapsel gerade auf der Rückseite des Mondes, in einem Funkloch. Während also die gesamte Erde jubelte, bekam der dritte Mann der ersten bemannten und erfolgreichen Mondmission vom spektakulären Ereignis des ersten menschlichen Schrittes auf dem Mond noch nicht einmal etwas mit. Collins selbst sagt später, er habe als Kommandant der Raumkapsel alles andere als den besten Platz

dieses Abenteuers gehabt. Aber der einsamste Mensch im Universum, wie er gelegentlich genannt wird, sei er nicht gewesen.

Aus den Aussagen dieses Weltraumpioniers wird deutlich, worauf es im menschlichen Leben ankommt: auf Solidarität, auf Zuversicht, auf hundertprozentige Verlässlichkeit und auf ein Miteinander, das – begründet – von Vertrauen geprägt ist. Das alles findet sich in der Person von Michael Collins, der Aldrin und Armstrong sicher zum Mond geflogen hat. Und der sie nach dem Ankoppeln der Landefähre Eagle an die Raumkapsel genauso sicher wieder zur Erde zurückgeflogen hat. An diese lebenswichtigen, ja überlebenswichtigen Eigenschaften und Fähigkeiten des Astronauten wollte wohl auch die Werbung erinnern und sie – natürlich – auf ihr beworbenes Produkt bündeln. Meinetwegen.

Klar hätte auch Michael Collins gerne den Mond betreten. Hat er aber nicht. Der Flug mit Apollo 11 war sein letzter für die NASA. Aber zufrieden sei er gewesen. Eine Mission, die auf drei Personen ausgelegt ist, habe eben für jeden der drei eine bestimmte Rolle. Seine sei es gewesen, in der Kommandokapsel auszuharren und dazu beizutragen, dass alle drei Astronauten sicher zur Erde zurückkehren konnten.

Irgendwie drängt sich der Eindruck auf: Wer sich nach vorne drängt, vielleicht sogar noch auf Kosten anderer, der hat nichts begriffen von dem, was wahre Größe ist. Größe, die einen Michael Collins auszeichnet. Wer sich selbst in den Vordergrund stellt, mag für sich Vorteile erringen. Für die Gesellschaft ist so jemand oft nachteilig. Und spätestens dann, wenn andere ihn durchschauen, ist er der größte Loser.

Anders Michael Collins. Vielleicht hat ihn gewurmt, dass Präsident Richard Nixon in seiner jubelschwangeren Fernsehansprache nur Neil Armstrong und „Buzz“ Aldrin erwähnte, ihn aber, Michael Collins, einfach komplett vergaß. Mag auch sein, dass dies einer der Gründe war, warum er seinen Abschied bei der NASA einreichte. Zufrieden und stolz war er mit seiner Mission trotzdem. Diese Zufriedenheit konnte ihm niemand nehmen. Und deshalb sagte der Mann, der im letzten Jahr seinen 90. Geburtstag feierte: Wenn er mal gestorben sei, dann solle man ein Wort auf seinen Grabstein schreiben: Glücklich.

Mehr geht nicht!

Momentaufnahmen, kurze Episoden in den Medien, flüchtige Eindrücke – und alles rauscht einfach vorbei? „Auch das noch“ zeigt die Skripte (leicht überarbeiteter) Rundfunkbeiträge aus dem öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Manche wurden sogar speziell für Heaven On Air geschrieben. Frei nach dem Motto: einfach mal einen Moment innehalten.

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