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„Houston, wir haben da ein Problem.“ Rettung von Apollo 13 (17. April)

„Houston, wir haben da ein Problem.“
Bei uns zu Hause war dieser Satz so etwas wie ein geflügeltes Wort. Immer dann, wenn wir Jungs vor scheinbar unlösbaren Aufgaben standen, liefen wir zu unserem Vater, guckten ihm in die Augen – treuherzig, wie er das nannte – und sagten diesen einen Satz: „Houston, wir haben da ein Problem.“ Na ja, vielleicht

sagten wir das nicht immer, aber ganz schön oft. Dieser Satz hatte dann Signalwirkung: Denn er wusste genau: Jetzt ist es ernst. Jetzt brauchen wir deine ungeteilte Aufmerksamkeit. Und die bekamen wir dann auch.

Funkspruch als Codewortxxxx

Natürlich wussten wir um den Hintergrund dieses Satzes. Schließlich hatte Vater ihn uns ausführlich erklärt und war damals, 1970, als Nachrichtenhörer ganz aufmerksam mit dabei. Überhaupt: ein Ereignis, das so sehr faszinierte, dass Hollywood einen Film aus der ganzen Sache machte.
Apollo 13 sollte als drittes Raumschiff in der Geschichte Menschen auf den Mond bringen. Aber unbemerkt hatte es einen Unfall gegeben: Schon beim Befüllen des Sauerstofftanks war Gas ausgetreten, während des Fluges schmolzen deshalb Isolierungen. Und noch auf dem Hinflug zum Mond explodierte der Sauerstofftank. Ohne Sauerstoff in einem Weltraumgefährt – die Folgen brauche ich nicht zu beschreiben. Die Astronauten meldeten ihre Notlage mit einem trockenen Funkspruch: „Houston, wir haben da ein Problem.“ Eine Art Codewort, um zu sagen: Alarmstufe Rot, jetzt geht es um Leben oder Tod.

Lebensgefahr

Und es ging tatsächlich nur noch um Leben oder Tod. Mehr oder weniger die ganze Welt bangte um Jim Lovell, Jack Swigert und Fred Haise, die mutterseelenallein im Weltall gefangen waren. Ohne Aussicht auf Hilfe von außen. Bei den Dreien, so Fred Haise später, machte sich zuerst aber einmal Enttäuschung breit: Mit der erhofften Mondlandung würde es nun wohl nichts mehr. Dass sie sich tatsächlich in akuter Lebensgefahr befanden, schlug bei den Astronauten anfangs gar nicht durch. Das änderte sich wohl erst langsam, als Houston auf Jack Swigerts Funkspruch „Houston, wir haben da ein Problem“ ungläubig darum bat, die Meldung doch bitte zu wiederholen. Keine spätere Erfindung von Hollywood, sondern tatsächlich so passiert. So, als ob die Menschen im Kontrollzentrum in Houston es besser begreifen würden, wiederholte nun Kommandant Jim Lovell den bedeutungsschwangeren Satz: „Houston, wir haben da ein Problem!“

xRettungsmaßnahmen

Was tun? Zuerst stiegen die drei Astronauten in die Mondlandefähre um. Die hatte ein eigenes Sauerstoffsystem. Die akute Bedrohung war abgewendet. Aber einfach abbremsen, wenden, umkehren – das ist im Weltall

nicht ganz so einfach wie mit dem Auto auf einem Supermarktparkplatz. Vor allem kostet es viel zu viel Treibstoff. Also blieb das Raumschiff weiter auf Kurs zum Mond, nutzte die Anziehungskraft des Mondes, umrundete ihn und verließ die Mondumlaufbahn mit dem Einsatz von nur sehr wenig Energie. Kurs Richtung Erde.
Kohlendioxid, Energiemangel, Temperatur

Jetzt aber begann erst das eigentliche Bangen: Die Aggregate waren darauf ausgelegt, das von zwei Astronauten ausgeatmete Kohlendioxid für etwa 45 Stunden zu absorbieren. In der Mondlandefähre waren aber nun drei Astronauten, zudem bei einer Flugzeit, die drei Tage dauern sollte. In Houston hatte man die rettende Idee: Von dort kamen dezidierte Anweisungen. Und so bauten die Astronauten tatsächlich aus Buchdeckeln von Handbüchern, mit Klebeband, Schläuchen und anderen Kleinteilen einen improvisierten Kohlendioxid-Absorber. So wäre genügend saubere Atemluft vorhanden.
Nun rückte das Energieproblem in den Vordergrund: Da die Mondfähre gar nicht für einen derartigen Rückflug zur Erde gedacht war, stand nicht genügend Energie zur Verfügung. Eine Chance zum Überleben bestand nur, wenn die Astronauten alle nicht notwendigen Systeme vorübergehend abschalteten – auch die Heizung. So fiel die Temperatur in der Raumkapsel zwischenzeitlich auf den Gefrierpunkt. Würden sich aber die Systeme, die für die Landung zwingend benötigt wurden, nach der Belastung durch Kälte und Feuchtigkeit überhaupt wieder starten lassen? Die Antwort auf diese bange Frage stand buchstäblich in den Sternen.

Umstieg in die Landekapsel

Kurz vor dem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre stiegen die Astronauten in die eigentliche Landekapsel um, koppelten die Mondfähre ab, ihren bisherigen Lebensretter. Jetzt hieß es hoffen und warten. Vier Minuten würde es keinen Funkkontakt geben – völlig normal beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Doch die vier Minuten vergingen, ohne dass sich die Astronauten meldeten. Im Kontrollzentrum wurde man schier wahnsinnig. War alles vergeblich? Hatten die Astronauten doch ihr Leben verloren? Nach einer gefühlten Ewigkeit dann unbeschreiblich großer Jubel: Kommandant James Lovell meldete sich per Funk. Kaum jemand hatte den Astronauten noch eine Überlebenschance eingeräumt. Aber alle waren wohlauf. Später stellte sich heraus, dass der Eintrittswinkel etwas flacher verlaufen war als ursprünglich geplant. Das führte zur Verzögerung.

Als Vater von diesem Ereignis berichtete, tat er das mit viel Empathie, tat er das so, dass wir Jungs uns jedes Detail merkten. Klar, dass wir uns zusammen Jahre später die Hollywoodverfilmung dieses Dramas mit Happy End ansahen.

Persönliche Bedeutung

Was aber uns persönlich anbelangt: Wir hatten gelernt, dass so ein Codesatz eine prima Angelegenheit ist: Man weiß sofort, dass es dem Anderen ernst ist, dass er ein Problem hat, das er allein nicht lösen kann. Dass er jetzt Hilfe braucht – jetzt sofort und nicht erst am Sankt-Nimmerleinstag. Wir Jungs nutzten das, wandten uns an Vater, wann immer wir ein Problem hatten. Und bei den großen Problemen wussten wir, wie wir uns sofort seine volle Aufmerksamkeit sicherten. Aber wir hüteten uns sehr davor, diesen Hilferuf zu missbrauchen. Denn auch das hatten wir begriffen, ohne dass es je ausgesprochen wurde: Einmal für eine Lappalie verwendet, wäre der Satz wirkungslos geworden. Ein für allemal. Übrigens: Auch wenn Vater ihn nutzte, was höchst selten passierte, waren wir für ihn da.

„Houston, ich habe da ein Problem!“ Okay. Gemeinsam lösen wir es. Notfalls auch mit einem gehörigen Stück Improvisation – aber wir lösen das. Gemeinsam lösen wir jedes Problem!

P.S.: Der legendäre Funkspruch lautet korrekt: „Houston, we’ve HAD a problem here.“ Da das Problem aber leider nicht von selbst verschwindet und Bedeutung für die Gegenwart hat, wird der Funkspruch richtigerweise mit „Houston, wir HABEN ein Problem“ übersetzt.

Momentaufnahmen, kurze Episoden in den Medien, flüchtige Eindrücke – und alles rauscht einfach vorbei? „Auch das noch“ zeigt die Skripte (leicht überarbeiteter) Rundfunkbeiträge aus dem öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Manche wurden sogar speziell für Heaven On Air geschrieben. Frei nach dem Motto: einfach mal einen Moment innehalten.

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