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Jetzt wirklich Klimaschutz? Allein mir fehlt der Glaube (25. April)

„Die Botschaft hör ich wohl – allein mir fehlt der Glaube.“ Wann auch immer der alte Goethe und sein Faust zitiert werden, soll das zum Ausdruck bringen: Es wäre zu schön um wahr zu sein, wenn das, was da gesagt wird, auch Wirklichkeit würde. Und leider schwingt bei diesem Satz mit: Man möchte

die Botschaft gern glauben. Aber man hat schon oft Ähnliches gehört, was sich dann im Nachhinein als Luftblase entwickelt hat. Hoffen wir also, dass es jetzt anders ist. Dass es jetzt ernstgemeint ist.
Joe Biden hat es verkündet: Die USA machen mit der Klimapolitik ernst. Da den ersten Inselstaaten das Wasser in Kürze buchstäblich bis zum Hals stehen wird, Eis an den Polen in nahezu atemberaubender Geschwindigkeit schmilzt und den Meeresspiegel weiter in die Höhe treibt, wird es auch höchste Zeit. Danke, Joe Biden, der hier voranprescht und die Staatenlenker aus vielen wichtigen Staaten mitnimmt. China, Kanada, ja sogar Russland, mit dem es ja immer weniger Gemeinsamkeiten zu geben scheint, ziehen mit. Sie alle haben erkannt, dass es jetzt um die Wurst geht.

Aufbruchstimmung 2007 und Oscars

Allerdings: 2007 hatten wir bereits eine ähnliche Situation. Da gab es – die Älteren unter uns erinnern sich – einen Oscar für das Stasi-Drama „Das Leben der Anderen“, ein deutscher Film, der diesen Preis mehr als verdient hatte. Doch Freude auch bei allen, die sich schon damals für den Umweltschutz stark machten und die Lebensbedingungen auf diesem Planeten für uns Menschen erhalten wollten: Denn auch die Umwelt-Dokumentation „An Inconvenient Truth“, „Eine unbequeme Wahrheit“, gewann einen Oscar. Al Gore heißt der Macher dieses Films, war amerikanischer Vizepräsident und machte dann mit seinem Film eine wirkungsvollere Politik als in seiner gesamten Amtszeit. Denn dieser Film weckte Amerika auf – Amerika, zwar immer noch das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, aber auch das Land gigantischer Energieverschwendung und … der Note „völlig mangelhaft“ beim Thema Umweltschutz. Und gleich noch einen Oscar gab es in diesem Zusammenhang: einen für die Rockröhre Melissa Etheridge. Auch vor der durfte man sich damals – zumindest gedanklich – ein klein wenig verbeugen: „I Need To Wake Up“, „höchste Zeit zum Aufwachen“ hieß ihr Lied-Beitrag zu Al Gores Film. Und dieser Satz schallte nun Millionen von Amerikanern entgegen, übrigens, bei der Oscar – Verleihung begleitet von Spruchbändern mit Aufschriften wie „Lass uns dafür beten, dass die Leute die Kraft zur Veränderung haben.“ Nicht nur fromme Amerikaner wussten, was diese Spruchbänder ausdrücken sollten: Wer ernsthaft in der Bibel liest, findet schon in der Schöpfungserzählung den klaren Auftrag Gottes an uns, seine Schöpfung zu erhalten und zu bewahren. Und dann gleich zwei Oscars quasi für die Schöpfung: Da bestand große Hoffnung, dass auch Amerika die Dringlichkeit zum Umweltschutz nun endlich begriff.

Rückriss dank Abrissbirne

Weckte Amerika auf? Was wirklich daraus geworden ist, wissen wir: erst nicht viel. Und dann das Gegenteil. Denn in den letzten vier Jahren war ein Präsident an der Macht, für den das alles zu schwer verständlich war. Der zwar laut tönte, aber letztlich lediglich Vertrauen zerstörte und mit dem Geschick einer Abrissbirne hantierte. (Sorry, ein unglücklicher Vergleich! Denn wer ein Baufahrzeug mit einer Abrissbirne steuert, verfügt über Präzision, Feingefühl und hohe sensorische Fähigkeiten! Die Abrissbirne selbst… na gut.) Selten wurde in der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika so viel in so kurzer Zeit zerstört und zurückgedreht wie in den letzten vier Jahren. Das Einzige, was wieder vorangetrieben wurde, war die gnadenlose Kapitalisierung auch der Umwelt. „Akkumulation des Kapitals“ hat Karl Marx das genannt. Die Umwelt hatte er dabei allerdings gar nicht im Sinn. Die kam in seinem Denken quasi nicht vor. Ah, schon wieder vergaloppiert. Das wäre ja dann noch eine Parallele…

Vollbremsung?

Wie auch immer: Jetzt also kommt Joe Biden daher, reißt die wichtigsten Staatenlenker mit sich und verspricht wirklich Sensationelles zum Schutz für die Umwelt. Aus der Stotterbremsung der letzten Jahrzehnte wird

zwar keine Vollbremsung. Aber doch eine Bremsung mit dem Ziel zu retten, was noch zu retten ist. Wie viel das ist, weiß man nicht so genau. Was allein die Gletscherschmelze anbelangt, weiß man, dass es Punkte gibt, an denen sich nichts mehr stoppen lässt. Und bei all dem bleibt dieses mulmige Gefühl, dass wir das alles ja schon oft gehört haben. Und dass dann nichts, zuletzt sogar das Gegenteil von dem passiert ist, was notwendig gewesen wäre. Die Botschaft also höre ich wohl…
Jetzt wird’s was: Denn es geht um’s Geld

Und trotzdem überwiegen Hoffnung und Zuversicht. Aus einem banalen Grund: Joe Biden hat klar erkannt und auch formuliert, dass die Kosten einer fortschreitenden Klimaerwärmung exorbitant sein werden. Gut so! Denn wenn es ans Portemonnaie geht, werden sogar die hellhörig, die ansonsten immer nur „Bahnhof“ verstehen und ihre Ohren auf Durchzug stellen. Gute Chancen also, dass 2021 tatsächlich ein Wendepunkt in Sachen Klimaschutz wird. Vielleicht sollte man es aber dieses Mal schlauer anfangen als 2007: Oscars und vielleicht sogar Nobelpreise erst dann verleihen, wenn wirklich etwas passiert. Sonntagsreden reichen dafür dieses Mal bitte nicht aus.

Momentaufnahmen, kurze Episoden in den Medien, flüchtige Eindrücke – und alles rauscht einfach vorbei? „Auch das noch“ zeigt die Skripte (leicht überarbeiteter) Rundfunkbeiträge aus dem öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Manche wurden sogar speziell für Heaven On Air geschrieben. Frei nach dem Motto: einfach mal einen Moment innehalten.

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