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GEPA – Fairer handeln zum Überleben (14. Mai)

„Wir senken die Kaffeepreise. Und ganz Deutschland lacht“. So oder ähnlich lautete vor ein paar Jahren die Werbung eines großen Kaffeerösters bei uns in Deutschland. Großartig. Denn wenn des Deutschen liebstes Kind, äh: Heißgetränk preiswerter wird, entlastet das spürbar den Geldbeutel. Grund genug zum Jubeln. Etwa 30 Cent pro Kilo – das ist eine Menge Geld. So viel, dass

ein Bekannter, der sich für Hilfsprojekte in Afrika engagiert, damals sarkastisch kommentierte: „Deutschland senkt die Kaffeepreise. Und ganz Afrika weint!“

Womit er ausdrücken wollte: Dank eines größeren Angebots auf dem Weltmarkt können sich die großen, weltweit operierenden Kaffeeröster aussuchen, wo sie ihren Rohkaffee einkaufen. Die Senkung der Kaffeepreise in Deutschland wird nur deshalb möglich, weil man den Produzenten einfach weniger für ihren Rohkaffee bezahlt. Frei nach dem Motto: Friss oder stirb, verkauf zu dem Preis, den wir anbieten oder bleib auf deinem Kaffee sitzen und wirf ihn weg!

Wir sparen, andere zahlen

Wir Konsumenten bekommen unseren Kaffee preiswerter, der Kaffeeröster sackt sich auch noch etwas ein… und die Zeche zahlen die Menschen in den Anbauländern, zum Beispiel in Afrika. Dort natürlich nicht Großgrundbesitzer und Staatskonzerne, sondern „der kleine Mann“: Er bekommt einfach noch weniger für seine Arbeit. Nicht ganz einfach, wenn der bisherige Verdienst schon kaum zum Überleben gereicht hat.
Und sofort greift der ganze Rattenschwanz: Wenn die Eltern noch weniger Geld mit nach Hause bringen, müssen noch mehr Kinder mitarbeiten, anstatt zur Schule zu gehen. Weniger Bildung bedeutet geringere Chancen, einen besseren Job zu bekommen. Und das wiederum bedeutet: Die Chance, sich nach oben zu arbeiten, ein bisschen den Kopf raus aus dem Elend stecken zu können, sind noch geringer.

Fairer handeln – Anliegen der GEPA

Am 14. Mai 1975 ist die Geburtsstunde der GEPA. Eine neu gegründete Arbeitsgemeinschaft der Dritte Weltläden (heute: Eine Welt Läden), das katholische Hilfswerk Misereor und der Kirchliche Entwicklungsdienst KED unterzeichnen einen Vertrag zur Gründung der „Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt“. Mittlerweile nennt sich diese Gesellschaft „GEPA – The Fair Trade Company“.

Aus der kleinen Organisation wurde nach eigenem Bekunden das größte europäische Fair-Handelsunternehmen. Das Ziel ist geblieben: nämlich die Kleinbauern, einfachen Arbeiter und Tagelöhner in weniger entwickelten Ländern zu unterstützen und ihnen eine Stimme zu geben.
Möglichst ohne Zwischenhändler

Vor allem aber: ihre Produkte möglichst direkt zu vermarkten. Wo der Zwischenhandel ausfällt, lassen sich Verkaufserlöse direkt an die Produzenten weitergeben. Dass dazu auch etwas höhere Preise gehören, gehört dazu, macht es aber der GEPA anfangs schwer, ihre Produkte an die Frau und an den Mann zu bringen. So kaufen zuerst eben lediglich engagierte Menschen ihren Kaffee und andere Produkte in den (heutigen) Eine Welt Läden. Erst im Laufe der Jahre gelingt es der GEPA – und dann auch anderen Organisationen – fair (oder zumindest fairer) gehandelte Produkte in den Supermärkten zu platzieren und damit mehr Konsumenten zu erreichen. Mittlerweile gehört es zum guten Ton der Supermarktketten, eine ganze Reihe von fair gehandelten Produkten im Sortiment zu haben.

Vorreiter der Bio-Welle

Die GEPA setzte sehr schnell auf Produkte in Bio-Qualität. Mit Kaffee von Kleinbauern aus Mexiko brachte die Organisation bereits 1986 den ersten Bio-Kaffee nach Deutschland, ein Jahr später folgte Tee aus biologischem Anbau, später dann der erste Rohrzucker in Bio-Qualität.
Auch das ist wichtig: Es geht der GEPA nicht nur um faire Preise für die Erzeuger, sondern auch darum, die übermäßige Verseuchung der Böden, das Spritzen der Pflanzen mit Giftcocktails und vieles mehr zu verhindern. Ja, Bio-Anbau bringt oftmals geringere Erträge. Aber die sind gesünder, so dass letztlich nicht nur die Menschen in den Erzeugerländern vom Engagement der GEPA profitieren, sondern wir als Verbraucher ebenfalls. Wer weiß, ob es den großen Bio-Boom, den wir derzeit erleben, ohne die GEPA überhaupt in dieser Form geben würde. Dass Produzenten einen langen Atem (oder eben eine entsprechende Unterstützung) brauchen, um sich eine Bio-Produktion leisten zu können, gehört heute zum kleinen Ein mal Eins des Umweltschutzes. Diesen langen Atem hat die GEPA bis heute. Gott sei Dank möchte man sagen.

Denn über drei Viertel aller von der GEPA angebotenen Produkte stammen aus biologischem Anbau – Tendenz steigend. Rund 90 Prozent der Verpackungen bestehen aus nachwachsenden Rohstoffen. Kann es einen besseren Ansatz im Kampf gegen Plastik oder gegen die Verschwendung von Rohstoffen wie Aluminium geben? Wohl kaum.

Und ganz Afrika weint

Ach ja, zurück zu „Wir senken die Kaffeepreise“: 30 Cent betrug damals die Senkung des Kaffeepreises. Mögen Sie noch einmal mitrechnen? Irgendwo um die 170 Liter Kaffee konsumieren wir in Deutschland pro Kopf und Jahr. Die Statistik sagt: Für diese Menge verbrauchen wir noch nicht einmal sechs Kilo Kaffee. Gesamtersparnis pro Kopf also: sagenhafte 1,80 Euro. Im Jahr! Das ist weniger als ein einziger Espresso beim Italiener um die Ecke und weniger als vier Zigaretten, wohl gemerkt: aufs Jahr gesehen! Und gleichzeitig gingen der Gesamtheit der kleinen Kaffeebauern, Tagelöhner und Arbeiter in den Produzentenländern Millionen an Einnahmen verloren. „Und ganz Afrika weint!“ Zumindest verstehe ich jetzt besser, was dieser Satz damals heißen sollte.

Happy Birthday, GEPA

Kaffee, Tee, Schokolade, Honig, Reis, Wein, Quinoa und vieles mehr – fair gehandelt, biologisch und frei von Gentechnik – was willst du mehr? Deshalb: der GEPA einen herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! Ich trage gern dazu bei, die GEPA und ihre Anliegen noch ein kleines bisschen bekannter zu machen. Und gönne mir jetzt, nachdem der Text fertig ist, eine leckere Tasse Kaffee und ein Stückchen Schokolade. Natürlich von der GEPA.

Momentaufnahmen, kurze Episoden in den Medien, flüchtige Eindrücke – und alles rauscht einfach vorbei? „Auch das noch“ zeigt die Skripte (leicht überarbeiteter) Rundfunkbeiträge aus dem öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Manche wurden sogar speziell für Heaven On Air geschrieben. Frei nach dem Motto: einfach mal einen Moment innehalten.

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