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Wünschewagen – Sterbenden einen letzten Wunsch erfüllen (11. März)

Als ich vor etlichen Jahren den Film „Knockin’ On Heaven’s Door“ gesehen habe, dachte ich spontan: So etwas müsste es in Wirklichkeit geben! Denn im Film erfüllen sich zwei Todkranke ihren letzten großen Wunsch: einmal das Meer sehen. Eine großartige Komödie über den Tod – so widersinnig das klingen mag. Mit Jan Josef Liefers und Til Schweiger in Bestform, unterstützt von Moritz Bleibtreu, Leonard Lansink, Ralph Herforth, Cornelia Froboess, Hannes Jaenicke und vielen anderen. Großartig in Szene gesetzt von dem ohnehin begnadeten Sönke Wortmann. Aber

bevor ich noch mehr ins Schwärmen gerate: Dieses „So etwas müsste es in Wirklichkeit geben“ ließ mich nicht mehr los.

Bis ich dann vor gar nicht allzu langer Zeit entdeckte: So etwas gibt es tatsächlich. In immer mehr Städten und Regionen. Der sogenannte „Wünschewagen“ ist ein Angebot des Arbeiter Samariter Bundes, ASB. Vereinfacht ausgedrückt: Ehrenamtliche erfüllen Todkranken einen letzten großen Wunsch. Zum Beispiel noch einmal in die Geburtsstadt fahren, noch einmal einen weit entfernt lebenden Bekannten wiedersehen. Einmal zum Heavy Metal-Festival nach Wacken. Oder eben einmal das Meer sehen.
Die Schritte bis zur Erfüllung des letzten Wunsches sind denkbar einfach: Im Internet

auf die Seite „Wuenschewagen.de“ gehen, das eigene Bundesland angeben, dann ein paar Angaben über den schwerstkranken Menschen. Wie ist die medizinische Situation, welche Medikamente und Gehhilfen benötigt er. Und natürlich: Wie sieht er aus, der langgehegte Wunsch, der eigentlich schon als unerfüllbar abgehakt ist? Kurze Zeit später melden sich dann die Macher und Planer. Denn ganz klar: Weil die Wünschewagen mittlerweile hoch im Kurs stehen, ist eine Terminplanung notwendig. Vor allem auch deshalb, weil manche Schwerstkranke nicht mehr allzu viel Zeit haben…

Wenn dann der Termin der Wunscherfüllung gekommen ist, steht pünktlich eine Art Krankentransporter vor der Haustür: Eingerichtet für Liegendtransporte, auch geeignet für Rollstuhlfahrer, immer mit medizinischem Fachpersonal und einer ehrenamtlichen Person besetzt. Die Person ist dafür zuständig, während der Unternehmung den Schwerstkranken zu begleiten und ihm bei allem zu helfen, bei dem er Hilfe benötigt. Die medizinische Fachkraft… wird am besten gar nicht gebraucht. Aber wenn notwendig ist sie in der Lage, eine medizinische Versorgung durchzuführen.
Immer mehr Firmen sponsern mittlerweile Wünschewagen, immer mehr Prominente aus Politik, Kultur und Gesellschaft stellen sich als Schirmherren für den regionalen Einsatz der Wünschewagen zur Verfügung. Die Kosten für die Wünsche, die an den ASB herangetragen werden, begleicht dieser durch Spenden. Derjenige, der den Wünschewagen „bucht“, bezahlt nicht. Nur ein Beispiel: Rund 150 Euro kostet der Wünschewagen, wenn er auf Tour ist und ein Schwerstkranker und eine ehrenamtliche Person in ihm übernachten. Klar, dass die notwendigen Spenden umso mehr steigen, je bekannter das Projekt wird.

Als die beiden Todkranken Film „Knockin’ On Heaven’s Door“ endlich das Meer erreichen, können sie zufrieden Abschied nehmen. Und genau darauf kommt es auch im richtigen Leben an: Sterbende nicht allein zu lassen, sondern sie zu begleiten. Eben auch dadurch, dass ihnen das Team vom „Wünschewagen“ einen letzten großen Wunsch erfüllt.

Momentaufnahmen, kurze Episoden in den Medien, flüchtige Eindrücke – und alles rauscht einfach vorbei? „Auch das noch“ zeigt die Skripte (leicht überarbeiteter) Rundfunkbeiträge aus dem öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Manche wurden sogar speziell für Heaven On Air geschrieben. Frei nach dem Motto: einfach mal einen Moment innehalten.

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