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2. Februar, Ende der Weihnachtszeit? Mariä Lichtmess, ein fast vergessenes Fest

Momentaufnahmen, kurze Episoden in den Medien, flüchtige Eindrücke – und alles rauscht einfach vorbei? „Auch das noch“ zeigt die Skripte (leicht überarbeiteter) Rundfunkbeiträge aus dem öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Manche wurden sogar speziell für Heaven On Air geschrieben. Frei nach dem Motto: einfach mal einen Moment innehalten.

2. Februar, Ende der Weihnachtszeit? Mariä Lichtmess, ein fast vergessenes Fest

Für meine Oma war das noch sonnenklar: Am 2. Februar fliegt der Weihnachtsbaum endgültig raus. Mariä Lichtmess – Ende der Weihnachtszeit. Weil Opa Bergmann und später Steinstaub-geschädigter Frühinvalide war, war da Geld ständig knapp. Wenn man sich dann schon mal den Luxus eines Weihnachtsbaums leisten konnte, dann sollte der auch möglichst lange stehen. Bis Mariä Lichtmess, bis zum Ende der Weihnachtszeit.
Dass die Katholische Kirche bereits 1970 eine Kalenderreform durchgeführt und das Ende der Weihnachtszeit offiziell auf den Sonntag nach dem Dreikönigsfest – kirchensprachlich: Erscheinung des Herrn – verlegt hatte, haben Oma und Opa zeitlebens konsequent ignoriert. Mariä Lichtmess – das war’s. Und dabei blieb es. Wobei ich mir dann erst einmal von Oma erklären lassen musste, woher der merkwürdige Name für den 2. Februar überhaupt kam. Zwischen Weihnachten und Mariä Lichtmess habe die Familie die Freizeit abends zumeist mit dem Gießen von Kerzen verbracht. Die seien dann am 2. Februar im Anschluss an eine Lichterprozession geweiht worden, so wie alle Kerzen, die man im Verlauf des Jahres in der Kirche und zu Hause brauchte. An der Kirche habe es sogar einen Kerzenstand gegeben, wo man sich schnell noch eindecken konnte, falls man es versäumt hatte, Kerzen selbst zu gießen. Eine Erinnerung an alte Wachsmärkte, wie ich heute weiß. Märkte, bei denen es auch andere Dinge zu kaufen gab, die nicht aus Wachs waren. Sehr zur Freude der Kinder gehörten auch frisch gemachte Crêpes dazu, also Nachahmungen jener hauchdünnen französischen Pfannkuchen. Die gab es oft als Belohnung für die Teilnahme an einer eigens für Kinder ausgerichteten Lichterprozession.
Opa hingegen wusste zu ergänzen, dass an Mariä Lichtmess auch um ein gutes Feldjahr gebetet wurde: Traditionell begannen an diesem Tag nämlich auf den Feldern die ersten Vorbereitungen für das neue Erntejahr. Immerhin ist es am 2. Februar etwa eine Stunde länger hell als am kürzesten Tag des Jahres. Und weil der Abstand vom Martinsfest am 11. November zur Wintersonnenwende ähnlich lang ist wie der von der längsten Nacht bis zu Mariä Lichtmess, habe der Volksmund irgendetwas davon gedichtet, dass St. Martin die Lichter auslösche, Lichtmess sie wieder entzünde. Genaueres wusste Opa da nicht. Wie auch? Er war Bergmann, kein Mann der feinen Künste und Gedichte…
Dass die Katholische Kirche bis 1969 das Fest auch als Mariä Reinigung bezeichnete, wussten Oma und Opa nicht. Hintergrund dafür war die jüdische Tradition und Gesetzesvorschrift, dass eine Frau 40 Tage nach der Geburt eines Kindes ein

Reinigungsopfer darzubringen habe. Und wenn Sie mal nachzählen wollen… Passt! Allerdings setzte die Katholische Kirche mit der bereits angesprochenen Kalenderreform noch eins drauf, verpasste dem ursprünglich jüdischen Fest einen christlichen Anstrich: Nicht mehr die Reinigung Marias stand im Vordergrund, sondern die Darstellung des neugeborenen Kindes, nach christlicher Vorstellung des Gottessohnes. Was dann aus dem ursprünglichen Marienfest ein Christusfest werden ließ.

Als ich Oma damit konfrontierte, dass die Weihnachtszeit doch nun schon seit Anfang Januar vorbei sei, kommentierte sie das auf ihre eigene Weise: „Papperlapapp! An Weihnachten geht es darum, dass der Friede in die Welt kommt. Und dieser Anspruch ist nie vorbei. Der gilt das ganze Jahr über. Und damit ist die Weihnachtszeit genaugenommen erst dann vorbei, wenn die nächste anfängt.“
Nur an der Geschichte mit der Kerzenweihe, wenn auch ohne Lichterprozession, hielt Oma bis zu ihrem Tod eisern fest.

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