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Loi – Red Eyes

Personen mit geröteten Augen – wer im Dunklen mit Blitzlicht fotografiert, kennt den berüchtigten Red-Eyes-Effekt. Der lässt sich bei Fotos heutzutage mit einem kurzen Klick am Handy automatisch entfernen. Im richtigen Leben haben gerötete Augen zumeist einen komplizierteren Hintergrund. Und vor allem: Ganz so leicht wird man diese roten Augen nicht wieder los.

Red Eyes

Leonie Greiner, besser bekannt als Loi, kann ein Lied darüber singen – und tut es auch. Die 24jährige, die bei der elften Staffel von „The Masked Singer“ im Pandakostüm siegreich war, hat mit „Red Eyes“ eine äußerst emotionale Single am Start. Loi singt:

„Wir haben jede Jahreszeit durchlebt
aber Sandburgen gebaut.
Jetzt bin ich hier allein zurückgelassen.
Warum habe ich diese roten Augen?
Sie halten mich die ganze Nacht wach,
wo ich doch am Paradies nippen sollte.
Sie lassen mich verschwommene Linien sehen.
Das bringt mich um den Verstand!“

Alles durch einen Schleier

Es gibt viele Popsongs über den Zerfall einer Beziehung – nur selten wird die innere Zerrissenheit so deutlich spürbar wie in Lois „Red Eyes“. Die roten Augen spiegeln die Schlaflosigkeit, Trauer und emotionale Erschöpfung der Sängerin – nicht nur ein physisches Symptom, sondern auch Zeichen einer veränderten Wahrnehmung der Realität: Denn die Sängerin nimmt alles, was sie umgibt, nur verschwommen und wie durch einen Schleier wahr. Eine Metapher dafür, dass ihr der klare Blick auf ihr Leben fehlt und sie sich selbst nur unzureichend erkennt.

Vergänglich wie Sandburgen

Die Beziehung, die über einen langen Zeitraum aufgebaut wurde und stabil und sicher erschien, erleidet das Schicksal von Burgen aus Sand – eine tiefgreifende Einsicht in das menschliche Leben: Denn menschliche Konstrukte sind immer fragil und drohen trotz vielfältiger Bemühungen zu zerfallen. Eine uralte menschliche Erkenntnis, die bereits den Evangelisten Matthäus in der sogenannten Bergpredigt in der Bibel zu folgender Aussage führen:

„Sammelt euch nicht Schätze hier auf der Erde,
wo Motte und Wurm sie zerstören
und wo Diebe einbrechen und sie stehlen.“
(Mt 16,19).

Matthäus ist sich nicht nur sicher, dass alles vom Menschen Geschaffene irgendwann zerfällt. Er ist auch überzeugt davon, dass ausschließlich „Schätze im Himmel“ unvergänglich und sicher sind.

Die Frage nach dem Warum

Die meistgestellte Frage angesichts von Schmerz und Leid ist die Frage nach dem „Warum“. Wenn Loi mehrfach nach dem Grund für ihre geröteten Augen fragt, drückt dies vor allem ihre Ratlosigkeit aus. Denn sie steht einem Dilemma gegenüber. Alle Voraussetzungen, sich frei, lebendig und „wie im Paradies“ zu fühlen waren gegeben. Doch stattdessen sieht sie sich nun einer lähmenden Einsamkeit gegenüber – ein Widerspruch zu dem ersehnten inneren Frieden und persönlichem Glück.

Von der Ekstase der Bühne in die Einsamkeit

Wie viele Künstlerinnen und Künstler kennt Loi die Erfahrung von Einsamkeit: Nach den energiegeladenen Sommerkonzerten sei ihr die Umstellung schwergefallen, in die Stille ihrer Wohnung zurückzukehren, so die Sängerin im Interview. Lange habe sie versucht, diese Spannung zwischen extrovertierten Bühnenleben und der inneren Ruhe im Privatleben zu verdrängen und sich davon abzulenken. Dabei habe sie nicht nur sich selbst besser kennengelernt, sondern auch gelernt, alleine zu sein und Stille zuzulassen.

Die eigenen Selbstzweifel reflektieren

Nicht nur Künstlerinnen und Künstler kennen das Gefühl von Einsamkeit nach dem Trubel von Job und Alltag kennen, sondern auch Menschen mit einem „normalen Job“ und damit die Zuhörerinnen und Zuhörer von Loi. Jeder kann sich in Lois Kampf mit sich selbst, ihrer Wut und ihren Selbstzweifeln wiederfinden und erkennen. Und so lädt „Red Eyes“ dazu ein, seine eigenen „roten Augen“ zu reflektieren und sich zu fragen, welche Hindernisse ihn oder sie selbst davon abhalten, das eigene Paradies, das eigene kleine Glück zu erreichen.

Annahme als Schritt zur Heilung

Lois Antwort wäre wohl: sich Zeit für sich selbst nehmen, die Stille suchen, über sich nachdenken; anschließend seine erkannten Probleme aussprechen und beginnen zu akzeptieren, dass Rückschläge in einem diesseitigen Leben nicht unvermeidlich sind. Mit diesem Bewusstsein sind Enttäuschungen vielleicht nicht mehr ganz so schmerzhaft. Oder wie es die großen Religionen formulieren würden: Die bewusste Annahme von Leid ist ein erster Schritt zur Heilung.

Ein Plädoyer für die Suche nach der eigenen inneren Klarheit:

Loi – „Red Eyes“

Der bei Radio Salü gesendete Beitrag ist eine Kurzfassung dieses Textes.

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