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Genesis – Carpet Crawlers

Es gibt nur eine einzige Blickrichtung der Gesichter, soweit ich das sehen kann:
Nämlich nach oben zum Dach, wo die Zimmer sein sollen.
So wie der Wald um das Sonnenlicht kämpft, der seinen Weg in jeden Baum findet,
Sie werden von einem Magneten angezogen. Sie glauben frei zu sein.
Die Teppichkriecher folgen ihren Sprechern:
´Wir müssen hineinkommen um herauszukommen.´

Textprobe aus dem Song „Carpet Crawlers“ der Band Genesis von 1974. Falls Sie nicht verstanden haben, um was es eigentlich geht: Phil Collins, damals Schlagzeuger und hinter Frontmann Peter Gabriel der Back-Up-Sänger, meinte noch Jahre später zum Album „The Lamb Lies Down On Broadway“: „Fragen Sie Peter, was die Texte bedeuten sollen. Ich verstehe sie auch nicht!“

Dabei ist die Handlung sogar leicht verständlich: Rael, ein puertoricanischer Punk aus der Bronx, will seinen Bruder John retten. Dafür muss er in New York gleich eine ganze Reihe von Abenteuern bestehen; zwischendurch trifft er sogar auf eine „Alice im Wunderland“. Aber die innere Logik der Geschichte ist komplizierter: Denn die Brüder Rael und John sind genauso genommen ein und dieselbe Person. – Eine unglaublich surreale Story, die Peter Gabriel da zusammenschreibt. Eine Story, die nahe legt, dass Gabriel eine eigene Persönlichkeitsspaltung verarbeitet. Vielleicht die zwischen dem charismatischen Frontmann der Band und dem eher schüchternen Texter am Schreibtisch. Vielleicht die des besorgten werdenden Vaters, dessen Frau Probleme vor der Geburt hat, und dem Sänger, der mit seiner Band ständig unterwegs ist. Hauptgrund, warum Gabriel noch während der Lamb Lies Down-Tour seinen Ausstieg aus der Band mitteilt. Klar auch, dass Peters Geschichte die Kollegen erstaunt: Denn eigentlich sollte als nächstes „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry vertont werden. Doch am Ende ist „Lamb Lies Down…“ ein Album, das jeder für sich selbst interpretieren kann. Zum Beispiel als klare Aussage über den Kampf für den Anderen, als Einsatz für den Nächsten. Und ganz sicher auch als Ausdruck über die Schwierigkeiten, sich in einer modernen Welt mit klaren Regeln, Hass, Gewalt und Problemen zurechtzufinden. Gut, wenn es dann jemanden gibt, auf den man sich verlassen kann. So wie John auf Rael, so wie Rael sich auf sich selbst… oder auf das Übergeordnete, das Göttliche, an dem jeder Mensch einen Anteil haben kann. Die Botschaft des Albums: sich selbst zu finden, Freiheit finden… und vor allem Frieden zu finden. Explizit ausgesprochen in Genesis und „Carpet Crawlers“.

Kommentare

1 Kommentar

Pauline Dreikausen

Durch Zufall auf diese Seite mit der Beschreibung meines Lieblingsliedes von Genesis gekommen das für mich mit einer wundervollen Erinnerung für immer verknüpft sein wird !! Vielen Dank lieber Frank Merschmeier für ihre Sicht und Interpretation ♡


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