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Weihbischof Johannes Kapp († 2018)

Kameras sind unerbittlich. Aber sie zeigen nur das, was „vor den Kulissen“ passiert. Was er mit seinen Gästen „hinter den Kulissen“ und „abseits der Kameras“ erlebt hat, erzählt Moderator Klaus Depta hier. Zum Beispiel mit

Weihbischof Johannes Kapp († 2018)

Ja, Weihbischof Johannes Kapp war Religionslehrer, Priester, Domkapitular, Regens des Priesterseminars in Fulda, Weihbischof und für kurze Zeit, nach dem Tod von Erzbischof Johannes Dyba, Diözesanadministrator und damit „Chef“ im Bistum Fulda. Aber Johannes Kapp war vor allem eines: Nordhesse. Dass der in Burguffeln, nördlich von Kassel, geborene Kapp seiner Heimatregion zeitlebens besonders verbunden war – daraus hat er nie einen Hehl gemacht. Auch wenn er wie kein Zweiter zu Firmungen das gesamte Bistum bereiste und als Weihbischof natürlich in Fulda lebte, war sein wirkliches Zuhause die Diasporaregion nördlich von Kassel. Hier fühlte er sich wohl, hier wusste er, wie die Menschen ticken. Anders eben als in Marburg oder Hanau, erst recht anders als in Fulda.
Mit Weihbischof Johannes Kapp verband mich eine eher ungewöhnliche Beziehung: Im Norden des Bistums, in Hofgeismar, lernten wir uns persönlich kennen. Kapp goutierte wohlwollend, dass ich mich darum bemühte, eine aktive Jugendarbeit aufzubauen. Als Jahre später Fulda ebenfalls mein Dienstort wurde, waren die Arbeit in Hofgeismar und ihr Nachhall das erste Thema.
In unseren Begegnungen strahlte Weihbischof Kapp die Würde eines Bischofs von altem Schrot und Korn aus. Eben einer der höchsten Repräsentanten der Katholischen Kirche in Deutschland. Wer sich aber in persönlich vielleicht problematischen Situationen an ihn wandte, so hörte man von vielen, erlebte einen interessierten Menschen, einen aufmerksamen Zuhörer. Einen, der sich sorgte.
Als Johannes Kapp Domdechant und damit quasi Hausherr des Fuldaer Doms war, erstrahlte der in neuem Glanz: freundlich, hell und einladend. Das gelegentlich als erdrückend und überladend empfundene Barock trat durch die ansprechende helle Gestaltung zurück und entwickelte sogar etwas Verführerisches.
Anfang der 2000er Jahre zeigte man Weihbischof Kapp einen virtuellen Rundgang durch den Kölner Dom. Schnell ließ sich der schon alternde Weihbischof für diese damals brandneue Technik begeistern. Können wir das mit dem Fuldaer Dom auch? Wir konnten. Und wenige Monate später stand dieser Rundgang dann tatsächlich im Netz. Beim „Talk am Dom“ war Johannes Kapp dann geraume Zeit später der erste, der zu seiner großen Überraschung diesen Rundgang sogar in Buchform mit eindrucksvollen Bildern in seinen Händen halten durfte.
Vielleicht lag es daran, dass wir uns in Hofgeismar kennengelernt hatten, vielleicht gab es andere Gründe: Mit Ideen, aber auch mit (dienstlichen) Problemanzeigen fang ich bei Johannes Kapp immer ein offenes Ohr. Auch für Dinge, die andere vielleicht als „unter ihrer Würde“ angesehen hätten. Bei einer Einleitung wie „Herr Weihbischof, Sie können jetzt gerne sagen, dass Sie das nicht hören wollen. Dann höre ich sofort auf…“ forderte er mich nicht ein einziges Mal zum Schweigen auf. Stattdessen lächelte er ein wenig, weil er das Ritual längst durchschaut hatte, und harrte der Dinge, mit denen ich ihn nun schon wieder konfrontieren würde. Danach stellte er Fragen und überlegte, auf welche Weise Abhilfe geschafft werden könne.
Mit Johannes Kapp erlebte ich, dass das Wort von der „Stecknadel, die man fallen hören kann“ mehr war als nur ein geflügeltes Wort. Als er bei „Talk am Dom“ von seiner Kindheit und seinen Kriegserinnerungen in Fulda erzählte, war es, als würde das Publikum kollektiv den Atem anhalten.

Johannes Kapp verstarb am 22. September 2018, natürlich in Nordhessen. Sein Auftreten bei „Talk am Dom“ ist das letzte und damit aktuellste gefilmte Portrait des früheren Fuldaer Weihbischofs.

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