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Hoffnungsvoller Aufbruch in eine ungewisse Zukunft: die Pilgrim Fathers verlassen das alte Europa (16. September)

Als Schülerin habe ich diesen Text im Englischunterricht gehasst: ein Text über die Mayflower, ein Segelschiff, mit dem die so genannten Pilgrim Fathers 1620 in Neuengland, „New England“, dem Nordosten der heutigen USA, landeten. Am 16. September 1620 stach die Mayflower in Plymouth in See – einer ungewissen Reise entgegen.

Langweiliger Englischunterricht

Nennen Sie es eine Marotte: Aber weil mein Englischunterricht seinerzeit so unglaublich langweilig war, hat sich mir dieses Datum „16. September“ einfach eingeprägt. Jedes Jahr denke ich am 16. September an die Mayflower. Und an den langweiligen Text in meinen noch langweiligeren Englischstunden. Heute weiß ich: So langweilig ist die Story gar nicht. Sie war nur langweilig geschrieben. Heute weiß ich auch: Die Lebenshaltung der Saints, der Heiligen, wie sich die Auswanderer selbst nannten, ist faszinierend.

Katastrophaler Start

Der Start in die „Neue Welt“ allerdings ist katastrophal: 66 Tage auf See. Nicht auf einem Kreuzfahrtschiff, wie wir es heute kennen. Ein Dreimaster, 34 Besatzungsmitglieder, 102 Passagiere, darunter drei schwangere Frauen und viele Kinder. Hygienische Verhältnisse? Lassen wir das lieber. Die Bilder, die ich in Ihrem Kopf erzeugen würde, möchten Sie gar nicht sehen. Und dann, damals, also vor 400 Jahren, auch noch die Geburt von zwei Kindern auf den Wogen des Ozeans!

Altes Leben hinter sich lassen

Nicht umsonst galt damals mehr noch als heute: Auf See bist du in Gottes Hand! Dieser Satz, diese Vorstellung war tief ins Bewusstsein der Reisenden eingeprägt. Denn die meisten von ihnen gehörten religiösen und kirchlichen Gruppen an, die in Europa verfolgt wurden. Mit dem Aufbruch in die neue Welt wollten sie ihr bisheriges Leben hinter sich lassen. Wollten streng nach der Bibel leben, ohne Waffen, ohne jegliche Gewalt. Und ohne Alkohol. Dafür aber mit einer sich selbst regierenden Gesellschaft, bei der jeder Einzelne denselben gerechten Gesetzen unterstellt war. Eine Regierungsform, die nach ihrer Auffassung dem Willen Gottes entsprach.

Fähigkeiten zum Wohle aller nutzen

Jahre später habe ich mich intensiver mit den Pilgrim Fathers beschäftigt, habe in vielen Punkten eine andere Sichtweise gewonnen als sie. Trotzdem beeindruckt mich eins: wie diese Menschen in ihrem Alltag Gott Raum gaben. Ihr alltägliches Handeln ideellen Werten unterwarfen. Und einer Vorstellung, die nicht greifbar ist, weil sie sich irgendwie an himmlischen Sphären ausrichtet. Zutiefst waren sie davon überzeugt, dass sich menschliches Glück nahezu automatisch einstellt, wenn man sein Leben an Gottes Angeboten ausrichtet. Gott, so ihre Vorstellung, habe sie mit zahlreichen Fähigkeiten ausgestattet; es sei an ihnen selbst, diese Fähigkeiten weiterzuentwickeln und sie zum Wohle aller einzusetzen. Wie von selbst resultiert aus solch einer Haltung ein Leben ohne Gewalt – ohnehin eine Maxime der Pilgrim Fathers.

Gegen Egoismus und soziale Kälte

Was im Nordosten der heutigen USA hoffnungsvoll begann, hat sich nicht durchgesetzt. Weder in den USA, wo das Recht auf Tragen und Nutzen von Waffen längst ideologische Züge angenommen hat, noch anderswo auf der

Welt. Auch die Vorstellung, all seine Talente in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen, seine alltäglichen Handlungen zum Wohl aller in die Gesellschaft einzubringen – auch davon könnte jede, auch unsere Gesellschaft deutlich mehr vertragen. Stattdessen wachsen Egoismen und soziale Kälte, das Gegenteil von dem, was die Pilgrim Fathers lebten. Schade! Trotzdem bleibt das Gegenmodell der Pilgrim Fathers zu Egoismus und sozialer Kälte faszinierend. Und damit zumindest die Hoffnung auf eine neue, bessere, friedlichere Form des Zusammenlebens. Anfangen kann jeder damit. Bei sich selbst. Denn auch die Fähigkeit der Selbstreflexion gehört zu dem, was uns von Gott geschenkt wurde, wie die Pilgrim Fathers heute wohl sagen würden. Oder wie wir sagen können: was uns als Menschen auszeichnet.

Momentaufnahmen, kurze Episoden in den Medien, flüchtige Eindrücke – und alles rauscht einfach vorbei? „Auch das noch“ zeigt die Skripte (leicht überarbeiteter) Rundfunkbeiträge aus dem öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Manche wurden sogar speziell für Heaven On Air geschrieben. Frei nach dem Motto: einfach mal einen Moment innehalten.

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