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Dustin Hofman, Simon & Garfunkel & Mrs. Robinson: Die Reifeprüfung (6. September)

Als ich den Film „Die Reifeprüfung“ das erste Mal sah, war ich noch viel zu jung, um ihn zu verstehen. Es war meine erste Begegnung mit Dustin Hofman, den dieser Film zum Weltstar machte. Hofman spielt in ihm einen College-Absolventen, der erstmals eine Einladung zum Sex bekommt. Und das von einer erwachsenen, verheirateten Frau. Zudem noch eine Frau, die mit seinen Eltern befreundet ist.

Erstarrtes Establishment

Wie gesagt: Ich war jung. Na gut, das bin ich immer noch. Aber damals war ich eindeutig zu jung, um die beißende Gesellschaftskritik des Films zu verstehen. Was kannte ich schon von der bürgerlichen Gesellschaft? Und erst recht von der in den USA? Kinder hatten damals nur eine Perspektive: Sie konnten ein Abziehbild ihrer Eltern werden. Kein Wunder, dass sie sich gegen das Establishment auflehnten: im Film, in der Musik, in der Kunst gegen die erstarrte Gesellschaft ihrer Eltern protestierten. Ich sage nur „Woodstock“! Aber das war ja sogar noch ein Jahr später als „Die Reifeprüfung“. „The Graduate“ heißt der Film im Original. Und hatte heute, am 6. September 1968, in unseren Kinos Premiere.

Dustin Hofman

Das ist auch der Grund, warum sich unsere Clique heute bei Hank trifft. Ein kleiner, aber feiner Kreis, in dem wir nicht nur abhängen und chillen, sondern diskutieren, uns austauschen. Und Filme anschauen. Heute eben „Die Reifeprüfung“. Vermutlich wird Hank uns wieder vorschlagen, den Film in Originalsprache anzusehen. Und vermutlich wird die Mehrheit dafür stimmen, dann doch lieber die deutsche Version anzuschauen. So kommt der Wortwitz der Dialoge besser bei uns an. Auch wenn dafür der Wortwitz des Originals ein wenig verloren geht. Aber egal. Die Dramaturgie bleibt dieselbe. Und selbst wenn sie den meisten von uns bekannt sein dürfte, freue ich mich jetzt schon auf den Höhepunkt: wenn sich nämlich Dustin Hofman in die Tochter seiner Liebhaberin verliebt und es zum Eklat kommt. Herrlich. Und dann die Szene mit dem Bus… Aber genug gespoilert. Vielleicht bekommen Sie ja Lust, den Film heute Abend auch anzusehen. Da will ich lieber nicht noch mehr verraten…

Musik von Simon & Garfunkel

Lassen Sie mich noch schnell einen Blick auf die Filmmusik werfen. „Gassenhauer“, wird Hank heute Abend etwas abwertend sagen. Na ja, Hank ist schon älter, kennt die Songs aus seiner Kindheit und hat sich ein bisschen leid an ihnen gehört. Mir geht das nicht so. „The Sounds of Silence“, „Scarborough Fair“ – was Paul Simon & Art Garfunkel da geschrieben haben, waren wohl zu Hanks Zeiten die absoluten Feten- und Schmusesongs. Und dann ist da ja auch noch der Song, der der gelangweilten Ehefrau gewidmet ist: Mrs. Robinson. Als ich den Filmsoundtrack downloadete, war ich enttäuscht. Dort gibt es nur zwei kleine Schnipsel des Songs. Den Single-Mix hätte man dort zumindest als Bonustrack auch noch prima unterbringen können. Aber, so viel weiß ich heute, die Single kam ja erst ein Jahr nach

dem Film. „Das ist für Sie, Mrs. Robinson. Jesus liebt sie mehr als sie jemals wissen werden. Gott segne Sie, Mrs. Robinson. Der Himmel hält einen Platz bereit für diejenigen, die beten.“
Erster Popsong mit „Jesus“

Kein Wunder, dass es „Mrs. Robinson“ einigermaßen zu Berühmtheit brachte. Nicht nur, weil der Song so zeitlos ist, dass man ihn auch heute noch spielen kann. Soweit ich weiß, ist „Mrs. Robinson“ der erste Popsong, in dem der Name „Jesus“ vorkommt. Das gab es vorher einfach nicht. Jesus und Pop? Das ging gar nicht. Das passte einfach nicht zusammen.
Wobei ich mich manchmal frage, ob dieser Jesus nicht genau das wäre, wenn er heute erschiene: purer Pop. Zumindest einer, der gefeiert würde wie ein Popstar. Wenn schon deutsche Kids beim Weltjugendtag in Köln „Benedetto, Benedetto“ skandierten und den Papst wie einen Popstar feierten – wie würde es da erst dessen Chef gehen? Aber das ist vielleicht ein anderes Thema.

Heaven for Everyone

Ich gebe zu: Ebenso wie die Handlung und die Songs ist dieser zentrale Satz bei mir hängengeblieben. „Der Himmel hält einen Platz bereit für diejenigen, die beten.“ Freddie Mercury, der ja gestern 75 Jahre alt geworden wäre, – ach Freddie, der liebe Gott habe ihn selig! – machte mit seiner Band Queen daraus die Formel „Heaven for Everyone“. Wahrscheinlich ist es das, was auch heute den einen oder anderen umtreibt: einen Ort, einen Umstand zu finden, in dem alles „Himmel“ ist, alles Friede, Freude, Eierkuchen in einem positiven Sinn. Kein Leid, keine Not, kein Neid, kein Hass.

So alt wird kein Schwein

Und noch nicht einmal Beschränkungen durch die Zeit, durch eine Uhr, die gnadenlos tickt und ihrem Ende entgegengeht. Nee, nee, ich werde jetzt nicht sentimental. Aber wenn ich mir vorstelle, dass „Die Reifeprüfung“ für deutsche Augen und Ohren auf den Tag genau 53 Jahre alt ist… So alt wird doch kein Schwein! Oder doch?
Egal. Wir werden uns auf jeden Fall heute Abend den Film reinziehen, werden wahrscheinlich hinterher noch lange über das Leben, über Gott und die Welt diskutieren. Und wahrscheinlich werden wir sogar die Lieder von Simon & Garfunkel lauthals mitsingen. Ich auf jeden Fall. Happy Birthday, The Graduate.

Momentaufnahmen, kurze Episoden in den Medien, flüchtige Eindrücke – und alles rauscht einfach vorbei? „Auch das noch“ zeigt die Skripte (leicht überarbeiteter) Rundfunkbeiträge aus dem öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Manche wurden sogar speziell für Heaven On Air geschrieben. Frei nach dem Motto: einfach mal einen Moment innehalten.

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