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Arzt, Menschenfreund und Philosoph – heute wichtiger denn je: Albert Schweitzer (14. September)

Manchmal sind es die kleinen Dinge, aus denen große Dinge werden. Und manchmal Irrtümer, die zu Geschichten führen. So auch in diesem Fall: ein falscher Eintrag in der Datenbank der Redaktion besagt: Heute hätte Albert Schweitzer Geburtstag. Leider falsch. Geboren wurde Schweitzer am 14. Januar 1875. Januar also, nicht September. Schade. Denn dann hätte der heutige „Auch-das-noch“-Text von Schweitzer handeln können. Aber warum eigentlich nicht? Ist die Botschaft, die der Friedensnobelpreisträger hinterlassen hat, nicht in Wahrheit zeitlos? Ganz sicher passt sie zu jedem Tag, nicht nur zu seinem Geburtstag. Also dann: Lassen Sie sich in den folgenden Minuten an Albert Schweitzer erinnern.

Im Elsass wurde er geboren, wie Sie ja nun schon gelesen haben am 14. Januar 1875. Dass eines Tages Straßen und Plätze, Sportturniere und Tierschutzorganisationen und allein in Deutschland weit über 100 Schulen nach ihm benannt würden – Schweitzer hätte das selbst nie für möglich gehalten. Angestrebt hat er das ohnehin nie. Aber es gibt genug Gründe dafür, diesen Mann nicht zu vergessen.

Als Urwaldarzt in Afrika

Theologie, Philosophie und Musikwissenschaften studiert der Sohn einer Pfarrerfamilie – gleichzeitig! Und beendet dann schlagartig seine mögliche Karriere, weil er beschließt, dann doch lieber als Arzt in die Tropen zu gehen. Als Missionsarzt, wie er selbst sagt. Also studiert er Medizin, behält aber sein philosophisch-theologisches Denken und seine Liebe zur Musik bei. Nach Examen und praktischem Klinikjahr bricht er 1913 auf. Bewahrheitet sich bei ihm der – leicht veränderte – Satz, der Pablo Picasso zugeschrieben wird: „Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau“? Vielleicht. Denn als Schweitzer in die Tropen aufbricht, hat er ein Tropenklavier im Gepäck, 70 Kisten, in die er all das packt, was er in seinem künftigen Urwaldhospital zu brauchen glaubt.

“Im Gepäck“: Helene

Und vor allem seine Frau Helene. Mit ihr arbeitet er in Lambaréné, heute eine Stadt in Gabun, damals französische Kolonie. Unter schwierigsten Bedingungen behandelt Schweitzer Leprakranke, versorgt seine Patienten gegen Malaria und Schlafkrankheit und führt Operationen jeglicher Art durch. Die Familien der Patienten finden im direkten Umfeld der Klinik eine Unterkunft. Und um zahlreiche Tiere, die als Findlinge einmal in die Station kommen, kümmern sich Schweitzer und seine Frau genauso aufopfernd wie um ihre menschlichen Patienten.

Albert-Schweitzer Kinderdörfer

Was er fernab der Heimat vorlebt, wofür er schon zu Lebzeiten geschätzt und bewundert wird, findet in Europa Nachahmung: Als eine von vielen Folgen des Zweiten Weltkriegs war die Zahl der Waisen dramatisch in die Höhe geschnellt. Noch bevor der Krieg endgültig zu Ende ist, entstehen in der Schweiz, in Österreich und in Deutschland Einrichtungen, die sich der verwaisten und verlassenen Kinder und Jugendlichen annehmen. Wie Helene und Albert Schweitzer sind es immer wieder Paare, die quasi als Ersatzeltern die Betreuung der Hilfsbedürftigen übernehmen. Konsequent machen viele dieser Einrichtungen schon durch ihre Namensgebung deutlich, wer

Vorbild für diese Institutionen ist, und nennen sich Albert-Schweitzer-Kinderdorf. Für das erste Kinderdorf in Deutschland mit seinem Namen übernimmt der Arzt höchstpersönlich die Patenschaft.
Leben leben inmitten von Leben

Unglaublich viele Schriften verfasst der Mann, die allesamt belegen: Bei allem, was er ganz praktisch tut, bleibt Schweitzer ein Philosoph. „Wer glaubt ein Christ zu sein, nur weil er die Kirche besucht, der irrt. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in eine Garage geht“, stellt er treffend fest. Und: „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“ Ein schwieriger Satz! Einer, auf dem man herumkauen muss, um ihn in seiner ganzen Tiefe zu verstehen. Deshalb gleich noch einmal: „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“ Ein Satz, der wie viele andere deutlich macht: Albert Schweitzer begreift sich als Teil der Schöpfung Gottes. Und weil wir alle aus Schweitzers Sicht Kinder Gottes sind, kommt es darauf an, für den Anderen da zu sein, ihm zu helfen, wann immer er Hilfe braucht. Der Umgang von uns Menschen miteinander entscheidet darüber, ob wir uns unserem Menschsein würdig erweisen oder nicht. Noch so ein Satz zum drauf Herumkauen. Nicht von Schweitzer, aber ganz sicher in seinem Sinne.

Vorbild bis heute

Wer mit offenen Augen in die Welt schaut, bekommt zwangsläufig mit: Not und Leid in der Welt sind seit Albert Schweitzers Zeiten nicht weniger geworden. Eher das Gegenteil. Als Rädchen im großen Getriebe, als Otto Normalverbraucher kann man eigentlich vor dem Leid auf der Welt nur kapitulieren. Vor allem: Niemand ist in der Lage, die ganze Welt zu retten. Aber jeder hat die Möglichkeit, in seinem, vielleicht kleinen Bereich an der Rettung der Welt mitzuwirken. So wie Albert Schweitzer im afrikanischen Lambaréné – eine Arbeit, die weit über sein Urwaldkrankenhaus hinaus gewirkt hat und bis heute wirkt. Ganz sicher kannte er das afrikanische Sprichwort: „Man kann Weinenden nicht die Tränen abwischen, ohne selbst nasse Hände zu bekommen.“ Das ist der Preis, den Albert Schweitzer bereit war zu zahlen. Deshalb ist er bis heute ein Vorbild, an das man hin und wieder erinnern darf. Auch dann, wenn heute überhaupt nicht sein Geburtstag ist.

Momentaufnahmen, kurze Episoden in den Medien, flüchtige Eindrücke – und alles rauscht einfach vorbei? „Auch das noch“ zeigt die Skripte (leicht überarbeiteter) Rundfunkbeiträge aus dem öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Manche wurden sogar speziell für Heaven On Air geschrieben. Frei nach dem Motto: einfach mal einen Moment innehalten.

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