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Friedhof siegt über Golfplatz – Oder: Geld bestimmt nicht immer die Welt (19. September)

Geld regiert die Welt! Ein uralter Spruch, der sagen soll: Wer die entsprechenden Finanzen hat, bestimmt, wo es lang geht. Und: Viele Entscheidungen werden nach rein wirtschaftlichen Erwägungen beschlossen. Leider. Denn oft genug bleiben dabei die einfachen Menschen und ihre Interessen auf der Strecke.

Golfplatz für Touristen

Oft genug aber auch lohnt es sich, sich gegen pure Finanzinteressen zur Wehr zu setzen. Ein schönes Beispiel findet sich vor einer ganzen Reihe von Jahren nordöstlich der kanadischen Stadt Montreal. Dort wollte die Gemeindeverwaltung von Oka einen Golfplatz erweitern. Denn gut ausgebaute Golfplätze locken wohlhabende Touristen auch in die entlegensten Gegenden. Auch in den Nordosten Kanadas, so die Hoffnung.
Nur hatte die Gemeindeverwaltung die Rechnung ohne die ortsansässigen Mohawk-Indianer gemacht. Dies sind Nachfahren der Ureinwohner Kanadas, die – wie die Aborigines in Australien oder die unterschiedlichen Indianerstämme in den USA – keineswegs so gleichberechtigt in ihrer jeweiligen Gesellschaft sind, wie sie es gerne hätten. Diese Mohawk-Indianer also besetzten in einer Nacht- und Nebelaktion das für den Golfplatz auserkorene Gelände. Denn bei ihm handelte es sich um einen alten Indianerfriedhof – für die Mohawks ein heiliger Ort. Den mit einem Golfplatz zu überbauen – für die Mohawks ein absolutes Sakrileg.

Besetzung und Zwangsräumung

Natürlich lässt sich kein Staat der Welt eine illegale Besetzung seines Territoriums gefallen. Schließlich muss recht bleiben, was rechtens ist. Konsequent begannen also Polizeieinheiten mit der Räumung des Friedhofs – der Hambacher Forst lässt grüßen. Drei Wochen dauerte das Spektakel. Dann standen die Zeichen für die Erweiterung des Golfplatzes auf Grün. Allerdings verhandelten Gemeindeverwaltung und Mohawk-Indianer weiter. Ernsthaft und intensiv. Erweitert wurde dann erst sechs Jahre später. Aber nicht der Golfplatz, sondern der Friedhof der Mohawk-Indianer

Die Macht des Staates

Möglich wurde das Ganze, weil der kanadische Staat sich einschaltete, nach

langem Hin und Her der Gemeinde Oka das Land abkaufte und es den Indianern überließ. Ein ganz dickes Kompliment dafür – sowohl für die verhandelnden Vertreter der Regierung, wie auch der Gemeindeverwaltung. Denn die hätte nicht an den Staat verkaufen müssen, hätte nach geltendem Recht ihre Pläne durchziehen können. Kompliment aber auch an die Mohawks. Die ließen sich von ihren Vorstellungen, was heilig ist, nicht abbringen. Und sie hielten bis zum glücklichen Ende an ihren Überzeugungen fest. Friedlich, übrigens!
Vorbildlich

Aufeinander hören, gemeinsam nach Möglichkeiten suchen und das vor allem ernsthaft, dabei auch durchaus unorthodoxe Wege gehen und vor allem aber nicht immer dem größten Profit folgen – das macht nicht nur das Leben menschlicher. Sondern es ist generell ein gutes Beispiel für Konfliktlösungen!

Momentaufnahmen, kurze Episoden in den Medien, flüchtige Eindrücke – und alles rauscht einfach vorbei? „Auch das noch“ zeigt die Skripte (leicht überarbeiteter) Rundfunkbeiträge aus dem öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Manche wurden sogar speziell für Heaven On Air geschrieben. Frei nach dem Motto: einfach mal einen Moment innehalten.

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