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Was Francis Rossi (Status Quo) und Franz von Assisi miteinander zu tun haben (4. Oktober)

Nein, für den Sänger, Gitarristen und letztlich Kopf der Band Status Quo, Mr. Francis Dominic Nicholas Michael Rossi, gilt das nicht. Aber früher, in frommen Zeiten, war das so üblich: Wurde ein Kind geboren, schauten die Eltern in den Namenstagkalender, stellten zum Beispiel für den heutigen Tag fest: aha, Franz von Assisi, und schon wurde das Neugeborene auf den Namen Franz getauft. Wenn es ein Mädchen war zum Beispiel auf Franziska. Und dann hofften sie inständig, dass sich die guten Eigenschaften der oder des Heiligen auf ihren Nachwuchs übertragen würden. So einfach war das früher.

Francis Rossi, 24. Mai

Am Geburtstag von Francis Rossi, dem 24. Mai, nennt der katholische Heiligenkalender Dagmar, Esther, Johanna, Judith und Sophia als Heilige, die natürlich – „Es ist ein Junge!“ – für Francis nicht als Namensgeber in Frage kamen. Mit Schrecken bemerke ich beim Blick in den Heiligenkalender, dass dort für Rossis Geburtstag auch ein Franz Wendelin aufgelistet ist. Theoretisch hätte der spätere Musiker also von ihm seinen Namen erhalten können. Ich tröste Sie und mich damit, dass dieser Franz ein Österreicher war, der vermutlich gar nicht im englischen Heiligenkalender vorkommt und deshalb als Namensgeber von Francis Rossi ausfällt. Na, hoffentlich schieße ich mir damit kein Eigentor…

Vornamen wegen Franz von Assisi

Was aber ganz sicher stimmt: Francis Rossi erhielt seinen Vornamen, weil seine Mutter, eine fromme Irin, den Heiligen Franz von Assisi als großartigen Heiligen verehrte. Und der hat nun mal am heutigen 4. Oktober Namenstag. Also: Nicht der Tagesheilige wird zum Namensgeber, aber ein Heiliger soll für Francis zum Vorbild werden, so die Eltern wohl seinerzeit.

Der heilige Franz: Jugend

Was ja auch ganz gut geklappt hat. Wobei wir dazu erst einmal in die Geschichte des Franz von Assisi hineinschauen müssen. Der wird 1181 oder 1182 Giovanni Bernardone geboren. Der Vater ist Tuchhändler und somit stinkreich. Die Mutter hat nichts Besseres im Sinn, als das kleine Kerlchen zu verziehen. Was Papa dazu veranlasste, den Sohnemann „kleinen Franzosen“ zu bezeichnen. „Francesco“, wie die Italiener damals sagten. Und weil man die Menschen damals eher nach ihrem Herkunftsort als nach ihrem Familiennamen benannte, wurde später aus Giovanni Bernardone niemand anderes als Franz von Assisi. Also der Franz aus diesem Städtchen mitten in Italien. Da wussten die Menschen damals tatsächlich sofort, wer gemeint war. Na ja, wir heute ja auch…

Gefangenschaft und „Planänderung“

Wie auch immer: Francesco wurde standesgemäß zum jungen Ritter ausgebildet, liebte Wein, Weib und Gesang, wie man später sagte, und zog in den Krieg. Da hatte er das große Glück, schon bei seinem ersten militärischen Einsatz gefangengenommen statt umgebracht zu werden. Allerdings war die darauffolgende Kerkerhaft ganz sicher nicht das, was der „Junge aus gutem Hause“ sich vom Leben erhofft hatte. Und wie das nun mal so ist, wenn man viel Zeit zum Nachdenken hat: Der reiche Kaufmannssohn kam zu der Erkenntnis, dass er in Zukunft die Finger vom Schwert lassen wollte. Stattdessen wollte er lieber ein „Ritter Gottes“ werden. Spontan verzichtete er auf sein Erbe und wollte das unter die Armen verteilen.

Enterbt

Was wiederum den Herrn Papa auf den Plan rief: Dem, stocksauer, war klar, dass auf diese Weise das schöne, liebe Geld unwiederbringlich verloren war, dass er aber möglicherweise trotzdem in Zukunft seinen Nachwuchs am Hals haben würde. Und dass der die Firmenideologie vermutlich gewaltig durcheinanderbringen würde. Also beschloss der Herr Papa, seinen Sohn

zu enterben. Was wiederum Franziskus dazu veranlasste, sich von seinem Vater loszusagen. Einer Legende zufolge zog er sich seine standesgemäßen Designerklamotten aus und warf sie seinem alten Herrn vor die Füße – ein unglaublicher Affront für die damalige Zeit. Dieses Tischtuch war wohl ein für alle Mal zerschnitten.
Poverello

Den Rest erledigen wir im Eiltempo: Francesco konnte natürlich nicht mehr in Assisi bleiben, suchte sich ein paar Gleichgesinnte, viele von ihnen ebenfalls „Aussteiger“ aus reichen Familien wie er selbst. Die jungen Leute beschlossen, in absoluter Armut und ohne jeglichen Besitz zu leben. Kurzerhand nannten sie sich „Ärmste der Armen“ oder, weil das im alten Italienischen viel schöner klingt, als „Poverello“. Gemeinsam zog die Gruppe durchs Land, hielt den Menschen den Spiegel vor und predigten ein einfaches Leben ohne Reichtümer, dafür aber mit einem großen Platz im Herzen für den lieben Gott. Weil sie letztlich ihren Lebensunterhalt erbettelten, nannten sie sich ganz unterwürfig „die Minderen“, auf Latein „Minores“.

ordo fratrum minorum

Da Politik und Religion seinerzeit noch mehr als heute miteinander verschlungen waren, war dies eine Lebenshaltung, die auch dem Papst gefiel: Wer nichts hatte, konnte wohl kaum an den Grundfesten der Kirche rütteln. Und keinesfalls der päpstlichen Macht gefährlich werden. Aber er konnte die Schäfchen prima zusammentreiben. Also gab der Papst im Jahr 1210 der jungen Gemeinschaft. Somit war ein offizieller Bettelorden geboren. Den gibt es bis heute. Falls Sie also einmal jemandem begegnen, der seinem Namen ein kleines „ofm“ hinzufügt, kann es zwar theoretisch sein, dass Sie einem Fan des OnlineFootball Managers gegenüberstehen. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass Sie einen Franziskaner kennengelernt haben. Die fügen ihrem Namen nämlich den Zusatz „ordo fratrum minorum“, also „Orden der minderen Brüder“ hinzu, kurz ofm.

Kirche und weiblicher Ordensableger

Quasi aus dem Nichts und mit bloßen Händen bauten Francesco und seine Mitstreiter eine Kirche auf. Die war schon zur damaligen Zeit so winzig, dass sie es selbst „Protiuncula“, „kleines Teilchen“ nannten. Offiziell hieß sie „Santa Maria degli Angeli“, also „Maria von den Engeln“, was ja nun auch weitaus hübscher klingt. Hier entstand quasi die Keimzelle des Ordens, der immer größer und bekannter wurde. So bekannt, dass sich auch junge Frauen für ein Leben in Armut entschieden. Also gründete Francesco zusammen mit seiner Jugendfreundin Clara – auch aus Assisi – den späteren Klarissen-Orden, also den weiblichen Zweig.

“Erfinder“ der Weihnachtskrippe

Zwei Dinge sind noch bemerkenswert: Wenn Francesco predigte, pilgerten Menschen aus den Städten hin zu ihm. Höhlen, die als Ställe für Tiere dienten, waren bei schlechtem und kaltem Wetter ein idealer Ort für solche Predigten. Irgendwann einmal soll Francesco in einer Höhle Gottes Wort verkündet haben, ohne vorher die Tiere hinauszujagen. Was damals mehr oder weniger zufällig begann, trat zu einem Siegeszug rund um die Welt an: Zur Weihnachtszeit ein Stall mit Jesus, Maria und Joseph, ein paar Schafe, Ochs und Esel, und natürlich die Hirten, quasi so etwas wie ehrfürchtige Schaulustige. Dazwischen ein paar Engel – und ab dem 6. Januar noch drei weise Männer, die Heiligen Drei Könige. Oder anders formuliert: Franz von Assisi gilt als „Erfinder“ unserer Weihnachtskrippe.

Mit den Tieren sprechen

Das Zweite: Franz von Assisi betrachtete Sonne, Mond und Sterne genauso als Geschöpfe Gottes wie uns Menschen. Sein „Sonnengesang“, ein sehr schönes Gedicht, zeugt von dieser Haltung. In Sachen Tier war er übrigens seiner Zeit weit voraus: Die stehen nämlich nach seiner Vorstellung auf derselben Stufe wie Menschen – wunderbar ausgedrückt in einer Legende, in der Franz von Assisi mit den Vögeln um die Wette zwitschert. Oder so ähnlich.

Schon Heiliger, ohne heiliggesprochen zu sein

Wenn man so will, dann war Francesco für seine Zeit so etwas wie ein Popstar. Auf seinem Sterbelager musste man ihn bewachen, weil nämlich clevere Händler darauf aus waren, irgendwelche Überreste, so genannte Reliquien, zu ergattern und gewinnbringend zu verkaufen. Denn Francesco galt schon zu Lebzeiten als Heiliger. Offiziell heiliggesprochen wurde er bereits zwei Jahre nach seinem Tod, also im Jahr 1228. Um den Heiligen entwickelte sich nach seinem Tod bald ein Kult, der sich später in kürzester Zeit über das gesamte Abendland ausbreitete. Franz von Assis ist Hauptpatron Italiens, Patron der Diözese Basel, der Armen, der Kaufleute, Flachshändler, Weber, Schneider, Tuchhändler, neuerdings aber auch der Sozialarbeiter und des Umweltschutzes. Und seit ein paar Jahren benennt sich ja sogar erstmals ein Papst nach diesem Heiligen.

Rossi: Rückgrat zeigen – wie Franziskus

Was das mit Francis Rossi zu tun hat? Na ja, nicht gar so viel. Vielleicht wird so ein Schuh draus: Obwohl man seinen Status Quo fälschlicherweise (!) nachsagt, mit drei Akkorden und dem immer selben Rhythmus immer neue Songs zu schreiben, ist Rossi standhaft geblieben. Seit 56 Jahren und 34 Alben macht er sein Ding, egal was die Leute auch sagen. Unterstrichen hat das der heute 72jährige, achtfache Großvater in einem seiner neueren Songs („Backbone“): Für ihn ist im Leben besonders wichtig, Rückgrat zu zeigen, nicht klein beizugeben, sich nicht unterkriegen zu lassen. So geht er sogar trotz des Todes seines Freundes und langjährigen Kollegen Rick Parfitt diesen einmal eingeschlagenen Weg weiter. Und selbst wenn er sich mittlerweile als anti-religiös bezeichnet – so ganz wird man den Verdacht doch nicht los, dass seine katholische Sozialisation und sein Vorbild im Namen irgendwie ein bisschen beeinflussen. Zumindest was seine Ausdauer, sein Durchhaltevermögen und seine Energie anbelangt.

Momentaufnahmen, kurze Episoden in den Medien, flüchtige Eindrücke – und alles rauscht einfach vorbei? „Auch das noch“ zeigt die Skripte (leicht überarbeiteter) Rundfunkbeiträge aus dem öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Manche wurden sogar speziell für Heaven On Air geschrieben. Frei nach dem Motto: einfach mal einen Moment innehalten.

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