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Mach mal halblang. Weniger Stress im Straßenverkehr (9. Oktober)

Sie kennen das: Wegen dieser läppischen Bodenwellen, wegen jener etwas engeren Kurve steht ein Schreckgespenst am Straßenrand: weiß, mit rotem Kranz, in der Mitte eine schwarze Zahl: 80, 70 oder vielleicht sogar nur 50, je nach Situation. Schneller dürfen Sie hier nicht fahren! Und nun fahren Sie schon, fast vorbildlich, nur

Wozu Verkehrsregeln?

zehn oder vielleicht 13 ½ Kilometer schneller. Aber trotzdem fährt dieser Idiot hinter Ihnen bis in Ihren Kofferraum hinein, so dass Sie das hektische Blinken seiner Scheinwerfer nur noch erahnen können. So nah ist er aufgefahren. Und bei der nächstbesten Gelegenheit rauscht er an Ihnen vorbei. Hupt sogar noch höhnisch: „Hältst du dich etwa noch an Verkehrsregeln oder fährst du schon, hup hup!“

Die durchgezogene Linie, die eigentlich ein Überholverbot signalisiert, erstarrt zur Bedeutungslosigkeit. Und dann kommt dieses Gefühl der Wut, des Hasses und sonstiger schlechter Gefühle in Ihnen hoch: Jetzt, jetzt müsste am Straßenrand, fein verdeckt, wie bei der Bundeswehr mit Grünzeug getarnt, jetzt müsste da eine Radarfalle stehen.

Mal wieder kein Blitzer

Steht aber nicht. Aber klar, wenn Sie selbst mal nicht ganz astrein fahren, dann… Nur wenn andere bedrängen und gefährden, dann ist das elektronische Auge des Gesetzes weit, weit weg und sieht die Gefährdung nicht. Das Leben ist so gemein. Und wird immer gefährlicher, vor allem im Straßenverkehr. Die alltägliche Situation auf unseren Straßen wird immer ärger, immer bedrohlicher – trotz einer Abnahme der Todesfälle. Diejenigen, die zu viel Formel 1 im Fernsehen gucken und dann nicht mehr realisieren können, dass sie weder Lewis Hamilton noch Max Verstappen oder Fernando Alonso sind, dass sie weder in Imola noch in Portimao oder auf einer anderen Rennstrecke unterwegs sind, diejenigen scheinen immer mehr zu werden. Klarer Fall von Realitätsverlust eben. Zumindest bei dem einen oder anderen. Längst appellieren Automobilclubs und Politiker an die Einsicht der Verkehrsteilnehmer. Und mit welchem Erfolg? „Hup hup!!!“ Ein Vorbild für Kinder? So ganz sicher nicht!

Schon immer Gefahren unterwegs

Nun gehöre ich ganz sicher nicht zu den Menschen, die sagen: Früher war alles besser! Aus dem banalen Grund, weil früher eben nur sehr wenig besser war. Zumindest wenn ich auf die einfachen, so genannten kleinen Leute blicke. Ist schon klar: Natürlich gab es da auch noch keine Autos. Aber bedroht und gefährdet war man auf den Straßen auch. Von Weggelagern und Räubern. Die kannte man sogar schon in der Bibel. Ein schlimmes Pflaster war da wohl die Straße nach Jericho. Wenn man erst einmal halbtot geprügelt und ausgeraubt in der Wüstenhitze liegt, ist die Rush-Hour natürlich vorbei. Kein Aas kommt mehr. Und die, die gelegentlich vorbeikommen, die halten nicht an.

Weggelagerer und Räuber

Die haben ganz andere Dinge im Kopf. Und den Kopf lieber im Himmel statt bei den Menschen auf der Erde, so die Bibel. Geht gar nicht, sagt Jesus. Und lässt in seiner Beispielerzählung einen Typen vorbeikommen und helfen, der

damals als Außenseiter galt, als Außenseiter der Gesellschaft. Ausgerechnet der hält an und hilft. Gut gemacht, sagt Jesus. Und beschämt all diejenigen, die es brandeilig hatten, die sich und ihre eigenen Interessen höher einstuften als jemanden, der Hilfe braucht.

Nun will ich nicht unbedingt sagen, dass Raser, Drängler und notorische Übertreter von Vorschriften auch unbedingt Hilfe brauchen. Obwohl das ja auch mal ein Gedanke wäre, den man weiter verfolgen könnte… Nein, ich möchte andere Rückschlüsse aus dem alten Bibeltext ziehen.

Einfach mal rücksichtsvoller

Wie wäre es mit diesen hier: Einfach mal langsamer gehen lassen, damit andere sich zum Beispiel einfädeln und dadurch weiter können. Rücksicht nehmen, nicht ausrasten, wenn einer mal einen Fehler macht – was mir besonders schwerfällt. Angeblich fluche ich ja beim Autofahren immer wie ein Kesselflicker. Über die anderen, ist klar, oder? Nicht drängeln! Auch wenn ich närrisch werden kann, sobald jemand mit 60 vor mir herzuckelt, obwohl die Geschwindigkeitsbegrenzung bei 90 liegt. „Fahr endlich zu oder bieg wenigstens ab!“ Ein folgerichtiger Wunsch! Aber in Wirklichkeit kommt es doch auf die wenigen Sekunden, die ich real verliere, wirklich nicht an. Schließlich fahre ich keinen Rettungswagen, habe weder Blaulicht noch eine Sirene an meinem Auto. In dem Fall wäre es sicher etwas anderes…
Und, ja, ich kann auch ein paar Sekunden länger hinter dem Radfahrer bleiben, anstatt ihn beinahe in den Graben zu drängen, nur weil mir von vorn schon wieder einer entgegenkommt.

Nicht immer! Aber immer öfter!

Falls Sie es also schaffen, mal halblang zu machen und es im Straßenverkehr etwas ruhiger angehen zu lassen: Glückwunsch! Klopfen Sie sich selbst auf die Schulter! Ich arbeite noch dran. Und werde langsam beim Autofahren gelassener. So wie eine uralte Werbung für Bier einmal sagte: „Nicht immer. Aber immer öfter!“ Dass es alkoholfreies Bier war, versteht sich von selbst, oder?

Momentaufnahmen, kurze Episoden in den Medien, flüchtige Eindrücke – und alles rauscht einfach vorbei? „Auch das noch“ zeigt die Skripte (leicht überarbeiteter) Rundfunkbeiträge aus dem öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Manche wurden sogar speziell für Heaven On Air geschrieben. Frei nach dem Motto: einfach mal einen Moment innehalten.

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