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Wie war dein Tag? Geteiltes Leid ist halbes Leid (18. Oktober)

Manchem mag es langweilig erscheinen, aber ich liebe es: Wenn ich nach Hause komme, höre ich jeden Tag dieselbe Frage: „Wie war dein Tag?“ Natürlich wechselt die Formulierung, ist jeden Tag etwas anders. Aber inhaltlich ist es immer die Frage nach dem, was mich im Laufe des Tages bewegt hat. Gab es Stress in der Redaktion? Musste mal wieder in letzter Sekunde alles umgeworfen werden? Ist mal wieder jemand ausgerastet? Was ist mit unserer Planung am Wochenende? Bleibt die bestehen oder muss ich für jemanden einspringen? Vor allem aber: Wie bin ich im Laufe des Tages klargekommen, mit welchen emotionalen Belastungen hat mich der Arbeitsalltag konfrontiert? Und bin ich nun in der Lage, mich auf den Feierabend zu freuen oder brauche ich erst einmal ein bisschen Zeit, um mit mir selbst klarzukommen?

Kleines Feierabendritual

Andersherum ist es natürlich genauso: Bin ich eher zu Hause als mein Freund, stelle ich ihm diese Fragen. Der erste, der nach Hause kommt, bereitet das Abendessen vor. Er kann schon ein bisschen runterfahren, quasi mit Kopf und Bauch zu Hause ankommen. Und er ist es auch, der deshalb die Frage nach dem Befinden des jeweils anderen zuerst stellt. Der fragt: „Wie war dein Tag?“ Ein Ritual, das ich von meinen Eltern übernommen habe. Dass ihnen geholfen hat, gut miteinander umzugehen. Und das auch mich und meinen Freund vor falschen Erwartungen mit Blick auf den gemeinsamen Feierabend schützt.

Geteilte Freude ist doppelte Freude

„Auf die Dauer langweilig“, meinten einmal ein paar Freunde, denen wir von unserem „Feierabend-Ritual“ erzählten. Mag sein, dass andere das so empfinden. Mein Freund und ich tun das nicht. Denn die Frage ist immer ernst gemeint. Sie signalisiert: Ich bin an dem interessiert, was dir heute passiert ist. Waren es gute Erlebnisse, will ich mich mit dir freuen. Waren es

schlechte Erlebnisse, lass uns darüber sprechen. Das hilft beim Verarbeiten. Und es hilft, Auswege aus schwierigen Situationen zu finden. So wie unsere Vorfahren schon immer gewusst haben: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Oder eben auch: Geteilte Freude ist doppelte Freude.
Beistehen

Dahinter steckt sicherlich auch der tiefe Wunsch, angenommen zu werden und sich geborgen zu fühlen. Genau zu wissen: Dieser Tag kann mir abverlangen was er will – es ist nie mehr als ich ertragen kann. Denn wenn es mir tatsächlich zu viel wird, weiß ich: Abends ist einer da, dem ich ein Stück von meiner Belastung, von meiner Last abgeben kann. Einer, der mich trägt, der mich stützt, der mir mit Rat und Tag zur Seite steht. Jemand, der mit mir gemeinsam darüber nachdenkt, was die nächsten Schritte sein können, um ein Problem zu lösen. Einer, der für das, was mir unerträglich erscheinen könnte, ein Ohr hat und es allein dadurch schon erträglich werden lässt.

Wie war dein Tag? Danke für die Nachfrage. Allein die Frage macht schon vieles besser.

Momentaufnahmen, kurze Episoden in den Medien, flüchtige Eindrücke – und alles rauscht einfach vorbei? „Auch das noch“ zeigt die Skripte (leicht überarbeiteter) Rundfunkbeiträge aus dem öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Manche wurden sogar speziell für Heaven On Air geschrieben. Frei nach dem Motto: einfach mal einen Moment innehalten.

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