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Halloween – ein Totenkult als Partyspaß (31. Oktober)

Heute Abend sind die Geister wieder los. Kinder – und Jugendliche ziehen verkleidet als Vampir, Gespenst oder wandelnde Leiche um die Häuser und fordern lauthals: Süßes oder Saures. Denn heute ist das Gruselfest: Halloween.

Mottogebundener Maskenball

Karneval in der Nacht vom letzten Oktober auf den 1. November: Wenn man wollte, könnte man das Gruselfest Halloween auch als mottogebundenen Maskenball bezeichnen. Während vor allem Kinder in den Abendstunden Süßigkeiten erbetteln, verkleiden sich auch Erwachsene und feiern ausgelassene „Beiß mich Partys“. Da gibt es abgedunkelte Räume, die mit Spinnweben „geschmückt“ sind, als originelle Deko ein paar Plastikknochen im Regal haben, den einen oder anderen Totenschädel, der zu bestimmten Anlässen gewichtig zu nicken beginnt oder ein gar schreckliches „Uaaaaaaaaahhhhh“ ausstößt. Und klar, falls es – gern auch vorgezogen – eine Mitternachtssuppe geben sollte, sind die Nudeln darin natürlich dunkel gefärbt.

Stilecht: Vampirbiss-Tattoo

Alles ein wenig mit Schwarzlicht gespenstisch ausgeleuchtet. Da soll man sich erschrecken und fürchten. Auch wenn man weiß, dass der Vampirbiss am Hals ein Tattoo ist, das am nächsten Morgen wieder verschwindet. Und dass die auf die Pappbecher aufgedruckten Totenköpft nun einmal nichts anderes sind als Totenköpfe, die auf Pappbechern aufgedruckt sind. Und keine Sorge: Die riesigen Spinnen, die an etwas überdimensionierten Spinnenfäden von der Decke baumeln, sind genauso aus Kunststoff wie die Fledermäuse, die es sich um die Wohnzimmerlampe herum gemütlich gemacht haben. Hauptsache, die „Dance of the Dead-Party“ findet stilecht statt!

Totentanz des Mittelalters

Der Begriff „Totentanz“ findet sich bereits im Mittelalter. Dabei handelt es sich um bildliche Darstellungen, die die Beziehung der Menschen zum Tod darstellen – kein Wunder, vergegenwärtigt man sich, dass der Tod durch die verschiedenen Pestwellen in ganz Europa allgegenwärtig war. Jeder ist vom Tod betroffen, mit jedem spielt Gevatter Hein seine Spielchen, so die Botschaft, die von den zumeist allegorischen Darstellungen ausgeht. In einer Zeit, in der die wenigsten Menschen lesen konnten, übernahmen die Bilder die Hauptfunktion der Wissensvermittlung. So gibt es Totentanzdarstellungen, die bis zu 80 Metern lang sind – unglaublich! Allerdings wäre es ein Trugschluss zu glauben, dass der Text eine untergeordnete Rolle spielte. Obwohl ihn nicht alle erfassen konnten, war er wichtig. Schließlich enthielt er die eigentliche Predigt – vielfach in Versform.

Untote finden keine Ruhe

Im Mittelalter herrschte die Auffassung vor, dass die Verstorbenen nach dem Tod keine Ruhe fänden. Die Qualen des Fegefeuers zwingen sie dazu, um Mitternacht aus ihren Gräbern zu steigen. So irren sie auf dem Friedhof umher, brechen das, was wir im allgemeinen als Grabesruhe bezeichnen. Auf den Gräbern tanzen sie zum Geigenspiel ihren schaurigen Reigen und setzen alles daran. Lebende zum Mitmachen zu verführen. Die, die dies tatsächlich tun, verlieren ihr Leben. Entweder sofort oder kurze Zeit später.

Mahnung für die Lebenden

Was wie eine Hinterlist und Gemeinheit des Todes aussieht, ist stattdessen mahnend gemeint: Der lebende Mensch soll sich vergegenwärtigen, dass er ein sündiger Mensch ist. Der Totentanz soll ihn aus seiner scheinbaren Sicherheit des Alltags aufwecken, ihm eindringlich verdeutlichen, wie wichtig es ist, ein „anständiges Leben“ zu führen. Und gleichzeitig ist es eine Mahnung, sich auf den eigenen Tod vorzubereiten, „geläutert“ sein Leben zu beenden. Denn wer will schon nach seinem Tod über die Gräber irren und vor lauter Fegefeuerqual tanzen müssen, weil der Weg ins Himmelreich verschlossen ist? Kein Wunder, dass sich die Menschen des Mittelalters vor einem fürchteten: vor dem überraschenden, plötzlichen Tod.

Noch älter: Keltische Ursprünge

Diese mittelalterlichen Vorstellungen haben allerdings einen noch älteren Ursprung. Und der führt uns zurück zu den alten Kelten. Dass nämlich Halloween ausgerechnet in der Nacht vom letzten Oktober auf den ersten November gefeiert wird, haben wir den alten Kelten zu verdanken – ebenso übrigens auch den Namen „Halloween“. Denn genau am Vorabend des 1. Novembers feierten die alten Kelten das Ende des Sommers. Am Beginn des Winters markierte bei den Kelten den Beginn eines neuen Jahres, war also Neujahrsfest und zugleich Erntefest. Vor allem aber, so glaubten die

Kelten, gewährte dieser Tag eine gewisse Durchlässigkeit zur Unterwelt: Deren Tore standen nach keltischer Vorstellung in der Nacht zum 1. November offen.
All Hallows Eve – Vorabend der Heiligen

All Hallows Eve, den Vorabend aller Heiligen nannten die irischen Kelten dieses Fest – als Verballhornung wurde daraus im Laufe der Jahrhunderte Halloween. Allerdings ein Fest, dass eher an Unheilige als denn an Heilige erinnerte: Die Toten würde die geöffneten Tore der Unterwelt dazu nutzen, um sich an den Lebenden zu rächen – wofür auch immer. Um dem zu entgehen, war es das Einfachste – und damit kommen wir zum Maskenball unserer Tage – sich wie Untote zu verkleiden. Die waren wohl nicht clever genug, um diese Täuschung zu bemerken, so dass man als Lebender dank geschickter Maskerade auch Halloween überleben konnte.

Die Legende von Jack oLantern

Es waren übrigens irische Einwanderer, die diese Vorstellungen in die USA brachten. Mit im Gepäck hatten sie auch die Legende von Jack Oldfield. Um diese nicht komplett nachzuerzählen: Jack Oldfield war ein cleverer Trinker, dem es mehrfach gelang, dem Tod ein Schnippchen zu schlagen. Als Jack dann eines Tages alt und grau verstarb, wollte man ihn weder im Himmel, noch in der Hölle haben. Was ihm blieb, war ein Stückchen Kohle. Die packte der untote Jack in eine ausgehöhlte Rübe mit ein paar Löchern drin – fertig war die handgeschnitzte Laterne, die Jack bei seinen nächtlichen Wanderungen Licht spendete.

Aus Rübe wird Kürbis

Weil unsere Freunde jenseits des großen Teichs nur wenig Rüben hatten, stattdessen aber Pumpkins, also Kürbisse, veränderte sich die Geschichte vom Laternen-Jack, dem Jack oLantern, in einen Kürbismann. Verschmolzen mit den alten irisch-keltischen Vorstellungen von den Gefahren am „Tag der geöffneten Unterwelt“ wurde daraus das, was wir heute als Halloween kennen… ein keltisches Fest, das wir über den Umweg der USA zu uns importierten.

Nicht vergessen: Süßes für die Kinder

Wenn Sie also heute Abend Halloween feiern, dann denken Sie auch angesichts von Gummispinnen und vorgetäuschten Vampirbissen am besten an den bekannten US-Regisseur und Drehbuchautor John Carpenter. Der behauptete nämlich schon vor vielen Jahren, Horror bringe die Menschen näher zusammen. Ob es dazu ein eiskaltes Händchen braucht? Viel Spaß bei Halloween! Gruseln Sie sich schön! Und vergessen Sie bitte die Kinder nicht. Wenn die heute Abend an ihrer Tür stellen, wollen die eine ganze Menge Süßes. Also notfalls noch mal los zur Tanke. Es sei denn, Sie sind ein bisschen masochistisch veranlagt und hoffen heute Abend auf eine ganze Menge Saures!

Momentaufnahmen, kurze Episoden in den Medien, flüchtige Eindrücke – und alles rauscht einfach vorbei? „Auch das noch“ zeigt die Skripte (leicht überarbeiteter) Rundfunkbeiträge aus dem öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Manche wurden sogar speziell für Heaven On Air geschrieben. Frei nach dem Motto: einfach mal einen Moment innehalten.

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