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Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser? GPS in der Unterwäsche (6. November)

Zwickt es Sie manchmal im Unterhemd? Vielleicht auch am BH oder Slip? Selbst gekauft oder geschenkt bekommen? Überlegen Sie gut! Es geht um Ihre Freiheit! Denn vielleicht sind Sie schon längst Opfer – Opfer eines Brasilianers mit einer unglaublichen Idee. Der verkauft nämlich Dessous. Und zwar Dessous mit eingebautem GPS-Sender. Ob Sie dasglauben oder nicht: Das Zeug verkauft sich wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. Denn ein eifersüchtiger Lover kann per Google-Maps sofort feststellen, wo sich seine Angebetete aufhält.

Es lebe die Technik

In Sachen Technik lasse ich mir viel gefallen. Und nicht nur das: Ich liebe Technik – vorausgesetzt, sie funktioniert. Ich bin glücklich, wenn mich das Navigationssystem in meinem alten Möhrchen an Staus vorbei zum Ziel führt, das ich mit der „guten alten Straßenkarte“ nur mit gestiegenem Blutdruck erreicht hätte. Immer ausgerechnet an dem Ort, zu dem ich fahren will, der Knick in der Karte! Immer dieses „anpeilen – einkreisen – zustoßen“. Und während der Fahrt immer wieder der Blick auf die Karte, statt auf den Verkehr. Gut, dass diese Zeiten vorbei sind. Längst heißt es gelassen: „Sie haben ihr Ziel erreicht!“ Meistens jedenfalls.

Kerlchen im Satellit

Und warum das alles? Weil ein winziges Kerlchen in einem Satelliten oben im All sitzt und um die Erde kreist. Dieser Kerl hat mich ständig im Blick, merkt jede Abweichung von der vorgeschlagenen Fahrtroute. Und zack – schlägt er mir vor, wie ich aus dem Schlamassel wieder herauskomme. Der Typ da oben kennt sogar meine Fahrweise: Noch vor Fahrtanritt kennt er meine Ankunftszeit am Zielort. Großartig! Und wenn ich seine Stimme leid geworden bin, wechsele ich einfach auf die Stimme einer Frau. Denn – schließlich haben wir Gleichberechtigung – auch eine Frau sitzt in diesem Satelliten im All und hilft mir beim Navigieren.

Rettungswagen per GPS

Spaß beiseite: Großartig finde ich die Entwicklung, dass über einen Notrufsender quasi automatisch ein Rettungswagen alarmiert wird, wenn jemand nachts irgendwo weit vom Schuss einen Unfall habe und sich selbst nicht mehr helfen kann. GPS macht´s möglich. Deshalb steht für mich fest: Wenn sich eines Tages die Wege von meinem Möhrchen und mir einmal trennen, wird es ein Auto geben, dass über diese Technik verfügt. Ich liebe diese Errungenschaften der Technik!

Nicht auszutricksen

Aber GPS in der Unterwäsche? Ist das eine Art moderner Keuschheitsgürtel? Obwohl die präparierte Unterwäsche ja nichts verhindern würde. Sie wäre allenfalls eine Hilfe, um ein Riesentheater mit Daten zu untermauern. Anschließend! Nachdem das, was erst gar nicht geschehen sollte, dann doch passiert ist.
Zugegeben, so eine präparierte Unterwäsche mag effektiver sein als eine Spionagesoftware auf dem Handy. Für regelmäßige Krimigucker wie mich wäre das manipulierte Handy nämlich kein Problem: Hätte ich etwas vor, von

dem niemand etwas wissen soll, würde ich ohnehin den Akku aus meinem Handy nehmen. Oder das Gerät, quasi zur Täuschung, einfach zu Hause und damit in einer anderen Funkzelle fleißig Anwesenheit vortäuschen lassen. Ein GPS-Sender in meiner Unterwäsche, von dem ich zudem nichts weiß, ließe sich hingegen nicht so leicht austricksen.
Nur zur Überwachung von Frauen

Glücklicherweise hat sich das, was in Brasilien vor ein paar Jahren zum großen Renner wurde, bei uns nicht durchgesetzt. Vielleicht, weil es bei uns dann doch nicht ganz so viele Machos gibt wie in Brasilien? Denn natürlich hatte der Geschäftsmann ausschließlich Damenunterwäsche mit GPS angeboten. Überwachen zu können, wo sich Amantes oder Traidores – heißen Männer, die fremdgehen, auf Portugiesisch so? – herumtreiben, sollte nach seiner Vorstellung natürlich weiterhin im Dunkeln bleiben.

Kontrolle tötet Vertrauen

Was mir aber viel wichtiger ist: Wenn in meiner Beziehung etwas nicht stimmt, wird die auch durch eine satellitengestützte Kontrolle nicht besser. Kontrolle ersetzt kein Vertrauen. Im Gegenteil, Kontrolle missbraucht Vertrauen, ja, sie tötet Vertrauen. Und sie schränkt die Freiheit ein bis hin zur totalen Überwachung. Das aber ist Gift für ein vertrauensvolles Miteinander. Mal abgesehen davon, dass ich ohnehin nur weiß, wo sich mein Herzallerliebster gerade befindet. Was er dort genau tut, weiß ich noch lange nicht.
Obwohl ich das gelegentlich dann doch ganz gerne wissen würde…

Momentaufnahmen, kurze Episoden in den Medien, flüchtige Eindrücke – und alles rauscht einfach vorbei? „Auch das noch“ zeigt die Skripte (leicht überarbeiteter) Rundfunkbeiträge aus dem öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Manche wurden sogar speziell für Heaven On Air geschrieben. Frei nach dem Motto: einfach mal einen Moment innehalten.

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