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Alter Hut, neue Gefahr – Tiere als Krankheitsüberträger. Über die Grenzen der Tierliebe (14. Oktober)

Schon meine Oma hat das gewusst: Tiere gehören in den Stall. Oder in die freie Wildbahn. Für Katzen als Bettwärmer oder Schoßhündchen hatte sie nie etwas übrig. Bei Tierfreunden würde meine Oma einen harten Stand haben. Die Tierfreunde bei ihr aber auch!
„Wasch dir die Finger, wenn du den Hund gestreichelt hast!“ Mir tönt das bis heute in den Ohren. Und als ich es im zarten Kindesalter endlich durchgesetzt hatte, ein Haustier zu haben, war das eine kleine Schildkröte. Ausgerechnet im Beisein meiner Oma schlängelte sich aus deren Hinterteil ein Wurm heraus. Das war es dann. Seitdem haben wir nie wieder ein Haustier gehabt.

Nichts gegen Tierliebe

Bevor jemand auf den falschen Dampfer aufspringt: Ich habe nichts gegen Haustiere, im Gegenteil. Denn es steht außer Frage, dass viele Menschen in Tieren ihren Halt finden. Haustiere tragen entscheidend dazu bei, dass Menschen nicht vereinsamen. Und damit sind Haustiere auch ein Schutz gegen das Altern: Wer sich um jemanden kümmert, der bleibt jung. Aber die Erfahrungen, die Menschen mit Haustieren machten, waren nicht immer beglückend. Auch wenn der Begriff „Haustier“ sich durchaus im Laufe der Jahrhunderte wandelte. Wer zum Beispiel vor zwei-, drei- oder vierhundert Jahren mit Ochs und Esel in ein- und demselben Gebäude lebte, für den waren eben Ochs und Esel auch Haustiere. Weil sie eben im Haus lebten. Das war praktisch. Denn vor allem im Winter trugen die Tiere ihren Teil dazu bei, dass es drinnen deutlich wärmer war als draußen.

Schweinefleisch und der Nahe Osten

Andere Länder – andere Sitten. So stehen Juden und Araber mit dem Schwein sozusagen auf Kriegsfuß. Schweinefleisch ist bei ihnen bis heute verpönt. Clever wie sie waren, stellten nämlich schon ihre Vorfahren vor Jahrtausenden gleichermaßen fest, dass Schweinefleisch krank macht. Nicht etwa, weil man schon damals mit verbotenen Hormonen arbeitete. Sondern weil ein totes, also ein geschlachtetes Schwein die Entstehung von Bakterien und Keimen begünstigt. Klar, damals, ohne Kühlschrank ging das in der Hitze des Orients ruckzuck. Das Schwein war noch nicht ganz ausgeblutet, da konnte sein Fleisch schon für den Menschen eine gefährliche Angelegenheit geworden sein. Um Otto Normalverbraucher zu schützen, wurde vom Verzicht auf Schweinefleisch – sagen wir mal – dringend abgeraten. Damit sich auch jeder daran hielt, wurde ein religiöses Gebot daraus.

Tiefgreifende Erfahrungen

Das war in alten Zeiten, in denen Menschen der Religion noch weitaus verhafteter waren als heute, viel wirksamer als ein von Menschen ausgesprochenes Verbot. Und es ist außerdem doch recht tröstlich und schön, wenn ein Gott sich um die Gesundheit seiner Geschöpfe Sorgen macht, oder? Welche konkreten menschlichen Erfahrungen tatsächlich dahinter standen, dass das Verbot von Schweinefleisch als göttlicher Wille interpretiert wurde, ist nicht überliefert. Klar ist nur: Es müssen ziemlich heftige Erfahrungen gewesen sein. Und selbst wenn die Gründe für dieses Gebot längst entfallen sein mögen – es hat sich bis heute erhalten. Wie das nun mal so ist mit religiösen Geboten.

Überkommene Gebote?

Soll es ja auch bei Katholiken geben: Das Gebot, freitags Fisch zu essen, war eine Demutsgeste: An einem Freitag wurde Christus gekreuzigt; wenigstens da sollte man mal demütig daran denken, dass es nicht jeden Mittag ein Festtagsbraten sein sollte. Fisch, damals ein typisches „arme Leute-essen“, sollte helfen, vom hohen Ross herabzusteigen. Wer allerdings heute frischen Fisch kaufen möchte, merkt schnell, dass dieses religiöse Demutsgebot ziemlich sinnentleert ist. Von „arme Leute-Essen“ kann angesichts der Preise für guten Fisch kaum die Rede sein. Eher ist das Gegenteil der Fall!

“Prolematische Tiere“ in der Bibel

Wenn wir schon beim Stichwort „Religion“ sind, lassen Sie uns einen Blick in die Bibel werfen. Die ist zwar gerade für fromme Leser immer ein Buch, das in vielen Facetten die Erfahrungen von Menschen mit ihrem Gott zeigt. Aber selbst wer die Bibel ohne jegliche religiöse Intention liest, muss eingestehen: Sie ist ein „Ratgeber in allen Lebenslagen“. Das gilt selbst dann, wenn sich

manche Dinge zwei- bis viertausend Jahre später, in einer anderen Region dieser Welt und in einem anderen Kulturkreis erledigt zu haben scheinen. So ist es kaum verwunderlich, dass es auch in der Bibel „problematische Tiere“ gibt.
Schuppenlose Wassertiere und aasfressende Vögel

Schuppenlose Wassertiere und aasfressende Vögel gehören dazu. Sie durften weder gegessen, noch zu kultischen Zwecken verwendet werden. Auch hier sind die Erfahrungen, die zu dieser Erkenntnis geführt haben, unbekannt. Ein Bekannter, der vor ein paar Jahren nach dem „Genuss“ von verdorbenen Muscheln auf der Intensivstation eines Krankenhauses landete, fragt längst nicht mehr nach Details. Er macht mittlerweile schlichtweg einen großen Bogen um „schuppenlose Wassertiere“. Der hat seine persönlichen Erfahrungen gemacht.

“Ungefährliche“ Zoonosen

Ein lieber Freund meiner Eltern, ein Naturheilkundler, behandelte einmal einen Gichtpatienten mit Mitteln gegen die Vogelkrankheit, was auch immer er darunter verstand. Und siehe da: Der Kranke wurde gesund, bekam nie wieder Gichtanfälle. Dahinter steht die Vorstellung, dass jedes Tier seine ganz individuellen Bakterien in sich trägt. In den meisten Fällen können die Menschen nichts anhaben. Manchmal aber eben doch. Sagte der Freund meiner Eltern schon vor Jahren. Zu Zeiten, in denen er von der Schulmedizin wegen des von ihm geglaubten Zusammenhangs zwischen Gicht und der Vogelkrankheit noch schallend ausgelacht worden wäre. Seit Corona allerdings würde wohl niemand mehr lachen. Längst warnt die Schulmedizin vor der wachsenden Gefahr von Zoonosen – also vor den Auswirkungen von Bakterien, die die Grenzen zwischen den Arten überspringen. Und für Menschen lebensgefährlich werden können.

Psychologie und Tiere

Das Verhältnis zu Tieren hat oft auch psychologische Dimensionen: Weil sich manche Naturvölker bei den gejagten und von ihnen erlegten Tieren entschuldigen wollen, setzen sie deren Knochen feierlich bei. Nicht auszuschließen, wenn sich irgendwelche kollektiven Schutzgeister der Tiere sich negativ bemerkbar machen würden. Das ist der Stoff, aus dem unsere Horrorfilme gemacht sind. Ist er wirklich so abwegig? Zumindest waren sich in den Urzeiten der Menschheitsgeschichte die meisten da nicht so sicher.
Vereinzelte Psychologen glauben, die Geschichte von Adam und Eva hätte weniger mit einem verbotenen Apfel als mit der Schlange zu tun. Sie wissen schon: Sodomie! Zugegeben: Da muss man erst mal drauf kommen. Die Durchbrechung der Grenzen der Arten sei in Wahrheit der Grund für die Vertreibung aus dem Paradies. Frei nach dem Motto: Überschreitest du Grenzen, musst du mit den Folgen klarkommen. Eben auch damit, dass es vorbei ist mit Frieden, Freude und Eierkuchen. Wobei mir gerade noch einfällt: Schlangen als Haustiere – auch das soll ja immer mehr zunehmen.
Und der Musiker Max Raabe startete vor Jahren einen Angriff auf die Lachmuskeln, als er nach den schlimmen Erfahrungen mit BSE mit bitterböser Ironie behauptete, Rinderwahn sei ein Racheprogramm der gequälten Kreatur Kuh. Heute sind wir einen Schritt weiter. Wie mir scheint, leider einen Schritt weiter Richtung Abgrund.

Viel Geld für Tierfutter

Ein bisschen nachdenklich macht es, dass in Deutschland pro Jahr allein für Katzen- und Hundefutter rund 800 Millionen Euro über die Ladentheke wandern. Futter für Hamster, Schildkröten, Fische und viele andere Haustiere ist in dieser Summe noch gar nicht enthalten. Eine Menge Geld! Macht aber nichts. Wir haben es ja. Also können wir das Geld auch ausgeben. Auch wenn sich manch Hungernder auf dieser Welt nach den Leckereien sehnt, die in den Dosen für Katzen- und Hundefutter enthalten, für ihn aber unerreichbar sind.

Einnahmen von sechs Staaten

Bleiben wir beim Geld: Wenn Sie die Staatseinnahmen von Vanatu, Gambia, den Komoren, Dominica, Somalia und São Tomé und Príncipe addieren, kommen Sie ungefähr auf dieselbe Summe. Was bedeutet: Wir geben in Deutschland ähnlich viel Geld für Hunde- und Katzenfutter aus, wie die Staaten Nummer 191 bis 196 auf der Skala der ärmsten Staaten der Welt einnehmen. Und für Krankenhäuser, Schulen, Straßen, Wohnungen, Elektrizität und vieles mehr überhaupt zur Verfügung haben. Das kann schon nachdenklich machen.

Tierliebe versus leidende Kreatur

Unsere Tierliebe erstreckt sich leider nur auf wenige Arten. Während wir Waldi und Mietzi vergöttern, zwängen wir Hühner, Kühe und Schweine in enge Boxen, päppeln sie hoch und wollen schnell und preiswert an Fleisch für den Teller kommen. Tier ist eben nicht gleich Tier. Oder? Jeder weiß es: Haie werden wegen ihrer Flossen gejagt, Japans Regierung bezuschusst mit Unsummen die Jagd auf Wale, weil deren Fleisch die hungernde Bevölkerung während des Zweiten Weltkriegs am Leben gehalten hat, Elefanten werden von Wilderern wegen ihres Elfenbeins genauso abgeknallt wie Nashörner, deren Horn angeblich schön fein gemahlen potenzfördernd ist.

Läuft der Umdenkprozess an?

Dass wir Menschen Tierarten rücksichtslos auf ihre Bestandsgrenzen zutreiben und rücksichtslos als Waren benutzen, zeigt nur, dass wir immer noch auf einer ziemlich niedrigen Stufe unserer Entwicklung verharren. Aber ich bin mir sicher: Erst sterben die Arten, dann stirbt die Umwelt. Und mit ihr der Mensch. Die rapide wachsenden Umweltprobleme werden auch hier ein Umdenken mit sich bringen, wie Corona das in Sachen Zoonosen zumindest schon bei den Medizinern getan hat. Ob das alles jedoch für die Menschheit immer angenehm abläuft, wage ich zu bezweifeln. Corona lässt grüßen!

Gesucht: neues Verhältnis zwischen Mensch und Tier

Wer Tiere zu Objekten degradiert – und das passiert auch beim Schoßhündchen – , wer ihnen mehr Aufmerksamkeit zuwendet als Menschen, der vergisst am Ende sogar sich selbst. Nichts gegen Tierliebe. Aber übertriebene Tierliebe ist nicht nur zum Nachteil der Tiere, sondern auch zum Nachteil des jeweiligen Menschen! Spätestens dann, wenn die Gefahr von Zoonosen wächst – wovon Wissenschaftler weltweit ja ausgehen. Vielleicht ist es an der Zeit, hier einmal umzudenken und wieder einen „gesunden Abstand“ zwischen Mensch und Tier zu schaffen. So neu sind all die Gedanken ja gar nicht. Meine Oma nämlich hat das alles schon vor vielen Jahren gewusst.

Momentaufnahmen, kurze Episoden in den Medien, flüchtige Eindrücke – und alles rauscht einfach vorbei? „Auch das noch“ zeigt die Skripte (leicht überarbeiteter) Rundfunkbeiträge aus dem öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Manche wurden sogar speziell für Heaven On Air geschrieben. Frei nach dem Motto: einfach mal einen Moment innehalten.

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