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Als begossene Pudel Menschen das Leben erleichtern (28. September)

Wie ein begossener Pudel dastehen – wer will das schon? Normalerweise niemand. Aber das Internet macht ja bekanntlich alles möglich. Deshalb rissen sich vor ein paar Jahren Prominente darum, es dem armen Hundeviech gleichzutun. Und zwar nicht nur sprichwörtlich, sondern buchstäblich.

Jennifer Lopez, Christino Ronaldo, Marco Reus u.a.

Überall auf der Welt schütteten sich im Sommer 2014 Prominente kübelweise Eiswasser über den Kopf. „Ice Bucket Challenge“ heißt das Ganze. Also so viel wie „Eistonnen Herausforderung“! Auf die Idee kam seinerzeit der US-Amerikaner Patrick Quinn. Ihm gelang es, weltweit Menschen dazu zu bringen, sich vor laufender Kamera einen Kübel Eiswasser über den Kopf zu schütten und die Filmaufnahmen dann ins Netz zu stellen. Die Älteren unter uns erinnern sich dumpf, den Jüngeren sei gesagt: unglaublich, wer dabei alles mitmachte: Pop-Sänger Justin Timberlake hat’s getan und Facebook-Gründer Mark Zuckerberg auch. Genauso wie Microsoft-Gründer Bill Gates, Christiano Ronaldo, Selena Gomez, Jennifer Lopez und viele andere.

Riesenspaß für alle

Alle erklärten, das Ganze sei ein Riesenspaß. Kann schon sein. Zumindest hatten diejenigen ihren Spaß, die später im Web die Filmchen ansahen und dabei in die zum Teil schon recht verzerrten, leidgeplagten Gesichter blicken konnten. Mark Zuckerberg kommentierte die eiskalte Nässe mit knochentrockenen Worten: „Das war wirklich kalt!“ Na klar, was auch sonst? Weitaus emotionaler Tennisspielerin Sabine Lisicki: Die schrie nämlich wie am Spieß, als sie der eiskalte Guss erwischte. Eiswasser ist nun mal eben kalt. Eiskalt, sozusagen.

Ein Schwein, wer Böses dabei denkt…

Gut möglich, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch deshalb so viel Spaß hatten, weil jeder, der teilnahm, drei Personen benennen durfte. Die sollen dieselbe eiskalte Prozedur über sich ergehen lassen. Fußballer Marco Reus nominierte mit einem breiten Grinsen Helene Fischer. Der brasilianische Ballkünstler Neymar benannte genau den Kolumbianer, der ihn bei der Fußball-WM 2014 vom Platz getreten hatte. Ein Schwein, wer Böses dabei denkt.

Patrick Quinn und die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)

Wer sich dem Spaß verweigerte, ja, wer Millionen von Usern um ihren Spaß brachte, sollte 100 Dollar an die ALS-Forschung spenden. Womit wir zum Sinn in diesem ganzen Unsinn kommen. Denn Patrick Quinn war ein Aktivist, der die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf Amyotrophe Lateralsklerose-Forschung, kurz ALS, lenken wollte. Amyotrophe Lateralsklerose ist bis heute eine unheilbare Krankheit. Betroffene leiden an einer Zerstörung der Nerven und an fortschreitenden Muskellähmungen. Daran stirbt etwa die Hälfte der Erkrankten innerhalb von drei Jahren. Und

die großen Medizinmänner dieser Welt können nur ratlos und achselzuckend danebenstehen.
Viel Geld für Forschung und Betroffene

Klarer Fall: Um die Forschungsanstrengungen zu erhöhen, braucht es Geld, viel Geld. Die „Ice Bucket Challenge“ sollte dieses Geld einbringen. Wobei weniger an die 100 Dollar der Verweigerer gedacht war, sondern weitaus mehr an Spenden von Menschen, die durch die Challenge auf die Idee dahinter aufmerksam wurde. Quinns Plan ging auf: Innerhalb weniger Wochen kamen über vier Millionen Dollar zusammen – genug Geld, um die Forschung erst einmal anzuschieben. Mittlerweile sind es wohl mehr als sagenhafte 220 Millionen Dollar, die durch Quinns Idee gespendet wurden. Eine Wahnsinnssumme! Die aber auch gebraucht wird: Auch wenn die Forschung noch nicht allzu weit vorangekommen ist, hilft das eingesammelte Geld doch dabei, den Betroffenen das Leben deutlich zu erleichtern.

Große Wirkung einer „Schnapsidee“

Initiator Patrick Quinn kann man zu dieser Idee nur gratulieren, auch wenn der große medizinische Durchbruch immer noch auf sich warten lässt. Quinn wird ihn so oder so nicht mehr erleben: Am 22. November verstarb der Mann, der mit einer „Schnapsidee“ vielen schwerkranken Menschen das Leben erleichterte. Selbst an ALS erkrankt, wurde er nur 37 Jahre alt. Was bleibt, ist sein großer Anteil daran, dass die Hoffnung aktuell Betroffener immer noch lebt.

Allzu bierernst sollte man die „Ice Bucket Challenge“ nicht unbedingt nehmen. Dass sie einer guten Sache diente, ist nicht zu bestreiten. Warum nicht einmal wie ein begossener Pudel dastehen, wenn man damit anderen Menschen helfen kann? Ein Fazit, das über diesen obskuren Eiskübel-Wettstreit hinaus in alle Bereiche des persönlichen Lebens verweist. Frei nach dem Motto: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es! Und: Selbst eine „Schnapsidee“, ein ausgemachter Unsinn kann einem guten Zweck dienen.

Momentaufnahmen, kurze Episoden in den Medien, flüchtige Eindrücke – und alles rauscht einfach vorbei? „Auch das noch“ zeigt die Skripte (leicht überarbeiteter) Rundfunkbeiträge aus dem öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Manche wurden sogar speziell für Heaven On Air geschrieben. Frei nach dem Motto: einfach mal einen Moment innehalten.

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