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HipHop Academy Hamburg – Kulturarbeit mit Vorbildcharakter (25. September)

Am Anfang stammten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einem nicht unerheblichen Teil aus schwierigen Familienverhältnissen. Probleme lösten viele von ihnen mit brutaler Gewalt. Eine Hamburger Initiative fand 2007 eine Antwort. Das Zauberwort: HipHop Academy. Hinter diesem Namen verbirgt sichbis heute ein geniales Non-Profit-Projekt, das längst nicht nur entwurzelte Jugendliche anzieht.

Größte Jugendbewegung aller Zeiten

Breakdance, Graffiti, DJing, Rap und MCing, Writing, Beatboxing, Producing und Newstyle-Dance – all das gehört zum HipHop, der größten Jugendbewegung aller Zeiten. Und genau zu all diesen Facetten der HipHop-Kultur gibt es bei der HipHop Academy passende Kurse. Jugendliche zwischen 13 und 25 Jahren können hier einsteigen. Sie können ihre Fähigkeiten weiterentwickeln oder überhaupt erst entdecken. Vor allem in der Anfangsphase hatten die Trainerinnen und Trainer nicht nur „ihren Stoff“ zu vermitteln. Stattdessen übernahmen sie auch immer wieder die Funktion von Sozialarbeitern und Streetworkern. Ein geniales Konzept, wenn man unterstellt, dass so manche der teilnehmenden Jugendlichen ihr Leben nicht bewältigen können. Und viele von ihnen über eine herkömmliche Ansprache nicht mehr erreichbar sind. Ihr Interesse an HipHop aber wird auf diese Weise zu einer Art Einflugschneise, über die sich dann auch Sozialkompetenzen vermitteln lassen.

Brutaler Schläger vs. bester Tänzer etc.

Anfangs blieben nach mehreren Vorentscheiden 60 Jugendliche übrig. Ihr Gewinn: fünf Wochen lang harte Arbeit, acht Stunden Tag für Tag, und das in ihren Sommerferien. In der HipHop Academy verbesserten sie sich im schnellen Sprechgesang, lernten professioneller zu tanzen, übten sich im Scratchen und im Sprayen von Graffitis. Ohne Fleiß, kein Preis? Manch Teilnehmerin und Teilnehmer hätten auf einen derartigen Spruch wohl mit Ablehnung und Aggression reagiert. „Ohne blöden Spruch“ bemühten sie sich um Perfektion, arbeiteten sie an sich selbst, entdeckten so etwas wie Selbstdisziplin und wurden dabei langsam wieder „sozial ansprechbar“,

wie ein Mitarbeiter das einmal vorsichtig formulierte. Vor allem aber lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bis heute, ihre Konflikte in einer HipHop-Battle auszutragen und so ihre Aggressionen zu kanalisieren: Da fliegen keine Fäuste, sondern Tanzbeine. Sieger ist nicht der brutalste Schläger, sondern der beste Tänzer, Sprayer, DJ und Rapper. Ganz ohne Gewalt.
Vier Level

Längst hat sich die Hamburger HipHop Academy weiterentwickelt. Heute gibt es vier Level, in denen Jugendliche ihre Fähigkeiten entdecken, ausprobieren und weiterentwickeln können: vom Beginner-Level zum Advanced-Level über die Masterclass bis hin zu den „best students“. Letztere erarbeiten unter professionellen Bedingungen Tanztheaterproduktionen und führen sie auf. Wer die als Zuschauer besuchen will, muss schnell sein und sich frühzeitig Karten sichern. Denn längst hat sich herumgesprochen, dass die HipHop Academy in einer quirligen Stadt wie Hamburg nicht nur mit vielen erstklassigen Produktionen mithalten kann. Sondern sie steuert selber welche auf höchstem Level bei. Kein Wunder, dass die Academy seit ihrer Gründung stehts mit neuen Auszeichnungen und Preisen bedacht wurde.

Dependancen und internationale Kooperationen

Rund zwanzig Dependancen unterhält die HipHop Academy mittlerweile in Hamburg bzw. im Speckgürtel des Stadtstaates. Und längst gibt es internationale Kooperationen. Mit der dänischen Hauptstadt Kopenhagen, Groningen in den Niederlanden und dem französischen Marseille gibt es seit Jahren gewachsene Projekte. Die finden quasi mehr oder weniger „vor der Haustür“ statt. Mit Stolz dürfen die Macher der HipHop Academy aber auch darauf verweisen, dass es auch Projekte „in der großen weiten Welt“ gibt und gab. So kam es zu einer Begegnung mit einem Projekt aus Washington D.C. sowie einer mehrjährigen Zusammenarbeit mit einer in Taiwan angesiedelten HipHop-Battle. In deren Folge richteten die Hamburger den einzigen (!) europäischen (!) Vorentscheid für die von Taiwan durchgeführten Battles aus, an denen sich junge Menschen aus der ganzen Welt beteiligen.

Respekt

Trotz aller Professionalisierung und aller Veränderungen hat sich eines nicht verändert: der Vorbildcharakter der HipHop Academy. Nach wie vor steht das Ideal des HipHop, nämlich Respekt, an erster Stelle aller Arbeiten – ein Anspruch, aus dem Werte wie Offenheit, Toleranz und Gewaltfreiheit nahezu automatisch resultieren. Dank Trainerinnen und Trainern, die in der Szene höchstes Ansehen genießen, gelingt im Schmelztiegel Hamburg das Miteinander von Menschen verschiedener Nationalitäten und Ethnien sowie unterschiedlichster sozialer Herkünfte. Dabei zeigt die HipHop Academy eindrucksvoll, dass man jeden Menschen erreichen kann, wenn man sich nur darum bemüht, seine Sprache zu sprechen und ihn eben genau da abzuholen, wo er sich befindet. Ein großartiges Vorbild für andere Städte in Deutschland, für kommunale, soziale und kirchliche Jugendarbeit.

Spenden erforderlich

Wer sich um Jugendliche bemüht statt sie abzuschreiben, wird feststellen, dass man mit jedem Menschen arbeiten und eindrucksvolle Ergebnisse erzielen kann. Spätestens sichtbar wird dies, wenn die „best students“ eine ihrer eindrucksvollen Tanztheaterproduktionen aufführen.
Wie viele kulturelle Einrichtungen ist auch die HipHop Academy von der Coronakrise gezeichnet. Als Non-Profit Projekt ist sie von je her auf Spenden angewiesen, um gerade auch Jugendlichen aus sozial schwachen Bereichen ein frei zugängliches, weitestgehend kostenloses Angebot machen zu können. In Zeiten der Pandemie gilt dies umso mehr. Einmalige Spenden sowie Patenschaften für einzelne Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind möglich – und natürlich erwünscht. Jeder Cent, der jetzt in eine sinnvolle Jugendarbeit und Prävention investiert wird, ist nachhaltiger als die Summen, die ggf. später für Schadensbeseitigung und Resozialisierung ausgegeben werden müssen.

Momentaufnahmen, kurze Episoden in den Medien, flüchtige Eindrücke – und alles rauscht einfach vorbei? „Auch das noch“ zeigt die Skripte (leicht überarbeiteter) Rundfunkbeiträge aus dem öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Manche wurden sogar speziell für Heaven On Air geschrieben. Frei nach dem Motto: einfach mal einen Moment innehalten.

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