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Start der “Fairen Wochen” – menschenwürdige Arbeitsbedingungen und nachhaltiges Wirtschaften (10. September)

Morgens ein dampfender Kaffee zum Munterwerden, mittags eine Banane für die nötigen Mineralstoffe und Vitamine, dazu noch ein schneller Schokoriegel zwischendurch – so lässt sich ein langer Arbeitstag gut überstehen. Das alles möglichst günstig eingekauft – je mehr wir bei unseren regelmäßigen Einkäufen sparen, desto mehrGeld haben wir am Ende des Monats noch im Portemonnaie. So einfach ist das. Oder aber auch nicht.

Verbindung zwischen Sparen und Hungern

Heute beginnen die so genannten „Fairen Wochen“. Zwei Wochen lang wollen die Veranstalter auf die enge Verbindung zwischen Sparen und Hungern aufmerksam machen. Dass Kaffee, Bananen und Kakao irgendwo in Südamerika, Ostasien und Afrika wachsen, wissen wir. Vielleicht auch, dass in den so genannten Schwellenländern viele Kleinbauern die Produzenten sind. Dass wir ihnen jedoch buchstäblich die Kehle zuschnüren, wenn wir ein paar Cent an Kaffee und Südfrüchten sparen, blenden wir gerne aus. Dafür möchten wir nicht verantwortlich sein. Sind wir aber, sagen die „Fairen Wochen“.

Der eine freut sich, der andere weint

Börsianern ist das Prinzip lange bekannt. Schon vor rund 250 Jahren fasste es der Bankier Amschel Meyer Rothschild in Worte: „Ihr Geld ist nicht weg, mein Freund, es hat nur ein anderer!“ Natürlich hatte der die Börse im Blick. Aber genauso gut hätte Meyer Rotschild die komplizierte Beziehung zwischen Produzenten von Nahrungsmitteln und den Endverbrauchern meinen können. Nur hätte er dann umgekehrt formulieren müssen: Das Geld, was wir mehr im Portemonnaie haben, haben andere jetzt weniger. Der eine freut sich, der andere weint. Ein Problem übrigens, das auch Landwirte in Deutschland nur allzu gut kennen: Dem Endverbraucher wäre es am liebsten, wenn alles immer preiswerter wird. Ein Umstand, der am Ende an den Erzeugern hängenbleibt.

Es geht ums nackte Überleben

Für die Kleinbauern in Afrika, Südamerika und Ostasien geht es zumeist ums nackte Überleben. Die sind vielfach auf jeden Cent angewiesen, um zumindest ihre Existenzgrundlage zu sichern. An Wohlstand, an Sparen und vielleicht sogar Investitionen ist ohnehin nicht zu denken.
Die Botschaft der „Fairen Wochen“: Unsere Entscheidung an der Supermarktkasse hat auch Auswirkungen auf die produzierenden Bauern. Ja, für fair gehandelten Honig, Tee oder Kaffee muss ich etwas mehr Geld auf den Tisch legen. Damit sorge ich aber dafür, dass der Imker oder Bauer in Tansania, Malawi oder Guatemala einen gerechten Lohn für die Produkte bekommt. Außerdem sichert der faire Handel auch eine nachhaltige Produktion und ermöglicht bessere Zukunftsperspektiven. Denn wenn die Bauern verdienen, können sie

Bildung und Aufstieg

auch ihren Kindern eine bessere Ausbildung und Gesundheitsversorgung bieten. Der allseits bekannte Kreislauf von Bildung und der Möglichkeit, über bessere Jobs aufzusteigen, die Armutsschwelle hinter sich zu lassen. Und so ganz nebenbei fördert der faire Handel auch Sozialprojekte vor Ort. Je mehr Verbraucher bereit sind, für ein fair gehandeltes Produkt ein paar Cent mehr zu bezahlen, desto größer ist die Summe, die für nachhaltige Projekte zur Verfügung steht. Projekte, die es Menschen in schwierigen Lebenssituationen ermöglichen, mit weniger Sorgen um ihre Existenz zu leben und zu arbeiten.

Beginn und Träger

2001 fand die erste „Faire Woche“ statt, die nächste folgte im Jahr 2003. Immerhin gibt es sie seitdem jährlich im September. Schrittweise wuchs

dabei ihre Bedeutung, was allein schon daran abzulesen ist, dass 2006 eine Ausweitung auf zwei Wochen einsetzte. Träger sind das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie das Forum Fairer Handel, das aus namhaften Fair-Handels-Organisationen besteht, darunter auch die gepa, der Dachverband der Weltläden, kirchliche Hilfswerke wie Misereor und Brot für die Welt und viele mehr.
Slogans

„Freudenpreise für die Bauern“, „Faires Frühstücks“ und „Fairness verbindet“ waren einige der Jahr für Jahr wechselnden Slogans der „Fairen Wochen“. Mit dem Motto „Doppelt gut! Bio im Fairen Handel“ wandte sich der Blick erstmals auch im Titel hin zu einem nachhaltigen Konsum. In diesem Jahr sind vor allem menschenwürdige Arbeitsbedingungen im Blick. So weisen die Veranstalter darauf hin, das menschenwürdige Arbeit im Artikel 23 der UN-Charta als Menschenrecht verankert ist. Die menschenwürdige Arbeit und das nachhaltige Wirtschaften gehören zu einem von 17 Zielen, die die UN als notwendig für eine nachhaltige Entwicklung ansieht. Gemeint ist damit vor allem: Die Vermeidung von Gefahren für die Gesundheit von Menschen ist der letzte Cent an Profit; Kinderarbeit, aber auch die Ausbeutung von Erwachsenen muss gestoppt werden; die Arbeit muss zumindest so viel Geld einbringen, dass im jeweiligen Land ein menschenwürdiges Leben möglich ist. Hehre Ziele, die noch lange nicht erreicht sind.

Impuls zu fairem Handeln

Die „Fairen Wochen“ sind ein vierzehntägiger Impuls, über Nachhaltigkeit und fairen Handel nachzudenken. Zahlreiche Veranstaltungen wie Probieraktionen, Konzerte und Gespräche mit Produzentenvertretern machen dabei den „Fairen Handel“ und die mehr und mehr in den Mittelpunkt rückende Nachhaltigkeit erlebbar. Ziel ist es aber, über den kurzfristigen Impuls hinaus das gesellschaftliche Bewusstsein zu verändern.
Dazu scheinen die „Fairen Wochen“ ihren Beitrag zu leisten. Denn vor zwanzig Jahren fast noch undenkbar sind heute in vielen Supermärkten fair gehandelte Produkte zu finden, verändern Kantinen ihre Angebote in Richtung fairer Handel und Nachhaltigkeit. Mitmachen kann aber jeder Einzelne, zum Beispiel mit einer fairen Kaffeepause mit der Familie oder Arbeitskollegen. Ein paar Cent mehr für Kaffee, Tee, Schokolade, Bananen und viele weitere Produkte können dazu beitragen, dass irgendwo ein Kind mehr zur Schule gehen kann. Und dass wir alle etwas nachhaltiger mit unserem Planeten umgehen. Denn handeln im Sinne von „kaufen und verkaufen“ und handeln im Sinne von „etwas tun“ liegen wirklich sehr nah beieinander.

Momentaufnahmen, kurze Episoden in den Medien, flüchtige Eindrücke – und alles rauscht einfach vorbei? „Auch das noch“ zeigt die Skripte (leicht überarbeiteter) Rundfunkbeiträge aus dem öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Manche wurden sogar speziell für Heaven On Air geschrieben. Frei nach dem Motto: einfach mal einen Moment innehalten.

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