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Ende der Wettkämpfe von Tokio – Jahrestag des Attentats von München (5. September)

Heute gehen sie zu Ende, die Paralympics 2020. Klar ist, dass die Olympischen Spiele der Nichtbehinderten und jetzt die Olympischen Spiele der Menschen mit Behinderungen, kurz Paralympics, für immer mit einem besonderen Touch verbunden bleiben werden. Denn schließlich fanden sie nicht, wie geplant und wie der Name suggeriert, im Jahr 2020 statt, sondern eben erst in diesem Jahr. Olympia 2020 coronabedingt im Jahr 2021 – das klingt schon irgendwie merkwürdig. Aber nichts, an dass man sich nicht gewöhnen könnte. Aktuelle Veröffentlichungen setzen sich einfach darüber hinweg und titeln, historisch durchaus richtig, wenngleich auch jenseits der offiziellen Nomenklatur, „Olympische Spiele 2021“.

Attentat München 1972

Natürlich ist es purer Zufall, dass Olympia 2020 mit dem heutigen Datum des 5. Septembers endet. Eben genau an dem Datum, an dem 49 Jahre zuvor die Olympischen Spiele in München beinahe beendet worden wären.
Heute vor 49 Jahren ereignete sich das schreckliche Attentat von München. Bis dahin läuft zehn Tage lang alles nach Plan. Die Jugend der Welt begegnet sich in einem friedlichen Kräftemessen. Von Doping damals noch keine Spur. Oder zumindest hat die Öffentlichkeit nichts oder nur wenig darüber gewusst. Die Spiele sind heiter, tragen zur Völkerverständigung bei. Wie aus dem Nichts schlägt die Stimmung um: Palästinensische Terroristen überfallen das israelische Team, töten zwei junge Menschen, nehmen neun weitere als Geiseln. Aus den heiteren, fröhlichen Spielen sind blutige, toternste Spiele geworden.

Freipressung von Terroristen

Über 200 in Israel inhaftierte Terroristen sowie die in einem deutschen Gefängnis einsitzenden RAF-Terroristen Andreas Baader und Ulrike Meinhof sollen freigepresst werden. Als die israelische Regierung ablehnt, sind die Geiseln so gut wie tot. Nach den Schrecken der Nazizeit will Hans-Dietrich Genscher, damals Bundesinnenminister, unbedingt verhindern, dass wieder Menschen jüdischen Glaubens auf deutschem Boden getötet werden. Und so bieten sich deutsche Politiker im Austausch für die Geiseln an. Als die Terroristen ablehnen, bleibt nur noch ein verzweifelter gewaltsamer Versuch, die Geiseln zu befreien. Ein Versuch, der fehlschlägt. Elf israelische Sportler, ein deutscher Polizist und fünf Terroristen sind am Ende tot.

Satz für die Ewigkeit

Trotz allem fordert der damalige IOC-Präsident Avery Brundage: „The games must go on!“ Ein Satz für die Geschichtsbücher, für die Ewigkeit. Einer, der sich millionenfach ins kollektive Gedächtnis der Menschheit einbrennt, zum Teil auch verfremdet und verändert. Heute weiß längst nicht mehr jeder, was sich hinter diesem Satz verbirgt, in welcher Situation er geboren wurde. Aber die Spiele – sie gehen danach weiter. Nur heiter sind sie nicht mehr.

Vergeltung und Ursachenforschung

Und sie haben Konsequenzen: In den Jahren nach dem Attentat von München tötet eine Spezialeinheit des israelischen Geheimdienstes Mossad über 20 Palästinenser. Der Tod Unschuldiger wird als Kollateralschaden zwar bedauernd, aber letztlich achselzuckend in Kauf genommen. Der deutsche Verfassungsschutz findet heraus, dass deutsche Neonazis wichtige Informationen für den Anschlag geliefert haben, also beteiligt waren. Zum Teil wussten die deutschen Behörden schon vorher von der unheilvollen Allianz zwischen PLO-Führern, der als Terrororganisation eingestuften al-Fatah und deutschen Neonazis – das Zusammenspiel deutscher

Landeskriminalämter und Geheimdienste hatte nicht funktioniert.
Verbesserungspotenzial

Hier gab es Verbesserungspotenzial. Und weil auch die Befreiung der Geiseln fehlgeschlagen war, stellte die Bundesregierung eine Spezialeinheit im Kampf gegen den Terror auf, die Bundesgrenzschutztruppe 9, kurz GSG 9. Ähnliches erfolgte auf Länderebene mit der Gründung der Spezialeinsatzkommandos, den SEKs.

Terror ist nie eine gerechte Sache

Attentate sind längst keine Seltenheit mehr. Ein Stückweit sind wir dabei, uns daran zu gewöhnen. Weil Waffen und Sprengstoffe für die, die es darauf anlegen, nahezu jederzeit verfügbar sind, kann – wiederum jederzeit – irgendjemand unvermittelt losschlagen. Überall, an jedem Ort. Wirklich sicher ist niemand. Nirgendwo. Zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort – genau diese Unsicherheit wollen die provozieren, die sich als Herren über Leben und Tod aufspielen. In den meisten Fällen geben sie vor, einer gerechten Sache zu dienen, die anderweitig kein Gehört finde. Aber eine Sache, bei der Menschen instrumentalisiert werden, ist per se nicht gerecht. Egal, wie fadenscheinig man da auch argumentiert. Opfer bleiben Opfer. Und Menschen, die möglicherweise irgendwo auf der Welt zu Opfern werden, können nicht durch andere Opfer, die man mit Gewalt schafft, aufgewogen werden.

Sieg des Friedens über Hass

Die Olympischen Spiele von München werden wohl immer ein Mahnmal bleiben. Trotz der Trauer während der Olympischen Spiele von München ist der Satz „The games must go on“ die einzige Antwort, die man geben konnte. Ein klares Zeichen, dass das friedliche Zusammenleben von Menschen stärker ist als der Hass und selbst der Tod, über den einige fehlgeleitete Fanatiker entscheiden zu können glauben.
Der heutige Jahrestag des Attentats von München ist ein guter Anlass, sich dies bewusst zu machen. Und gleichzeitig dankbar zu sein, dass die Olympischen Spiele 2020 von Menschen ohne und mit Behinderungen am heutigen Tag zu Ende gehen. Friedlich und der Attacke durch Corona zum Trotz auch gut zu Ende gehen.

Momentaufnahmen, kurze Episoden in den Medien, flüchtige Eindrücke – und alles rauscht einfach vorbei? „Auch das noch“ zeigt die Skripte (leicht überarbeiteter) Rundfunkbeiträge aus dem öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Manche wurden sogar speziell für Heaven On Air geschrieben. Frei nach dem Motto: einfach mal einen Moment innehalten.

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