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Rolling Stones, The & Page, Jimmy – Scarlet

Beim Rückblick auf die gängige Studiopraxis vor 40 und mehr Jahren dreht sich manchen Rockfans der Magen um: Da wurde bespielte Bänder für neue Aufnahmen einfach überspielt. Unwiederbringliche Mitschnitte gingen so verloren. Aber schließlich kostete das Bandmaterial Geld. Oder Bänder wurden in irgendwelche Kisten gepackt, schlecht beschriftet, irgendwo abgestellt. Was da lagert, wer da auf diesen Bändern verewigt ist – oft genug weiß das kein Mensch mehr. – Umso erfreulicher,

wenn Bänder mit uralten Songs heute wiederentdeckt werden. Vor allem, wenn die Künstler diese Songs seinerzeit nicht bewusst aussortierten. Klugen Umgang mit ihrem Archiv betreiben die Rolling Stones. Wenn am 4. September die Deluxe-Ausgabe ihres 1974er Albums „Goats Head Soup“ erscheint, sind darauf auch drei unveröffentlichte Songs zu hören. Einer davon heißt „Scarlet“. Das Unglaubliche: Weil die Stones ihren damaligen Gitarristen Mick Taylor verloren hatten, ist neben Keith Richards niemand geringerer als Jimmy Page an der Gitarre zu hören. Der galt mit seiner Band Led Zeppelin Mitte der 1970er als das „größte Ding auf dem Globus“.

„Baby, du erregst mich, aber redest zu viel. Ich will nicht an der Straßenecke stehen.
Scarlet, warum trägst du mein Herz auf der Zunge, wo es nicht hingehört?
Scarlet, warum zerreißt du mein Herz in Stücke? So gehört sich das eigentlich nicht!
Warum behältst du mein Herz nur für dich? So gehört sich das eigentlich nicht.
Du musst deine Meinung nicht ändern, deine Nachbarschaft nicht hinter dir lassen.
Liebling, du musst nicht mehr weinen, wenn ich bei dir anklopfe, an deiner Vordertür.“

„Scarlet“ heißt nicht nur der Song, sondern auch die Tochter von Jimmy Page. Angesichts von #metoo mag man da heute die Augenbrauen hochziehen: Denn ein Stückweit frauenfeindlich ist der Song schon. Und natürlich eine klare Anmache

von Sänger Mick Jagger. Oder wie Jimmy Page selbst zum Song sagte: „…ansteckend und dreckig wie alles, was die Band in dieser heiligen Ära so gemacht hat“.
Keine Frage: Beim Kampf für gleiche Rechte und gleichen Verdienst von Frauen ist bei uns noch viel zu tun. Aber vielleicht müssen wir trotzdem ab und an hinterfragen, ob unsere aktuellen Maßstäbe an Sprache und political correctness immer richtig sind… oder nicht manchmal doch ein klein wenig übertrieben. Nicht alles, was in einen Hype von Vorwürfen und Verboten mündet, ist berechtigt. Da sieht das mit einem Hype um einen nigel-nagel-neuen, gleichzeitig aber 46 Jahre alten Song der Rolling Stones ganz anders aus: Die Rolling Stones mit Jimmy Page und „Scarlet“.

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