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Rolling Stones – Like A Rolling Stone

Im Juni sind es satte 50 Jahre her, dass Bob Dylan einen seiner größten Songs schrieb: Like A Rolling Stone. Die gleichnamige britische Band hatte er dabei weniger im Sinn. Vielmehr wohl die Schauspielerin Edie Sedgwick. Oder schon Joan Baez. Über die konnte Dylan eine Menge sagen. Zuviel, meinte die Plattenfirma zum sechs-Minuten Epos und forderte: Kürzen! Dylan weigerte sich – und Gott-sei-Dank kam „Like A Rolling Stone“ dann ungekürzt auf den Markt.

“Vor gar nicht langer Zeit hast du noch ziemlich geile Klamotten getragen
und warfst den Bettlern (verächtlich) Kleingeld vor die Füße. Die Leute sagten:
‘Sei vorsichtig! Du stürzt ab!’ Du aber dachtest, sie veralbern dich.
Du warst auf einer der besten Schulen, Miss Einsam,
aber dort hast du nur gelernt, wie du dich volllaufen lassen kannst.
Niemand hat dir beigebracht, auf der Straße zu leben. Und jetzt musst du es selbst tun.
Jetzt sprichst du nicht mehr so laut. Jetzt bist du wohl nicht mehr so stolz. Jetzt stiehlst du dir deine Mahlzeiten zusammen. Wie fühlt man sich ohne ein Zuhause, als Niemand?”

Musikkritiker entdeckten in Dylans Song sofort ein englisches Sprichwort: „Ein rollender Stein setzt kein Moos an!“
Das wäre die positive Sichtweise. Dylan aber meint es kritischer, ja, sogar sarkastischer: Denn „Rolling Stone“ ist auch ein Slangwort für Herumtreiber oder Landstreicher. Und so meint der Song tatsächlich: Die besungene Frau ist ein verwöhntes Gör und scheint früher verächtlich auf Obdachlose und Herumtreiber herabgesehen zu haben. Jetzt lebt sie, warum auch immer, selbst auf der Straße. Und muss sich fragen lassen, wie es sich so anfühlt vollständig auf sich selbst gestellt zu sein, ohne ein Zuhause, als jemand völlig Unbekanntes, eben selbst als Herumtreiber.

Trotz seiner 50jährigen Geschichte ist „Like A Rolling Stone“ noch immer aktuell. Noch immer gibt es Menschen, die auf der Straße leben, kein Zuhause haben. Und Menschen, die vor Gewalt, Krieg und Terror fliehen müssen und die nicht wissen, wie es weitergehen soll. Auf sie herabzusehen, sie wie Schmarotzer zu behandeln und ihnen notwendige Unterstützung zu verweigern, ist falsch. „Was du dem geringsten meiner Brüder getan hast, hast du mir getan“, heißt es sinngemäß in der Bibel. In Dylans Song findet sich ein anderer Gedanke: Es könnte dir selbst einmal so gehen, dass du Hilfe brauchst. Und dann? – Vor rund 20 Jahren nahmen augenzwinkernd ausgerechnet die Rolling Stones Dylans Song auf. Hier sind sie mit „Like A Rolling Stone“.

 

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