Drücken Sie Enter, um das Ergebnis zu sehen oder Esc um abzubrechen.

Cooper, Alice – I’m Eigtheen

Als Barry McGuire 1965 den Song „Eve Of Destruction“ veröffentlichte, waren sich viele US-Radiostationen einig: Ein Song, der US-amerikanische Senatoren kritisiert, der offen Rassismus und Benachteiligung von Schwarzen benennt, der gegen Krieg und die Stärkung des Militärs ansingt – so ein Song wird im „sauberen Radio“ nicht gespielt. Dank etlicher Piratensender

erhielt „Eve Of Destruction“ trotzdem massives Airplay und war im Herbst vor 55 Jahren weltweit erfolgreich. Eine Kernzeile aus diesem Song lautet: „Ihr seid alt genug, um Menschen umzubringen. Aber nicht alt genug, um zu wählen!“ Eine Attacke auf die Wehrpflicht für 18jährige, die aber erst mit 21 Jahren das Wahlrecht bekamen. 18 Jahre alt war zu diesem Zeitpunkt auch Alice Cooper übernahm. Weil sich fünf Jahre später an der Situation nichts geändert hatte, packte Alice den Frust der 18jährigen in einen eigenen Song: „I’m Eigtheen“.

„Falten bilden sich auf meinem Gesicht und meinen Händen,
Nun, ich bin in der Lebensmitte ohne Pläne, ich bin ein Junge und ich bin ein Mann.
Nun, ich habe das Gehirn eines Babys und das Herz eines alten Mannes.
Es dauerte achtzehn Jahre, um so weit zu kommen. Ich weiß nicht immer,
wovon ich rede. Es fühlt sich an, als würde ich mitten im Zweifel leben.
Ich bin achtzehn und ich weiß nicht, was ich will. Ich bin achtzehn, ich muss weg.
Ich muss diesen Ort verlassen, ich werde im Weltraum rennen, ja!“

Die ersten Falten im Gesicht; Wehrpflicht ja; Wahlrecht nein; in einigen Staaten der USA durfte man als 18jähriger nicht einmal Alkohol trinken. Dieser Situation konnte der Song nur mit viel Ironie begegnen. Und mit Frust. So viel Frust, dass man am liebsten wegrennen würde. Oder am besten gleich ein neues Leben im Weltraum suchen. Songs wie „Eve Of Destruction“ und „I’m Eighteen“ forderten zum Kampf für die eigene Freiheit auf. Und sie stärkten Demos gegen Krieg, Rassismus, gegen Ungerechtigkeiten im eigenen Land und gegen Politikerwillkür. Sie wurden getragen von der religiösen Überzeugung: Wenn Gott uns als sein Ebenbild geschaffen hat, dann lasst uns auch so leben. Und die Welt verändern. Dass Alice Cooper beim Erscheinen von „I’m Eigtheen“ bereits 23 Jahre alt war, interessierte niemanden. Auch nicht, dass er wohl selbst als 18jähriger von Barry McGuire’s „Eve Of Destruction“ inspiriert wurde. Vermutlich würde der bibelfeste Christ Alice Cooper aber heute sagen: Schlimm, dass sich seit damals so wenig verändert hat. Alice Cooper: „I’m Eigtheen“.

Kommentare

Hinterlassen Sie ein Kommentar