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Weihnachten wird unterm Baum entschieden – in diesem Jahr nicht (20. Dezember)

„Weihnachten wird unterm Baum entschieden!“ Vor ein paar Jahren hämmerte uns ein Elektronikriese diesen Spruch in die Köpfe. Die Botschaft war klar: für Lisa das neue Smartphone, für Jan die Spielekonsole, für Mama den Induktionsherd und für Papa den neuen, nicht zu dominanten Fernseher – alles schnell noch zu Weihnachten. Heute gekauft, an Heilig Abend gefreut. Bezahlt irgendwann im nächsten Jahr. Bei den Konditionen, die es da gab, alles kein Problem. Wer da nicht mitzieht, hat verloren, so die Botschaft. Oder im Jargon des Elektronikriesen: Hauptsache, ihr habt Spaß! Modelleisenbahn? Wie altmodisch! Puppenwagen oder Brettspiel? Oder gar Bücher? Jetzt ist es aber gut!

Cleverer Spruch

Weihnachten wird unterm Baum entschieden – auch im Rückblick auf diese Werbung schlagen heute noch zwei Herzen in meiner Brust: Zweifellos war die Werbung extrem clever gemacht. Denn sie wirkt, suggeriert: Wer an Weihnachten geschenkemäßig mithalten will, ist bei diesem Elektronikriesen hier gut aufgehoben. Selbst wer sich über diese Werbung ärgert, hat den Laden im Kopf. Weil unser Gehirn sich letztendlich nämlich nur Slogan und Anbieter einprägt, nicht aber die damit empfundene Zustimmung oder Ablehnung, prägt sich der Name des Elektronikriesen auch so ein. Was für eine Kaufentscheidung absolut positiv ist.

Weihnachten – mehr als Geschenke

Weihnachten wird unterm Baum entschieden? Geht es an Weihnachten nicht um etwas Anderes als um Geschenke? Geschenke – ja, gerne, warum auch nicht. Aber darauf dieses Fest zu reduzieren – das ist mir dann doch zu wenig. Für Christen ist das einfach. Die feiern die Geburt des Gottessohnes. Keine Menschwerdung Gottes – kein Christentum. So einfach ist das. Andersherum ist das weitaus schwieriger:

Frieden auf Erden?

Mit der Menschwerdung Gottes verbinden Christen die Verheißung von Frieden auf Erden. Davon kann kaum die Rede sein. Seit 2000 Jahren nicht. Denn zum Frieden gehört nicht nur die Abwesenheit von militärischer, körperlicher und seelischer Gewalt. Zum Frieden gehört auch, ohne Leid, ohne Not und ohne Hunger zu leben. Und mit den Aussichten auf ein besseres Leben in die Zukunft zu blicken. Das fällt viel zu vielen Menschen in einer Zeit, in der Abschottung und der Bau neuer Mauern Konjunktur feiert, nun wirklich nicht leicht.

Kein gutes Jahr 2021

Für die Künstlerinnen und Künstler, für die Veranstaltungsbranche, für Gastronomen und Beherbergungsbetriebe war das zu Ende gehende Jahr kein besonders gutes. Zumindest nicht in wirtschaftlicher Hinsicht. Der

Lockdown rund um das letztjährige Weihnachtsfest hat viele Betriebe schwer getroffen. Allein das Weihnachtsgeschäft des Buchhandels beträgt etwa ein Viertel dessen, was die Branche im Verlauf eines ganzen Jahres umsetzt. Gänzlich ohne oder auch mit stark eingeschränktem Weihnachtsgeschäft stehen etliche Betriebe vor dem Aus.
Weihnachtsumsatz könnte helfen

Tatsächlich könnte es in diesem Jahr so manchem helfen, zumindest aber trösten, wenn Weihnachten tatsächlich unterm Baum entschieden würde. Wird es aber nicht. Vieles, was manch einer auf letzten Drücker erstehen möchte, ist gar nicht lieferbar. Die Ankündigung, dass manches im nächsten Jahr teurer wird, hat nicht wirklich überrascht. Umso schmerzlicher wirkt die Tatsache, dass Lieferengpässe das Weihnachtsgeschäft massiv erschweren.

Lieferengpässe

Es sieht wohl so aus, als müssten wir uns daran gewöhnen: Vieles von dem, was wir in der Vergangenheit quasi im Vorübergehen eingekauft haben, hat Lieferfristen, die wir noch vor einem Jahr für ein Märchen aus längst vergangenen Zeiten gehalten haben. Diese Märchen haben uns eingeholt, sind aktueller denn je. Und erschweren dem Handel die Umsätze – abgesehen davon, dass sich immer mehr Menschen daran gewöhnen, weniger im stationären Handel, dafür umso mehr über das Internet einzukaufen.

Neue Wörter im Duden

Weihnachten wird unterm Baum entschieden – bereits im letzten Jahr fiel für eine Reihe von Unternehmern das Weihnachtsgeschäft deutlich spärlicher aus als erhofft und erwartet. Im Gegenzug dazu hat die Dudenredaktion ein paar neue Wörter als „Bestandteil der aktuellen Sprache“ erklärt, die vor ein paar Jahren niemand kannte. „Lockdown“ gehört genauso dazu wie „boostern“, dem natürlich der berühmte „Pieks“ vorausgehen muss, damit man nicht an Corona erkrankt und vor allem nicht mit den Folgen von „Long Covid“ leben muss.

Lockdown erst nach Weihnachten?

Bleiben wir einen Moment beim Lockdown: Noch sieht es so aus, als kämen wir zumindest an Weihnachten um einen neuerlichen Lockdown herum. Aber schon treten die ersten Politiker auf den Plan, die glauben, die Ausweitung des Coronavirus nur noch mit einem neuerlichen Lockdown stoppen zu können. Der Grund:

Exponentielles Wachstum

die Befürchtung einer „exponentiellen Zunahme“ von Covid-Erkrankten. Für viele ist „exponentielles Wachstum“ ein Synonym für „sehr, sehr viel“. Ich musste mir die so genannte Reiskornlegende, die gelegentlich auch als Schachbrettaufgabe bezeichnet wird, vergegenwärtigen. Erst dann bekam ich (wieder) eine Vorstellung davon, was mit der exponentiellen Zunahme an Erkrankten gemeint sein könnte.

Reiskornlegende / Schachbrettaufgabe

Bestimmt haben Sie schon einmal von dieser Geschichte gehört: Ein persischer König gewährt einem Brahmanen eine Bitte. Der erbittet sich ein Schachbrett voller Reiskörner. Allerdings sollen auf jedem Feld genau doppelt so viel Reiskörner liegen wie auf dem vorherigen. Also 2, 4, 8, 16, 32, 64 und so weiter. Ein Wunsch, den der König gern bewilligte. Wenn der Brahmane nur ein paar Reiskörner haben wollte…

Wäre der König Mathematiker gewesen, hätte er gewusst, was „exponentielle Zunahme“ bedeutet – und hätte niemals diesen Wunsch bewilligt. Natürlich können Sie jetzt losrechnen, wie viel Körner am Ende auf dem Schachbrett liegen müssten. Um sie nicht zu überfordern: Es sind über 9 Trillionen Reiskörner. Trillionen? Nach den Millionen kommen die Milliarden, dann die Billionen, anschließend die Billiarden und danach erst die Trillionen. 9 Trillionen Reiskörner – eine Zahl mit insgesamt 19 Stellen! Um es noch deutlicher zu machen: Das entspricht der weltweiten Reisernte von etwa 870 Jahren.

In 25 Tagen bei über 33 Millionen

Auf Corona umgemünzt, würde dies bedeuten: Wenn sich die Anzahl der von Corona Infizierten täglich verdoppeln würde, wären nach nur 25 Tagen über 33 Millionen Menschen erkrankt. Ziehen Sie jetzt einmal Kinder, Alte und Schwerstkranke von der Gesamtbevölkerung ab, bleiben vielleicht gerade noch einmal genug Menschen übrig, um die Kranken zu behandeln und zu pflegen. Am 26. Tag sieht das schon ganz anders aus. Noch verdoppelt sich die Omikron-Variante alle zwei, vielleicht auch nur alle vier Tage.

Die Zukunft entscheidet sich in den Impfstuben

Hoffen wir, dass uns Schlimmeres erspart bleibt. Der Slogan „Weihnachten wird unterm Baum entschieden“ bekommt mit der realen Vorstellung eines exponentiellen Wachstums plötzlich einen ganz neuen Hintergrund. Längst geht es nicht mehr um Weihnachten. Längst geht es schon um die Zukunft des ganzen Landes. Unterm Baum wird da gar nichts mehr entschieden. Wenn überhaupt, dann fallen die Entscheidungen in den Impfstuben. Und in den 14 Tagen, die die Impfung braucht, um ihre Wirkung zu entfalten.

Weihnachten wird an der Krippe entschieden

Weihnachten wird unterm Baum entschieden – als der Elektronikriese vor ein paar Jahren diesen Slogan herausgab, dachte niemand an Corona. Woher auch? Trotzdem regte sich Widerstand. Wer glaubt, dass Gott Mensch geworden ist, der weiß: Weihnachten wird an der Krippe entschieden! Oder besser: ist längst entschieden! Gott hat sich zu diesem Schritt entschieden – schon vor rund 2000 Jahren. Deshalb setzten fromme Menschen einen Gegenpol zum Slogan des Elektronikriesen: Weihnachten wir an der Krippe entschieden. Eine Aktion bei Facebook, die innerhalb kürzester Zeit Zigtausende Unterstützer fand. Menschen, die in ihren Posts zum Ausdruck brachten:

Weihnachten mehr als Geschenke

Weihnachten ist mehr als das Fest des heiligen Baumes, mehr als das Fest der Geschenke.

Weihnachten wird unterm Baum entschieden? Auch in diesem Jahr sicher nicht. Bei vielen Menschen nicht. Ganz sicher auch nicht bei mir. Und warum? Die Antwort gebe ich dem Elektronikriesen, indem ich ihn mit seinen eigenen Waffen schlage: mit einem seiner Slogans. Und der lautet: Ich bin doch nicht blöd!

Momentaufnahmen, kurze Episoden in den Medien, flüchtige Eindrücke – und alles rauscht einfach vorbei? „Auch das noch“ zeigt die Skripte (leicht überarbeiteter) Rundfunkbeiträge aus dem öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Manche wurden sogar speziell für Heaven On Air geschrieben. Frei nach dem Motto: einfach mal einen Moment innehalten.

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