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Zu Weihnachten eine Kiste Bier – Erfahrungen eines Schülers (22. Dezember)

„Weihnachten – da stelle ich mir gegen 17.00 Uhr eine Kiste Bier in mein Zimmer, schließe die Tür ab und will niemanden sehen und hören!“
Meine Schülerinnen und Schüler staunen nicht schlecht, als ich ihnen diesen Satz an den Kopf knalle. Einige gucken entsetzt, einige so, als erwarten sie, dass ich einen Witz gemacht hätte, dessen eigentliche Pointe aber noch nicht erzählt sei. Einer oder zwei kichern still vor sich hin. Die meisten aber wissen nicht wirklich, was gerade mit ihnen geschieht. Von mir, ihrem Lehrer – da hatten sie etwas Anderes erwartet. Deshalb wird es mucksmäuschenstill, als ich den Mund aufmache und fortfahre: „Ich kann es nämlich nicht ab, wenn sich Mama und Papa dann sowieso irgendwann wieder in die Fresse hauen!“

Weihnachtsgeschichten im Unterricht

Ein heftiger Satz. Lange habe ich mir überlegt, ob ich den so meinen Schülerinnen und Schülern sagen kann. Weil die Reaktionen großartig sind, beschließe ich, das von nun an jedes Mal zu tun. Immer dann, wenn ich mit einem neuen Kurs zum ersten Mal über das Thema Weihnachten spreche. Auf meine Art und Weise: Ich lese Geschichten vor, die im weitesten Sinn mit Weihnachten zu tun haben. Meine Schülerinnen und Schüler lauschen gebannt. Und dann kommen sie miteinander ins Gespräch, tauschen sich über Weihnachten aus, über das, was sie damit verbinden, was sie hoffen, erwarten. Und damit, was sie an Weihnachten selbst schon erlebt haben.

Zitat eines Schülers

So kam auch dieses Zitat zustande, dass ich meinen Schülerinnen und Schülern zumutete. Das harte Wort von der Kiste Bier und Mama und Papa, die sich irgendwann an Weihnachten „sowieso irgendwann wieder in die Fresse hauen“ ist ein Zitat. Ein Satz, den ein 16jähriger Schüler voller Überzeugung sagte. Vielleicht nicht unbedingt, weil er tatsächlich seit Jahren,

wie sein „immer“ suggerierte, eine Kiste Bier auf sein Zimmer stellte – dafür war er dann doch zu jung. Aber vielleicht, weil er sich seit Jahren so fühlte. Und möglicherweise seine Eltern auf die immer selbe Weise erlebte.
Ausgerechnet an Weihnachten

Na dann: „Frohe Weihnachten“, denken Sie jetzt vielleicht etwas irritiert. Irritiert waren auch meine Schülerinnen und Schüler. Zumindest starrten zig Paar Schüleraugen mich irritiert an. Lesen konnte ich ihn ihnen. „Das kann doch nicht sein! Ausgerechnet an Weihnachten! Weihnachten – das Fest der Liebe, der Familie. Das Fest, an dem Gott den Menschen das größte Geschenk macht, was es geben kann: das Fest nämlich, an dem Christen feiern, dass Gott einer von uns geworden ist. Und dann Streit, sogar handfeste Auseinandersetzungen in der Familie?“

Betroffenes Schweigen

Die meisten Schülerinnen und Schüler konnten es nicht fassen. Und brachten dies in einer extrem lebendigen Diskussion auch zum Ausdruck. Ein paar Schülerinnen und Schüler allerdings hielten sich mit dem Diskutieren deutlich zurück, manche schwiegen, einige wenige starrten gedankenverloren ins Leere. Bevor Sie entgegnen: Ist das nicht in jeder Unterrichtsstunde so? Dass sich Schülerinnen und Schüler aus dem Unterrichtsgespräch „abmelden“, weil es sie einfach nicht interessiert? Natürlich haben Sie recht. Aber nicht in diesem Fall. Diese Schülerinnen und Schüler zogen sich nicht zurück, weil sie das Ganze nicht interessierte. Im Gegenteil: Sie zogen sich zurück, weil sie betroffen waren. Schrecklich!

Liebe, Geborgenheit und Zuneigung

Aber auch ein Ansporn! Wenn es also nachweislich Menschen gibt, die an Weihnachten nichts von der weihnachtlichen Freude erleben, denen Streit, Hass, ja, sogar Gewalt widerfährt, dann muss das einfach Konsequenzen haben. Und so stellt sich die Frage: Was kann ich dem entgegensetzen? Was kann ich dazu beitragen, damit Menschen, die ich kenne, ein ganz kleines bisschen positive Weihnachtserfahrungen machen, ein bisschen Weihnachtsfreude erleben? Wie kann ich ihnen ein ganz klein wenig Liebe, Geborgenheit und Zuneigung schenken?

Eine von vielen Möglichkeiten

Allein die Frage ist bereits ein Schritt in die richtige Richtung, ein Schritt zur Lösung. Das gilt auch dann, wenn pauschale Antworten letztlich nicht weiterführen. Eine von sicherlich vielen Möglichkeiten: über das Lesen von Weihnachtsgeschichten, die es nahezu ohne Ende gibt, miteinander ins Gespräch zu kommen. Und auf diese Weise zu einer Bewusstmachung der Problematik beizutragen.

Geschichten mit wunderbarer Wirkung

Auf eine dieser wunderbaren Geschichten, und zwar auf „Die Falle“ von Robert Gernhardt, habe ich Sie auf dieser Webseite bereits am 13. Dezember, dem Geburtstag Gernhardts, hingewiesen. Eine andere werde ich Ihnen am Heiligen Abend vorstellen, ebenfalls hier, „in diesem Theater“. Geschichten, die nachdenklich machen. Wunderbare Geschichten, die oftmals auch eine wunderbare Wirkung haben. Etwas, was hervorragend zur Weihnachtszeit passt.

Momentaufnahmen, kurze Episoden in den Medien, flüchtige Eindrücke – und alles rauscht einfach vorbei? „Auch das noch“ zeigt die Skripte (leicht überarbeiteter) Rundfunkbeiträge aus dem öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Manche wurden sogar speziell für Heaven On Air geschrieben. Frei nach dem Motto: einfach mal einen Moment innehalten.

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