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Heinzmann, Stefanie – Carry The World

Manchmal kann es ganz, ganz schnell gehen: 2005 sang Stefanie Heinzmann noch bei der schweizer Mundart-Rockformation BigFisch und landete mit 2Chumm ins Wallis” einen Hit. Allerdings nur regional, nämlich im Schweizer Kanton Wallis. Ende 2007 nahm Stefanie

SSDSDSSWEMUGABRTLAD

auf Drängen ihres Bruders Claudio an Stefan Raabs Casting-Wettbewerb SSDSDSSWEMUGABRTLAD teil. Die älteren unter uns erinnern sich, den jüngeren sei gesagt: Der Wettbewerbstitel persiflierte andere Castingshows und bedeutete so viel wie “Stefan sucht den Superstar, der singen soll, was er möchte und gerne auch bei RTL auftreten darf“. Stephanie zog ins Finale ein, das sie Anfang Januar 2008 gewann. Dort sang sie erstmals den Song „My Man Is A Mean Man“, der am Tag nach dem Finale bereits auf einer EP veröffentlicht wurde. Im März erschien ihr erstes komplettes Album „Masterplan“, das, wie „My Man Is a Mean Man“ in Deutschland mit Gold ausgezeichnet wurde. Von Start der Casting Show bis zur ersten eigenen CD in gut und gerne fünf Monaten – schneller geht es kaum.

Carry The World

Hinzu kommt: Im Gegensatz zu vielen Gewinnern einer Castingshow ist Stefanie auch Jahre danach erfolgreich. Aktuell ist sie mit einer Single unterwegs, die wie auf den Jahresanfang zugeschnitten zu sein scheint: „Carry The World“.
Mit dem Gedanken, die Last der ganzen Welt auf die eigenen Schultern zu nehmen, also quasi allein die ganze Welt zu retten, hat der Song allerdings wenig im Sinn. So heißt es:

„Du sagst immer wieder, dass du Schatten in deinem Herzen trägst.
Du sagst mir, du denkst, nie zu genügen.
Es ist schwer zu leben ohne ein kleines bisschen Liebe.
Du brauchst jemanden. Wir alle brauchen jemanden
Ganz allein, ganz allein schaffen wir es nicht.“

Depression und Optimismus

Das klingt nach tiefer Melancholie, auch ein wenig nach Niedergeschlagenheit und Depression. Zu groß, zu mächtig und – im wahrsten Sinn des Wortes – zu schwerwiegend bedrücken der Alltag und das tägliche Leben. Doch es bleibt nicht bei der bloßen Feststellung. Dazu ist Stefanie Heinzmann ein viel zu optimistischer Mensch. Und deshalb verändert sich auch im Song die Stimmung, setzt die Sängerin dem Katzenjammer Hoffnung entgegen. Und das Versprechen:

„Oh, ich werde da sein, um die Welt zu tragen.
Wenn du einen Freund brauchst, dann trage ich die Welt.
Auch wenn du die Nacht nicht überstehen scheinst, versichere ich dir:
Es wird alles wieder gut!“

Licht im Dunklen

An anderer Stelle heißt es:

„Es ist schwierig, ein wenig Licht in die Dunkelheit zu bringen.“

Aber das heißt noch lange nicht, dass es nicht gelingen kann. Mit ein bisschen Ausdauer, mit ein bisschen Gottvertrauen und mit der Unterstützung durch Freunde und Freundinnen. Richtige Freunde, wohlgemerkt. Menschen, mit denen ich mich blind verstehe; mit denen ich über alles reden kann; von denen ich weiß: Sie gehen für mich durch dick und dünn, sie sind für mich da in allen Lebenslagen. Sie halten mich, richten mich auf, wenn ich wirklich einmal abgestürzt sein sollte, und helfen mir zurück, wenn ich mich hoffnungslos im Wirrwarr dieser Welt verirrt habe. Eine Handvoll solcher Freundinnen und Freunde habe sie, sagt Stefanie Heinzmann – vielleicht! So ganz genau weiß man das ja erst, wenn sie in schwierigen Situationen tatsächlich da sind. Von ihrer besten Freundin weiß Stefanie Heinzmann das genau. Mit ihr und deren zwei Töchtern verbringt sie die meiste Zeit, wenn sie daheim im romantischen, beschaulichen Wallis ist.

Stefanies dunkle Phase

Doch das war nicht immer so. Stefanie Heinzmann hat in ihrem Leben selbst auch dunkle Phasen durchgemacht. Die Schlimmste: Als sie sich mit 17 Jahren nach einem schweren Bandscheibenvorfall völlig überfordert fühlte, wies sie sich selbst in eine psychiatrische Klinik ein. Zu erkennen, dass man mit einer Situation nicht mehr zurechtkommt, ist das Eine. Dann die Entscheidung zu treffen, andere um Hilfe zu bitten, ist das Andere. Viele Menschen würden sich schämen, um Hilfe zu bitten, sagt Stefanie Heinzmann. Sie wise nicht, warum das so sei. Schließlich gehe es darum, die Situation zu verändern, in der man gerade ist. Schaffe man das nicht allein, sei es in Ornung und völlig normal, andere um Hilfe zu bitten.

Ich bin für dich da

In schwierigen, scheinbar ausweglosen Situationen auf tatkräftige Unterstützung vertrauen zu können, zu wissen, da ist jemand, der mir hilft und für mich da ist – das ist vielleicht das größte Geschenk, dass sich Menschen untereinander machen können. Es ist aber auch genau die Aussage, mit der sich im Alten Testament Gott dem Mose gegenüber vorstellt: Jahwe. Übersetzt: “Ich bin der, der für euch da ist.”

Mit Optimismus ins neue Jahr

Die meisten Menschen starten voller Optimismus in ein neues Jahr: Das alte Jahr ist vorbei. Und selbst wenn man weiß, dass das gar nicht stimmt: Auch die alten Probleme scheinen „von gestern“ zu sein, scheinen hinter einem zu liegen. Ein Schnitt wie eben ein Jahreswechsel setzt Kräfte frei für neue Vorhaben. Dass die vielen guten Vorsätzen – mit dem Rauchen aufhören, gesünder essen, mehr Sport treiben, ein paar Kilo herunterbekommen, das Auto öfter stehenlassen, etwas mehr Zeit mit Familie und Freunden verbringen etc. – meist schon im Februar vergessen sind, ist nichts Neues. Schließlich stehen die meisten dieser Vorsätze bei den meisten Deutschen Jahr für Jahr auf der Liste.

Vorsatz: Ich trage ein Stückweit deine Welt

Vielleicht hat es ein anderer Vorsatz da leichter: der Vorsatz, im neuen Jahr für die Familie und Freunde, für Verwandte und Bekannte mehr als bisher da zu sein. Und in schwierigen Situationen zu helfen, die Last der Welt mitzutragen. Denn schließlich kennt jeder Situationen, in denen die Probleme des Alltags zu groß zu werden scheinen. In solchen Momenten spürt man: Allein schaffe ich das nicht. Und ist froh, wenn es dann einen Menschen gibt, der einen Teil der Last übernimmt. Vielleicht für einen längeren Zeitraum, vielleicht reicht auch schon ein kurzer Augenblick, in dem man sich neu orientieren kann. Das Schönste aber: Wer anderen Hilfe zukommen lässt und ihnen in schwierigen Situationen unterstützt, hilft nicht nur diesen Menschen. Sondern er trägt auch dazu bei, dass unsere Welt ein kleines bisschen besser wird.

Die Welt von denen, die Hilfe brauchen, ein bisschen mitzutragen – das wäre ein Vorsatz, an dem man sich an jeden tag des neuen Jahres versuchen kann. “Carry The World”: Stefanie Heinzmann.

Der bei Radio Salü gesendete Beitrag ist eine Kurzfassung dieses Textes.

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