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Judas Priest – Breaking The Law

„Breaking The Law“ von Judas Priest ist einer der bekanntesten Metal-Songs weltweit. Die Bedeutung dieses Songs lässt sich nur verstehen, wenn man die Situation der 1980er Jahre in Großbritannien kennt. 1980 veröffentlichte die Band ein Album mit dem doppeldeutigen Titel „British Steel“. Einerseits war das ein Schlag voll auf die Zwölf: denn die britische Stahlbranche war Symbol eines unglaublichen wirtschaftlichen Niedergangs. Damit verbunden:
Stellenabbau, Jobverlust, massive Einschnitte bei den Sozialleistungen.
Gleichzeitig war der Albumtitel aber auch so etwas wie eine Zusicherung: Judas Priest bleiben so hart und solide wie zuvor. Und liefern mit einem Song wie „Breaking The Law“ gleich die Reaktion auf die britische Wirtschaftsflaute.

Die Rasiermesser-Metapher

In den frühen 1960er Jahren verpasste der Musiker Joe Higgs seinem damaligen Schützling Peter Tosh einen wegweisenden Namen: Weil der spätere Reggae-Superstar nämlich sein Temperament kaum zügeln konnte und in seinen Songs scharfzüngig, meistens kämpferisch und oftmals hitzig zu hören war, verpasste ihm Higgs einen passenden Beinamen: „Stepping Razor“ – wandelndes Rasiermesser. Wer spontan an einen Westernhelden denkt, der dem Barber beim Rasieren den gespannten Colt an den Bauch drückt, hat eine ungefähre Vorstellung davon, was die Metapher von einer Rasierklinge ausdrücken soll: Gefahr, Schmerz und meist etwas sehr Radikales.

Cover-Artwork: Rasierklinge als Symbol

Das gilt auch für das siebte Album der britischen Metaller Judas Priest: 1980 präsentieren sie auf dem Cover ihres Albums „British Steel“ eine Rasierklinge und beschrieben damit bereits die Richtung des neuen Albums. Gefährlich auch, wie fünf Finger die Klinge an den messerscharfen Schnittstellen halten. Heute gehört das in die Kategorie „bitte nicht nachmachen“.

Breaking The Law Bedeutung – Step by Step

Gelten mag das auch für den Song „Breaking The Law“. Rob Halford singt:

„Da stand ich nun, völlig am Ende, ohne Arbeit und niedergeschlagen.
Innerlich ist es so frustrierend, während ich von Stadt zu Stadt treibe.
Ich habe das Gefühl, dass es niemanden interessiert, ob ich lebe oder sterbe.
Also kann ich genauso gut anfangen, etwas Schwung in mein Leben zu bringen.“

Britische Wirtschaftskrise der 1980er-Jahre

Hintergrund des Songs sind die tiefen wirtschaftlichen Verwerfungen Anfang der 1980er Jahre: Immer mehr Industriebetriebe geben auf, immer mehr Menschen verlieren ihre Jobs. Hinzu kommt ein Kahlschlag des Sozialsystems: Verschärfung des Zugangs zu Sozialhilfen und generelle Kürzungen, Verkäufe von Sozialwohnungen an die Mieter, die Einführung von marktwirtschaftlichen Elementen bei Gesundheit und Rente. Da halfen auch große, zum Teil landesweite Streiks nicht weiter, zumal die Regierung quasi im selben Atemzug die Rechte der Arbeitnehmervertretungen rigoros beschränkte. Vor allem in den Industrieregionen des Vereinigten Königreichs waren die sozialen Auswirkungen dieser Politik spürbar und ließen das Aggressionspotential sprunghaft anwachsen. So auch in den West Midlands und der zweitgrößten Stadt des UK, Birmingham, der Heimat von Judas Priest.

Entstehungsgeschichte des Songs

Wovon das Herz voll ist, davon quillt der Mund über, heißt es sinngemäß im Matthäusevangelium (Mt 12, 34). Wie sehr den Musikern die sozialen Probleme bis hin zu Streiks, Massendemonstrationen und Krawallen auf den Nägeln brannten – davon zeichnet die Entstehungsgeschichte von „Breaking The Law“ ein klares Bild: Kaum war das Hauptriff des Songs gefunden, sang Halford schon den Refrain „Breaking the Law, Breaking the Law“. Nur etwa eine Stunde später stand der gesamte Song, ausgenommen von einigen wenigen Ergänzungen und Nachbesserungen, die Halford in einem späteren Schreibprozess übernahm.

Rob Halfords Enttäuschte Hoffnungen im Song

Sänger Rob Halford, Gitarrist Glenn Tipton und Bassmann Ian Hill waren damals um die 30 Jahre alt, hatten zum Teil vor ihrer Bandkarriere in Fabriken gearbeitet und kannten das knallharte Arbeitermilieu aus eigener Anschauung. Musik war damals einer der wenigen Auswege aus dem Fabrikszenario. Denn sie bot vor allem die Hoffnung auf ein besseres, einfacheres Leben. Umso deutlicher ist die Enttäuschung von Hoffnungen im Song zu spüren:

„So viel zur goldenen Zukunft – ich komme gar nicht erst in Gang!
Jedes Versprechen wurde gebrochen, in meinem Herzen herrscht Wut.
Ihr wisst nicht, wie das ist! Ihr habt keine Ahnung!
Wenn ihr es wüsstet, würdet ihr genau dasselbe tun.“

Musikalische Umsetzung: Einfaches Gitarrenriff

Mehrfach hintereinander skandiert Halford:

„Das Gesetz brechen, das Gesetz brechen!“

Den Refrain unterstreicht ein Gitarrenriff, das technisch nicht besonders anspruchsvoll ist, dafür aber die Botschaft durch mehrfache Wiederholungen wie eine Dampframme ins Hirn prügelt.

Auf den ersten Blick wirkt der Song wie die Verherrlichung von Kriminalität und wie ein Aufruf zur Gewalt. Aber das ist er nicht wirklich. Stattdessen ist „Breaking The Law“ ein Hilferuf von Menschen, die ihre Lebensperspektiven verloren haben: vor allem für junge Menschen sind die Hoffnung auf Aufstieg, Wohlstand und Sicherheit zerstört; reihenweise hat die Politik Versprechungen gebrochen, so dass Betroffenen den Glauben an Verbesserungen zum Besseren hin verloren haben. Zur Enttäuschung gesellt sich eine immense Ratlosigkeit: Wie soll das weitergehen?

Niemand interessiert sich für uns

Wer keine Arbeit hat, dem fehlen finanzielle Mittel und damit auch die Möglichkeiten zur sozialen Teilhabe: Konzert- und Kinobesuche, Essen gehen, gemeinsame Besuche im Pub? Ohne Moos nix los! Das alles aber scheint, so der Songtext, niemanden zu interessieren. Deshalb löst sich auch das Vertrauen in die vielbeschworene zwischenmenschliche Solidarität in Wohlgefallen auf. Und weil man allein nicht mehr weiterkommt, wird vermeintlich das „Brechen des Gesetzes“ zu einer Notwendigkeit innerhalb dieses unheilvollen gesellschaftlichen Systems.

Biblische Motive: Leidende Gerechte

Auch wenn der Song beim Alltag vieler Briten in den frühen 1980er Jahren ansetzt, geht er doch weit über die historische Situation hinaus. So stellt er indirekt die Frage, wie viel Unrecht ein Mensch ertragen muss, bevor er sich dagegen wehrt – ein Motiv, dass die Bibel in Form des „leidenden Gerechten“ mehrfach anspricht: Hiob, ein gerechter Mann, verliert unverschuldet seine Familie, seinen Besitz und seine Gesundheit. In den Psalmen werden gottesfürchtige Menschen von Feinden bedrängt, obwohl sie keine Schuld auf sich geladen haben (vgl. Psalm 22 und 69). Der Prophet Jeremia, also jemand, der „im Auftrag des Herrn unterwegs“ ist, wird wegen seiner unpopulären Botschaft beschimpft, körperlich attackiert und kurzzeitig sogar in eine Zisterne geworfen.

Glaubenshaltung trotz Lebenskrise

In allen drei Fällen ist die Reaktion eindeutig: Trotz des Leides, das alle Personen zu ertragen haben, hadern sie zwar mit ihrem Schicksal, halten aber an ihrem Glauben an Gott genauso unbeirrt fest wie an ihrem Vertrauen darauf, dass Gott alles zum Guten wendet, unbeirrt fest.

Warum der Song keine Lösungen bietet

Eine derartige Antwort gibt „Breaking The Law“ nicht. Genau genommen gibt der Song überhaupt keine Antworten. Er kann und will auch keine Lösungen anbieten. Trotzdem ist der Song auch rund 45 Jahre nach seiner Entstehung nicht überholt. Zugegeben: Seit „Breaking The Law“ 1980 erschien, hat sich die wirtschaftliche, politische und soziale Situation in Großbritannien längst verändert. Erstaunlicherweise ergeben sich aber zwischen dem UK damals und Deutschland heute erstaunliche Parallelen:

Breaking The Law: Parallelen zu Deutschland 2026

• Derzeit gibt es in Deutschland etwa drei Millionen Arbeitslose – ähnlich viele wie im UK in den 1980er Jahren;
• seit mehreren Jahren erlebt Deutschland eine massive Wirtschaftsflaute;
• die Industrie baut Arbeitsplätze im Rekordtempo ab;
• die Sozialsysteme erweisen sich immer mehr als nicht finanzierbar.
• Selbst wenn das soziale Netz deutlich ausgeprägter ist als im UK der 1980er Jahre, droht dennoch ein massiver Sozialabbau, der die Betroffenen zumindest verunsichert.
• Als eine von vielen Antworten gibt es zwar keinen „Aufruf zur Gewalt“; aber Populisten mit großen Sprüchen bei sehr kleinen Lösungen und politische Kräfte an den Rändern der Demokratie erhalten deutlichen Zulauf.

Fazit: Gesellschaftliche Verantwortung heute

Deshalb ist „Breaking The Law“, wenn auch bei veränderten Inhalten, auch bei uns heute eine Bestandsaufnahme der gesellschaftlichen Sprengkräfte und eine Protesthymne gegen den Status Quo. Gleichzeitig ist der Song ein Ruf nach Zusammenhalt, ein dringender Appell, Menschen nicht durch ein Raster fallen zu lassen und sie nicht in die Verzweiflung zu treiben. Ein Aufruf, der sich an alle Verantwortlichen in Staat und Gesellschaft richtet. Und jeden einzelnen zu einem verantwortungsvollen, menschlichen Handeln gegenüber Betroffenen auffordert. Und ganz nebenbei gilt auch hier der alte biblische Grundsatz: „Nicht an ihren Worten, sondern an ihren Taten werdet ihr sie erkennen!“ (frei nach Mt 7,16-20)

Judas Priest – „Breaking The Law“

Der bei Classic Rock Radio gesendete Beitrag ist eine Kurzfassung dieses Textes.

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