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Santos, Nico – Optimist

Schlicht „Santos“ nannte sich der als Nico Santos bekannte Sänger, als er im Oktober letzten Jahres sein erstes deutschsprachiges Album veröffentlichte. Jetzt ist er wieder mit Vor- und Nachnamen am Start – auf Englisch mit seiner Single „Optimist“. So, wie man den in Bremen geborenen, aber auf Mallorca aufgewachsenen Sänger kennt: nämlich mit einem scheinbar seichtem Popsong, der aber jede Menge Tiefe hat.

Optimist

Nico singt:

„Ich sah, wie das Wasser stieg,
sah, wie einige Menschen gingen.
Ich versuchte, gegen die Strömung anzukämpfen,
aber ich kann den Lauf der Flüsse nicht kontrollieren.
Der Wettermann redet ununterbrochen.
Ich sehe die Sonne, aber ich vermisse den Schnee.
Ich fühle mich wie ein wandelnder Toter.
Denn wenn ich im Schnee bin, vermisse ich die Küste.“

Erkennen der eigenen Ohnmacht

Jeder kennt das: Plötzlich gibt es eine Situation im Leben, in der man nichts mehr in der Hand hat und seine eigene Ohnmacht erkennt. Oft reicht es sogar schon, mit seiner gegenwärtigen Situation unzufrieden zu sein. Das, was andere haben und was man selbst vielleicht haben könnte, erscheint viel reizvoller zu sein. Grund genug, einfach zu kapitulieren?

Tendenz zur Unzufriedenheit

Nein, singt Nico Santos. Denn diese Tendenz zu einer gewissen Unzufriedenheit ist nur allzu menschlich. Im Song heißt es: Und so gilt:

„Ich werde immer 100 Gründe finden, wütend zu sein,
1000 Gründe, traurig zu sein
über all die Chancen, die ich verpasst habe.
Ich könnte meinen Tag draußen in der Dunkelheit verbringen
und die Traurigkeit mein Herz brechen lassen,
die Welt so sehen, wie sie ist.“

Hadern mit vergebenen Möglichkeiten

Vielleicht ist genau das das Hauptproblem unserer Zeit: sich viel zu wenig über das zu freuen, was man erlebt, stattdessen mit dem zu Hadern, was man verpasst hat; zu resignieren, sich dem vermeintlich Übermächtigem zu ergeben. Und dadurch dazu beizutragen, dass der Blick auf die Welt, auf das persönliche Umfeld noch negativer wird.

Es geht auch anders

Mit „Optimist“ setzt Nico Santos dieser Haltung eine Alternative entgegen:

„So will ich nicht leben.
Heute werde ich ein Optimist sein.
Ich glaube immer noch an offene Fenster.
Jeder Tag ist ein brandneuer Anfang.
Manchmal ist die Wahrheit einfach.
Gute Dinge gehen nicht immer zu Bruch.
Und groß zu träumen, ist gar nicht so schwer.“

Begründete Hoffnung

Dabei ist Optimist zu sein keine blinde Hoffnung. Es ist eine bewusste Entscheidung, sich von widrigen Umständen nicht unterkriegen zu lassen, sich dagegen zu wehren. Aber auf eine besondere Weise: Schon alte buddhistische Lehren halten es für falsch, hauptsächlich um Vergangenes zu kreisen oder das, was in der Zukunft vielleicht geschehen könnte. Denn das fortwährende Denken an negative Ereignisse in der Vergangenheit ist eine Last. Sie blockiert und lähmt nur die eigene Tatkraft. Sie führt zu einer existenziellen Erschöpfung und zu unnötigem Leiden, wie es der Buddhismus nennt.

Achtsamkeit und Gelassenheit

Stattdessen wäre es besser, ganz bei sich selbst im Hier und Jetzt zu sein, sein Leben voll und ganz wahrzunehmen – bewusst und achtsam, wie die moderne Psychologie formuliert. Das Christentum fasst dies im Gebet um Gelassenheit zusammen: Befreiung geschieht nicht durch immer mehr Kontrolle, sondern durch Vertrauen und Loslassen. Der innere Selbstkontrolleur eines Menschen muss sterben, damit Raum für ein neues, freieres Leben entsteht.

Von der Vergangenheit lösen

Sich Schritt für Schritt von negativen Gedanken und der belastenden Vergangenheit zu lösen, stattdessen aktiv seine Zukunft zu gestalten, ist eine bewusste Entscheidung. Die garantiert zwar keinen perfekten Ausgang, aber sie verhindert, in der Vergangenheit steckenzubleiben. Genau diese Haltung – nicht aufzugeben, sondern den Weg nach vorne zu wählen – macht laut Nico Santos einen Optimisten aus. Und genau zu dieser Lebenshaltung lädt der Song ein:

Nico Santos – „Optimist“

Der bei Radio Salü gesendete Beitrag ist eine Kurzfassung dieses Textes.

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