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Bausa, The – Magnetic

Was hat „Magnetic“ von The Bausa mit Jim Knopf zu tun? Nichts. Oder vielleicht doch eine ganze Menge. Denn: Auf ihrer Reise nach China begegnen Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer, einer Reihe von ungewöhnlichen Lebewesen und, selbstredend, ebenso ungewöhnlichen Abenteuern. Die Meeresprinzessin Sursulapitschi ist eines dieser ungewöhnlichen Lebewesen. Der sollen die beiden Bewohner Lummerlands aus der Pitschi, Entschuldigung, Patsche helfen: Denn irgendetwas ist am Magnetberg Gurumusch defekt, so dass das Unterwasserreich von Sursulapitschi und ihrem Vater Meerkönig Lormoral nicht mehr beleuchtet wird. Natürlich sind die beiden Vollbut-Schrauber bereit zu helfen.

Michael Endes Magnetberg

Wer Michael Endes Kinderbuch, das in Wirklichkeit auch für Erwachsene geschrieben ist, gelesen hat, weiß, wie es weitergeht: Natürlich schaffen es die beiden binnen weniger Leseseiten, die beiden Pole des Magnetbergs wieder in Betrieb zu nehmen. Dummerweise wird daraufhin die Anziehungskraft des Magnetfelsens so stark, dass die Lokomotiven Emma und Molly, beide bekanntermaßen aus Metall, so bombenfest an den Felsen gezogen werden, dass sie sich keinen Zentimeter mehr bewegen können. Ein klassisches Dilemma: Entweder bleibt das Meer dunkel und die beiden Freunde können mit ihren Lokomotiven den Magnetfelsen wieder verlassen. Oder aber die Magnetkraft bleibt intakt, das Meer leuchtet, aber die beiden Lokomotiven pappen weiterhin „felsenfest“ am Berg. Natürlich finden Lukas und Jim auch aus dieser misslichen Situation einen genialen Ausweg. Den allerdings verraten wir an dieser Stelle nicht.

The Bausa – Magnetic

Zugegeben, von Jim Knopf und Lukas, dem Lokomotivführer, eine Überleitung zu „The Bausa“ zu finden, fällt nicht gerade leicht. Und weiterhin zugegeben: Der Einstieg mit den beiden Lokomotivführern folgt eher einer spontanen Idee. Die aber wurde ausgelöst durch den Songtitel, um den es in diesem Text geht: „Magnetic“.

Für denjenigen, dem das Trio „The Bausa“ bislang kein Begriff ist: 2021 kamen die drei norwegischen Schüler Philip Bergenstjerna, Edvard Bræin Groth, Fredrik von Krogh in die – nach deutschen Verhältnissen – Oberstufe.

Russmusikk

Kurze Zeit später begannen die drei ihren musikalischen Weg mit Russmusikk. Mit dem norwegischen Nachbarland hat diese Musik allerdings nichts zu tun: Ursprünglich aus Dänemark kommend bezeichnen der Russ oder die Russefeiring (Russfeiern) – stark vereinfacht – die Feiern der Abiturienten in Norwegen. Natürlich mit speziellen Russmützen, eigens angefertigten Ausweisen, Bildern… und jeder Menge Alkohol und auch Drogen. Ach ja, und natürlich einer eigens für diesen Anlass kreierten Musik.

Mehrfach Russ feiern: einfach mal durchfallen

Nicht ernstzunehmender Hinweis: Theoretisch können Schülerinnen und Schüler mehrfach an diesem Russ-Spektakel teilnehmen. Da die Russefeiring in der Regel im Herbst vor der „Abiturprüfung“ beginnen und erst im späten Frühjahr, und zwar nach den Prüfungen, enden, muss man nur zu ausgiebig feiern und anschließend durch die Prüfung rasseln – schon darf man im nächsten Jahr erneut an den Russefeiring teilnehmen. Sollte man aber wohl lieber lassen. Und auch nicht damit spekulieren, dass es in Norwegen keine Obergrenze für das Ablegen der „Abiturprüfung“ gibt, man als privatist , also als Externer, immer wieder zur Prüfung zugelassen wird. Und bevor uns ein Shitstorm erreicht, schnell der Nachsatz: Liebe Schülerinnen und Schüler IN NORWEGEN – bitte nicht!!!

Der Weg zu The Bausa

Zurück also zu Philip Bergenstjerna, Edvard Bræin Groth, Fredrik von Krogh und ihrer Russmusikk: Weil die extrem eng miteinander waren und sich wie Brüder fühlten, verpassten sie ihrem Trio 2021 den Namen Brødrene Bausa („Die Bausa Brüder“). 2022 gelangte ihre Single „Mawbys“ in die norwegischen Charts. Rund um den Schulabschluss der drei jungen Norweger aus Bærum konnte sich „Turné“ sogar bis zu Platz 2 vorkämpfen und wurde 2023 für den norwegischen Musikpreis „Spellemannprisen“ als „Lied des Jahres“ nominiert.

Neben diversen weiteren Songs in ihrem Heimatland veröffentlichten „The Bausa“, wie die drei sich jetzt nannten, eine Reihe von Songschnipseln auf Insta und TikTok, die wie die sprichwörtliche Bombe einschlugen: Binnen einer Woche konnten die drei auf über 25 Millionen Views verweisen. Und damit verbunden die sich ständig wiederholende Frage: Wann kommen die vollständigen Songs?

The Bausa – Magnetic: Details

Antwort: Jetzt. Genauer: Mit „Magnetic“, bei dem The Bausa spürbar professioneller klingen: Sie singen jetzt auf Englisch und kreieren eine spannende Vintage-Mischung aus Disco, Funk, House, wenigen Jazz-Elemente und einem skandinavisch geprägten House-Groove. Wer will, findet im Text, so kurz und knapp er ist, gleich zwei Bedeutungsebenen. Da heißt es:

„Sag mir, warum deine Liebe mich so fühlen lässt.
Es ist verrückt, dass du immer alles hinterfragst.
Das spielt sich in meinem Kopf ab.
Ich opfere meine Zeit, um dich zu erreichen.
Zieh mich nah an dich heran, magnetisch!“

Die magnetische Anziehung in The Bausa – Magnetic

Das war es auch schon. Und ließe sich zusammenfassen zu der knappen Beschreibung: Ein Mensch fühlt sich nahezu wie besessen von einer anderen Person angezogen. Deshalb wendet er Zeit auf in der Hoffnung auf mehr Nähe. Leider reagiert die andere Person eher zurückhaltend, verlässt sich weniger auf eigene Gefühle, sondern schaltet immer wieder den Verstand ein. Dementsprechend verhält sie sich unbestimmt, unbeständig und abwartend. Soweit der Text. Aus die Maus. So ist nun mal das Leben. Nicht immer, aber ziemlich oft.

Magnetic – Magnetisch angezogen

Da die zweite Ebene des Songtextes im Bereich des Subtextes angesiedelt ist, wird sie erst bei einer genaueren Betrachtung sichtbar. Denn zwischen den Zeilen definiert der Song so etwas wie tiefe, echte Liebe. Im Song ist das die Verbindung zweier Menschen, die sich – im Idealfall gegenseitig – anziehen und eine so feste Verbindung eingehen, dass sie nicht mehr voneinander getrennt werden können – ähnlich wie die Verbindung der beiden Lokomotiven der Lokomotivführer am Magnetberg.

Opfer bringen

Als wesentliche Eigenschaft, dass diese Beziehung dauerhaft lebt, beschreibt der Song die persönliche Bereitschaft, Opfer zu bringen.
Dass Zweifel bleiben oder hin und wieder neue Zweifel und Irritationen auftauchen, ist ein normaler Bestandteil einer Beziehung zwischen zwei Menschen.
Wer sich aber vorbehaltlos auf einen anderen Menschen einlässt, findet die Erfüllung seiner Sehnsüchte. Oder eben das große Glück. Vielleicht sogar ein Leben lang.

Die Sehnsucht nach Glück

Und ganz nebenbei: sich zu opfern, eine Form von magnetischer Anziehung und die Erlösung aus einem Schwebezustand, sprich: die Erfahrung ganz großen Glücks – letztlich sind dies die Grundmuster, die in allen Liebesgeschichten vorkommen. Übrigens auch in allen Glaubenssystemen. Die allerdings verwenden zumeist eine deutlich religiösere Sprache: Die bezeichnen die Sehnsucht nach Glück vielfach als „Erlösungsbedürftigkeit“ und machen Gott zu dem einzigen, das oder besser der endgültig und dauerhaft diese Sehnsucht stillt. Denn nach religiösen Überzeugungen ist endgültiges, endloses und dauerhaftes Glück erst in der Nähe Gottes erreichbar.

„Magnetic“ liefert einen willkommenen Anlass, um über seine persönlichen Sehnsüchte nachzudenken, sich dadurch selbst besser zu verstehen und sich möglicherweise in seinem Leben neu zu orientieren.

The Bausa – „Magnetic“

Der bei Radio Salü gesendete Beitrag ist eine Kurzfassung dieses Textes.

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