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Aris, Tiffany – Find Me

„Depressiv, aber hoffnungsvoll“ – so beschreibt Tiffany Aris ihre Musik – und damit auch ihre Single „Find Me“. Seit vier Jahren performt die gebürtige Hamburgerin und heutige Wahlberlinerin ihre Songs. Und, ja, Tiffany Aris ist kein Künstlername. Die 28-jährige heißt tatsächlich so.

Fanta Vier und eigene Songs

Aktiv im Musikbusiness ist die Sängerin im Prinzip seit ihrer Kindheit. Als Mitglied eines Kinderchores, so Tiffany in einem Interview mit dem MDR, sang sie bei Studioproduktionen der Fantastischen Vier mit. Als 14-jährige schrieb sie erste eigene Songs. Unmittelbar nach dem Abitur stand sie dann häufiger als Backing Sängerin am Studiomikrophon, konnte dabei auch eine Reihe von Kontakten in die elektronische Musikszene knüpfen. Eines ergab das andere: So schrieb sie zum Beispiel gemeinsam mit DJ Tiscore den Song „Fire To Smoke“, an dem sie auch als Feature-Sängerin mitwirkte und der im März 2021 erschien.

Begeisterung bei Alle Farben

Nicht zuletzt durch diesen Song wurde auch Frans Zimmer alias Alle Farben auf Tiffany aufmerksam, der vor allem ihr Songwriting förderte. Und ganz nebenbei bis heute von Tiffanys Stimme und ihrer professionellen Arbeitsweise schwärmt – zu Recht: Denn ihre Stimme ist kraftvoll und dynamisch und verleiht ihren Songs die nötige Menge Power, um sie zu kleinen Dramen werden zu lassen. (Kleiner Fun Fact am Rande: Siebenmal musste der alte Josua die Hörner blasen lassen, bis endlich die Mauern der Stadt Jericho einstürzten [Jos 6,1-21]. Mit der Stimmgewalt von Tiffany Aris hätte das vielleicht schneller geklappt… Aber lassen wir das lieber…)

Viel Songwriting für andere

Insgesamt 48 Songs soll Tiffany in den letzten Jahren für andere Künstlerinnen, Künstler und DJs geschrieben haben – darunter Dominic Neill ft TwoWorldsApart („Dancing In December“, 2023), Armin van Buuren, VIZE & Leony („City Lights“, 2024), Steve Aoki & Leah Kate („Talk About Love“, 2025), Kelvin Jones & MUPANI („If I Can’t Help You“, 2025) und Tokio Hotel („How To Love“, 2025), um nur einige zu nennen.

Scheu überwunden

Angeblich war es die Scheu vor dem Rampenlicht, die Tiffany Aris davon abhielt, selbst in den Vordergrund zu treten. Erst 2022 beschloss sie, endlich ihre eigenen Songs zu performen. „Stronger“ (2022) war zwar ein vielversprechender Auftakt, aber ihr „Still Here“ erreichte seit 2024 über 140 Millionen Views – denn der Song ist Teil des offiziellen Trailers des Blockbuster-Games „League Of Legends“. „Breathe“ (2025), „Vertigo“ (2025) und „Find Me“ (2026) waren ihre nächsten Schritte auf dem Weg zum Pop-Olymp. Was bei all diesen Songs und anderen, die Tiffany Aris geschrieben hat, auffällt, beschreibt sie selbst so:

„In den Strophen darf es dunkel werden, aber in den Hooks muss das Licht rein.
Dieses Gefühl von Größe, von Öffnung. Hoffnung ist immer Teil meiner Musik.“

Abgründe und trotzdem Hoffnung

Songs, bei denen erst auf den zweiten Blick deutlich wird, dass sie von Abgründen erzählen – von Depressionen, mentaler Instabilität, von dem, was Menschen innerlich zerbrechen lässt. Aus der Musik ziehe sie ihre Stärke und Kraft, so Tiffany Aris. Und die wolle sie an andere weitergeben – als Ermutigung, als Trost und deshalb eben immer mit einem Rest Hoffnung.

Live über mentale Gesundheit, ADHS und mehr

Genau das stellt Tiffany Aris derzeit live unter Beweis: Ab November weit ins nächste Jahr hinein ist in Stuttgart, Frankfurt, Berlin, Köln und Hamburg während ihrer ersten Headliner-Tour live zu sehen und natürlich zu hören. Der Tourtitel klingt ziemlich programmatisch, nämlich: „Healing Out Loud-Tour“. Die „Heilung laut auszusprechen“ bedeutet, offen und hörbar über das eigene seelische Befinden, über Verletzungen und Heilungen zu sprechen bzw. zu singen. Also: es geht um mentale Gesundheit, genau um das Licht in dunklen Zeiten, das letztlich Hoffnung schenkt. Um Themen wie Ängste, Selbstzweifel und ADHS geht es in vielen von Tiffanys Songs. Wenn man sie in eine Schublade stecken will, dann in die mit der Aufschrift: melodischer, mutmachender, ehrlicher Pop. Auch „Find Me“ macht da keine Ausnahme.

Tiffany Aris – Find Me

Tiffany singt:

„Ich weiß, dass du in der Dunkelheit suchst,
weiß, dass du das Licht nicht sehen kannst.
Auch wenn du dich noch so sehr bemühst –
dein Herz ist jedes Mal so gebrochen.“

Du kannst dich noch so sehr bemühen – das reicht einfach nicht aus. Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die sich redlich Mühe geben, aber nicht vorankommen. Entwaffnend, enttäuschend und beängstigend zugleich – tiefgreifende Emotionen, die da wachwerden.

„Jetzt hat sie ein schlechtes Gewissen“

In den 1970er Jahren nutzte Werbung eine ähnliche Situation gezielt aus: Sie zeigte die Hausfrau, die sich ein Bein ausriss, um alles perfekt zu machen. Allein: Sie kam aber nicht zum gewünschten Ergebnis. Die Wäsche wurde nicht flauschig, der Kaffee schmeckte nicht so brillant, wie er hätte schmecken können. „Mühe allein genügt nicht“, urteilte die Werbung. Oder orakelte: „Jetzt hat sie ein schlechtes Gewissen!“ Dabei hätte die geplagte Hausfrau es so leicht haben können: Hätte sie doch nur das „richtige Produkt“ gekauft. Ein Tadel, den sich die Unbelehrbare wirklich verdient hatte…

Kein Tadel, aber Verständnis

Ganz anders bei Tiffany Aris: Hier gibt es keinen Tadel, sondern Verständnis. Denn „Find Me“ ist keines dieser Liebeslieder, die von Enttäuschung, Trennung und dem Zurechtfinden in einer neuen Lebenssituation erzählen. „Find Me“ nimmt eine seltenere Perspektive ein: Es geht um das Versprechen, für einen Menschen da zu sein, der sich in seinem eigenen Gefühlschaos verirrt hat, jemand, der gerade allein nicht klar kommt.

Uraltes, wichtiges Motiv

Sich verloren zu haben – eine Situation, die es seit Menschengedenken gibt. Ein Problem, das nach Antworten sucht. Eine davon gibt schon vor über 2500 Jahren der biblische Psalm 23. Der sagt: Auch wenn du selbst gerade nicht mehr ein- noch aus weißt und dich wie in dunkelster Nacht fühlst: Es gibt einen, der trotzdem den Durchblick hat und dir weiterhelfen kann:

„Auch wenn ich gehe im finsteren Tal, ich fürchte kein Unheil;
denn du bist bei mir. Dein Stock und dein Stab, sie trösten mich.“

Klares Angebot

Tiffany Aris verändert die Perspektive, macht aus Gottvertrauen ein menschliches Angebot:

„Du denkst, ich sehe nicht, was du durchmachst.
Du fühlst dich allein. Aber ich werde für dich da sein.
Du weißt, wo du mich findest, wenn du ein bisschen Liebe brauchst.
Ich werde dein Silberstreif am Horizont sein, wenn du aufgeben willst.
Falls du eine Erinnerung brauchst: Du wirst mir nie zu viel sein!
Wenn du jemanden brauchst, werde ich jemand sein,
dem du vertrauen kannst.“

Und nur wenig später singt Tiffany:

Ich bin für dich da

„Wenn du niedergeschlagen bist, werde ich dich wieder aufrichten.
Für dich gibt es nichts, was ich nicht tun würde.
Wenn du eine Schulter zum Ausweinen brauchst,
Werde ich diejenige sein. Denn ich habe zwei.“

Wer verzweifelt ist, braucht keine schönen Worte. Er braucht jemanden, der da ist, jemanden, der bei ihm bleibt. Jemanden, der alles tut, damit man wieder aus dieser schwierigen Situation herauskommt, wieder zu sich selbst findet. Dieser Mensch zu sein, ist vielleicht das größte Versprechen, was man einem anderen Menschen geben kann.

Treue in schwierigen Zeiten

„Find Me“ ist ein zurückhaltender Song, gerade deshalb aber so unglaublich intensiv. Er stellt keine Forderungen, gibt keine Anweisungen, wie sich der Hilfesuchende verhalten soll. Stattdessen sagt er: Du musst nicht perfekt sein. Du bist gut so, wie du bist. Ich nehme dich an, halte dir die Treue, gerade in schwierigen Zeiten. Und vor allem: Du musst gar nicht weiter suchen. Denn ich bin schon da. Und du weißt, wo du mich finden kannst.
Hoffentlich kennt jeder eine solche Person, die Licht in dunkle Zeiten bringt. Eine Person, die zum Rückzugsort wird, wann immer man ihn braucht. Und falls nicht: Vielleicht ist genau diese Musik der erste Schritt, um so jemanden zu finden. Oder für einen anderen Menschen so jemand zu werden.

Tiffany Aris – „Find Me“

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Der bei Radio Salü gesendete Beitrag ist eine Kurzfassung dieses Textes.

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