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Springsteen, Bruce – Streets Of Minneapolis

Rockmusiker finden die Themen ihrer Songs oft auf der Straße. Häufig handelt es sich dabei um traurige Themen. Im wortwörtlichen Sinn gilt dies auch für Bruce Springsteens aktuellen Song „Streets Of Minneapolis“. Denn der 76jährige reagiert damit auf die Brutalität von Regierungsbeamten in den Straßen von Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota und auf die Tötung zweier Unschuldiger. Springsteen singt von Minneapolis als brennender Stadt, die sich unter den Stiefeln ihrer Besatzer auflehnt:

Deutlicher Protest

„König Trumps Privatarmee vom Verteidigungsministerium
kam schwerbewaffnet nach Minneapolis, um das Gesetz durchzusetzen.
So lautet zumindest deren Version der Geschichte.
Im frühen Morgenlicht standen Bürger für Gerechtigkeit auf.
Ihre Stimmen hallten durch die Nacht.
Es gab blutige Fußspuren,
wo Barmherzigkeit hätte stehen sollen.
Es gab zwei Toten, zurückgelassen auf verschneiten Straßen:
Alex Pretti und Renee Good.“

Alle Infos für die Geschichtsbücher

Springsteens Song bringt alles mit, was ein Eintrag in die Geschichtsbücher braucht: die Namen der Getöteten: ein Krankenpfleger und eine dreifache Mutter; die Namen der aus seiner Sicht Verantwortlichen: Donald Trump, Heimatministerin Kristi Noem und Vize-Stabschef Stephen Miller. Dazu die klare historische Einordnung:

„Winter ‘26“

Dem eine Stimme geben, der selbst zu schwach ist

„Einmal Katholik, immer Katholik“, hat Bruce Springsteen einmal sein Verhältnis zu Religion und Glauben beschrieben. Mit diesem Verständnis ist „Streets Of Minneapolis“ mehr als Protestsong gegen Verfolgung und Brutalität. Er ist auch Ausdruck von Springsteens Lebensmotto, das sich in vielen seiner Songs findet: nämlich denjenigen eine Stimme zu geben, die keine Stimme haben oder zu schwach sind, um für sich selbst einzustehen.

Biblische Vorlage: Buch der Sprüche

Diese Haltung zieht sich als Aufforderung für das Leben durch die gesamte Bibel. Besonders komprimiert und auf nur wenige Verse zusammengefasst findet sie sich im biblischen Buch der Sprüche:

„Tu deinen Mund auf für die Stummen
und für die Sache aller, die verlassen sind.
Tu deinen Mund auf und richte in Gerechtigkeit
und schaffe Recht dem Elenden und Armen.“
[Spr 31, 8f.]

Katy Perry mit Textvorlage für Beschwerde bei Senatoren

Mit dieser Haltung steht Bruce Springsteen nicht allein. Katy Perry, deren Mutter und Vater als evangelikale Prediger bekannt sind, veröffentlichte vor 25 Jahren als Kate Hudson ein christliches Popalbum. Mittlerweile ruft sie ihre 200 Millionen Fans dazu auf, sich mit Schreiben an Senatoren und Politiker gegen die Brutalität der Heimatschutz- und Einwanderungsbehörde zu wenden. Einen passenden Mustertext für diese Schreiben liefert die Sängerin über Instagram gleich mit. Freuen wird dieser Protest auch ihren „Neuen“, den ehemaligen kanadischen Premier Justin Trudeau.

Schauspielerinnen und Schauspieler, Sportlerinnen und Sportler, Musikerinnen und Musiker

Auch die Schauspielerinnen und Schauspieler Glenn Close, Jamie Lee Curtis, Ellen DeGeneres, Whoopi Goldberg, Ed Norton, Jenna Ortega, Pedro Pascal, Natalie Portman, Meg Stalter und Olivia Wilde kritisieren massiv das brutale Vorgehen der Behörde, Basketballstars wie Tyrese Haliburton, Breanna Stewart und Spencer Strider ebenso. Und ganz nebenbei spielt z.B. Wolfgang Niedecken (BAP) aktuell „Streets Of Minneapolis“ bei seinen Konzerten.

Mehr als nur kritisch äußern sich auch Billy Eilish, Ariana Grande, Moby, Graham Nash, Neil Young und viele mehr – sie alle äußern sich schon länger, nach den Todesfällen von Minneapolis noch intensiver gegen die aus ihrer Sicht menschenverachtende Politik von US-Präsident Donald Trump. Moby sagt in einem Video: „Seid empört, seid entsetzt!“ Und zitiert anschließend Joe Strummer aus dem Clash-Song „Clampdown“: „Wut kann Macht sein, wenn man sie richtig einsetzt.“
Wie man sie einsetzen kann – Katy Perry macht es vor.

Für Recht auf Demonstrationsfreiheit

Die unterschiedlichen Schauspielerinnen und Schauspieler, Sportlerinnen und Sportler, Musikerinnen und Musiker und all die hier Nichtgenannten agieren auf unterschiedliche Weise. Geeint aber sind sie in ihrer Kritik gegen Unmenschlichkeit und Brutalität bis hin zur Tötung von Bürgerinnen und Bürgern, die nichts weiter tun möchten als ihr von der Verfassung verbrieftes Recht auf Demonstrationsfreiheit in Anspruch zu nehmen.

Springsteen: Nicht das erste Mal…

Für Springsteen ist es, wie bereits ausgeführt, eine Lebenshaltung, Ungerechtigkeiten zu benennen. So will er ein Bewusstsein schaffen, dass zum Ende dieser Ungerechtigkeiten führt. Es ist auch nicht das erste Mal, dass sich Springsteen in einem Song gegen Tod durch Polizeigewalt äußert: Bereits im Jahr 2000 schreibt der Mann aus New Jersey mit „American Skin (41 Shots)“ einen Song über den Afroamerikaner Amadou Diallo. Der Unbewaffnete wird im Februar 1999 mit unglaublichen 41 Schüssen in angeblich putativer Notwehr getötet, weil er bei einer Kontrolle zu seinem Portemonnaie greift. Live on Stage präsentierte Springsteen den Song erstmals im Juni 2000, veröffentlicht eine Liveversion im April 2001, eine (neue) Studioversion des Songs jedoch erst im Januar 2014.

Schnellster und intensivster Springsteen-Song aller Zeiten

„Streets Of Minneapolis“ hingegen entsteht in einer wahren Blitzaktion: Am Samstag (24. Januar) fallen die tödlichen Schüsse gegen Alex Pretti, noch am selben Tag schreibt Springsteen den Song, am Dienstag (27. Januar) nimmt er ihn auf und produziert ihn, einen Tag später (28. Januar) wird der Song veröffentlicht. Schneller entstand bislang wohl kein Song vom Boss. Und es dürfte auch keinen geben, der so direkt ist: Denn dass die Namen der Opfer und die Namen der aus Springsteens Sicht Schuldigen in einem Song explizit benannt werden, ist in dieser massiven Form noch nicht vorgekommen. Zudem unterlegt Springsteen seinen Vorwurf, König Trump trampele mit seiner Privatarmee auf den Rechten der Menschen herum, mit Stimmen von Menschen aus Minneapolis. Das geht zusätzlich unter die Haut. Und so wird „Streets Of Minneapolis“ zu einem Stück, das in Erinnerung bleiben wird.

Beschwörung, niemals zu vergessen

Und genau das soll es auch. Denn Springsteen beschwört die Menschen in Minneapolis genauso wie seine Zuhörerinnen und Zuhörer:

„Wir werden uns an die Namen derer erinnern,
die auf den Straßen von Minneapolis starben.
Wir werden für dieses Land Stellung beziehen
und für den Fremden in unserer Mitte!

singt Springsteen.

Trost und Hoffnung

Damit verspricht er, auch weiterhin Missstände beim Namen zu nennen. Die Songzeile

„Oh Minneapolis, ich höre deine Stimme“,

wird damit zur Hoffnungszeile für alle, die Trost und Unterstützung bedürfen: So wie Springsteen die Probleme in Minneapolis wahrnimmt, wird er auch andere Ungerechtigkeiten wahrnehmen und gegen sie ansingen.

Ein letztlich hoffnungsvoller Song über traurige Ereignisse.

Bruce Springsteen – „Streets Of Minneapolis“

Der bei Classic Rock Radio gesendete Beitrag ist eine Kurzfassung dieses Textes.

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