Drücken Sie Enter, um das Ergebnis zu sehen oder Esc um abzubrechen.

Mistasy – Sometimes I Love You

Alle Farben, Apache 207, Clueso, Cro, Mark Forster, Felix Jaehn, Johannes Oerding, Purple Disco Machine, Michael Schulte, Wincent Weiss und und und – die Liste von mehr oder weniger jungen, aber längst etablierten und erfolgreichen Künstlern aus Deutschland ist ellenlang. Und wird nahezu täglich länger und länger. Aktuelles Beispiel: Simon Michaelis. (Gemeint ist nicht der namensgleiche Rapper aus Berlin!) Beim Basketball erhielt Simon den Spitznamen „Sy“, aus dem mit der Zeit „Mr. Sy“ wurde. Mittlerweile macht der jetzt 38-jährige aus Schleswig-Holstein unter dem Namen „Mistasy“ elektronische Pop- und Housemusik mit oftmals melancholischen und bemerkenswerten Texten.

Fremdproduktionen im eigenen Studio

Übrigens nicht nur für sich selbst. Denn in seinem Studio in Norderstedt und damit im nördlichen Teil des Speckgürtels rund um Hamburg bietet Mistasy seine Dienste als Musikproduzent an. Wenn also deine Songs den letzten Schliff brauchen: Bei Mistasy bist du goldrichtig. Und wer weiß: Vielleicht signt er dich ja sogar für sein eigenes Label „Apollon Dreams“.

Vom eigenen Studio zum ersten Label

Bereits als Zwölfjähriger erlernte Mistasy das Gitarrenspiel, mixte und produzierte schlappe fünf Jahre später im eigenen Studio erste Songs. „I Will Find You“, „Nobody“ und „Be So Alone“ wurden auf den gängigen Streamingplattformen massiv wahrgenommen. Folgerichtig war es dann 2024 höchste Zeit für ein erstes Album: Auf „Gone“ finden sich auch die Erfolgssingles „Be With You“ und „Someone Will Love Me“. Weitere Singles folgten 2025 und 2026. Aktuell ist Mistasy beim engagierten deutschen Musiklabel Kontor Records unter Vertrag und damit in guter Gesellschaft von Scooter, ATB, Lost Frequencies, Armin van Buuren und Tiësto.

„Sometimes I Love You“ – persönliche Erfahrungen

Mistasys aktuelle Single heißt „Sometimes I Love You“ und ist von persönlichen Erfahrungen geprägt.

„Ich schreie in den Himmel, während du einfach nur dastehst.
Ich gebe dir alles, was ich habe; du gibst mir nur leere Luft.
Manchmal schwöre ich, dass ich dich verlasse –
Du weißt, dass ich es nicht tun werde.
Gefangen in einem Kreislauf, den ich nicht verlassen kann.
Wie ein Narr schreibe ich deinen Namen auf mein Handy.
Ich zerbreche immer wieder, nur um dich durchzustehen.“

Toxisch: dem Partner egal

Wer schon einmal erlebt hat, wie eine Beziehung toxisch wird, kann die Inhalte des Songs gut nachempfinden: Wenn dem einen Partner alles egal ist, reicht die Liebe des anderen meistens nicht mehr aus. Trotz intensiven Bemühens gilt dann: emotional hin- und hergerissen, kein stabiles Gefühl mehr, stattdessen ein emotionaler Drahtseilakt zwischen grenzenlosem Vertrauen, klaren Grenzen und vor allem den eigenen Schutz. Ein ausgesprochenes Gefühl der Hilflosigkeit.

Auf- und Ab der Gefühle

Wie so oft, wenn in Momenten der Verzweiflung keine Lösungen in Sicht sind, gibt es auch im Song einen Hilferuf Richtung Himmel. Doch der „Schrei in den Himmel“ bleibt ohne Antwort, gerade so als ob gilt: „Der Teilnehmer ist vorübergehend nicht erreichbar!“ Eine Situation, die die Hilflosigkeit und Einsamkeit sogar noch verstärkt.

Diese Gefühlslage verpackt Mistasy so, dass sie an das jahrhundertealte Gänseblümchenorakel erinnert:

„Manchmal liebe ich dich.
Manchmal liebe ich dich nicht.“

Wer beim Gänseblümchenorakel Blatt für Blatt abzupft, verknüpft dies mit zwei gegenteiligen Aussagen. Die Aussage, die mit dem letzten gezupften Blatt gesprochen wird, ist die endgültige Antwort.

Entscheidung getroffen

In „Sometimes I Love You“ steht das Ergebnis jedoch bereits fest:

„Manchmal liebe ich mich selbst mehr als dich
Eines Tages werde ich deinen Namen hören und nichts empfinden,
an dem Ort vorbeigehen, an dem wir uns kennengelernt haben,
und mich wohlfühlen.
Ich werde aufhören, jedes Wort immer wieder abzuspielen
Jede Berührung und diese halbherzige Liebe hinter mir lassen.“

Selbstschutz

Sich selbst an die erste Stelle zu setzen, klingt auf den ersten Blick egoistisch. Tatsächlich aber ist es purer Selbstschutz. Um eine Situation zu überstehen, in der alles wegzubrechen scheint, was vorher Halt und Stütze bot, darf man sich selbst nicht verlieren. Entscheidungen sollten natürlich gut durchdacht sein. Auf die lange Bank geschoben werden, so der Song, sollten sie jedoch nicht. In „Sometimes I Love You“ hört sich das so an:

„Heute Nacht packe ich meine Ängste und all meine Kleidung ein.
Ich wende mich von dem ab, was ich einst kannte.
Denn ich entscheide mich mehr für mich als für dich.“

Wiedererlangung der Freiheit

Eine toxische Liebesgeschichte kommt an ihr Ende – soweit, so gut. Doch „Sometimes I Love You“ ist mehr. Nämlich ein Song über den Weg aus einer Abhängigkeit hin zur persönlichen Freiheit. Hilfestellungen dazu liefern auch die großen Religionen:
So lehrt das Christentum zwar aus gutem Grund, man solle seinen Nächsten lieben wie sich selbst – wobei aber der zweite Teil des Satzes oftmals übersehen wird. Tatsächlich ist die Selbstliebe eine wesentliche Voraussetzung dafür, überhaupt andere lieben zu können. Auch Hinduismus und Buddhismus teilen diese Einschätzung. Vereinfacht gesagt: Fehlt das „Karuna“ genannte Mitgefühl für sich selbst, gilt eine bedingungslose Liebe des Anderen als unmöglich.

Loslassen als größte Form von Liebe

Und noch mehr: Eine gehörige Portion Eigenliebe ist lebensnotwendig, um sich von Erinnerungen zu befreien und mit den Problemen aus der Vergangenheit abschließen zu können. Theologen wie Psychologen sprechen in diesem Zusammenhang von Heilung durch – im positiven Sinn – Eigenliebe.

Darüber hinaus lehrt die Anspielung auf das Gänseblümchenorakel: Die Bereitschaft, eine Situation zu ändern und dies dann auch zu können, wächst schrittweise. Selbstbefreiung aus einer Abhängigkeit ist also ein Prozess, bei dem das Loslassen in den meisten Fällen schrittweise erfolgt.

Fazit des Songs: Manchmal ist Loslassen die größte Form von Liebe – für den Partner wie auch für sich selbst.

Mistasy – „Sometimes I Love You“

→ Hier geht’s zum Song (Amazon)
Der bei Radio Salü gesendete Beitrag ist eine Kurzfassung dieses Textes.

Weitere Beiträge der HitStory bei Radio Salü: hier.


HeavenOnAir verweist auf eigene Inhalte, bietet weiterführende Links und nutzt Affiliate-Links zu Amazon. Mit diesen Links kann HeavenOnAir eine kleine Provision für qualifizierte Käufe verdienen, was zur Unterstützung der Seite beiträgt, ohne dass für Sie zusätzliche Kosten entstehen.

Kommentare

Hinterlassen Sie ein Kommentar