Leony & Scott, Calum – Stay
Aus der bayrischen Provinz auf die weltweite Showbühne – für die deutsche Sängerin Leony könnte es derzeit nicht besser laufen. Noch nie schaffte es eine deutsche Künstlerin, in den Airplay-Charts vier Nummer 1-Titel in Folge abzuliefern – abgesehen von der Senkrechtstarterin aus dem beschaulichen Chammünster in der Oberpfalz. Weitere Meilensteine ihrer steilen Karriere: mehr als zwei Milliarden Streams, über 30 Gold- und Platinauszeichnungen und so ganz nebenbei die Rolle als Jurorin bei „The Voice Kids“.
Steile Karriere
„Steile Karriere“ auch deshalb, weil sie noch verhältnismäßig kurz ist: Erst 2023 erschien Leonys Debüt-Longplayer „Somewhere In Between“, zwei Jahre später folgte „Oldschool Love“. Ein Titel, den sie von der liebevollen Beziehung ihrer Eltern zueinander abgeleitet hat. Süß! Und irgendwie passt es dann auch ins Bild, dass dieses Album – natürlich rein zufällig – ausgerechnet am 34. Hochzeitstag von Mama und Papa erschien. Wer will, interpretiert das als Zeichen eben von Provinz und Bodenständigkeit. Aber dann bitte im allerbesten Sinn.
Hochkarätige Kollaborationspartner
Aber Erfolg lässt sich noch in einer anderen Währung bemessen: nämlich an der Anzahl hochklassiger Kollaborationspartner. Und auch da hat die mittlerweile 28jährige einige zu bieten: Alan Walker, Clean Bandit, G-Eazy, Armin van Buuren, Steve Aoki und vor allem OneRepublic: Mit der amerikanischen Band um Mastermind Ryan Tedder performte Leony unterstützt vom italienischen EDM-Trio Meduza den offiziellen Titelsong zur UEFA-Fußball-Europameisterschaft 2024, „Fire“. Um dieses Ereignis einmal plastisch zu würdigen: Da sich etwa die Hälfte der europäischen Bevölkerung als Fußballfans bezeichnet, ergibt das je nach Grenzziehung mindestens eine Zielgruppe von etwa 250 Millionen Menschen. Die rund 80 Millionen selbsternannten deutschen Bundestrainer sind da nur zum Teil eingerechnet.
Jetzt Calum Scott
Spaß beiseite. Denn in die Liste ihrer Kollaborationspartner reiht sich mit Calum Scott nun ein weiterer Hochkaräter ein. Seit der Mann aus dem Nordosten Englands 2015 an der Castingshow „Britain’s Got Talent“ teilnahm, hat er sich zu einem festen Bestandteil der britischen Musikszene entwickelt. Sein Hit „You Are The Reason“, 2016 als Vorabtitel aus dem 2018er Debütalbum „Only Human“ veröffentlicht, warf gleich sechsfaches Platin ab. Das Nachfolgealbum „Bridges“ (2022) sowie der aktuelle Longplayer „Avenoir“ (2025) verschafften dem britischen Singer-Songwriter ein großes, weltweites Fanlager.
Stay
Entsprechend selbstbewusst, kraftvoll, energiegeladen und melodiös zugleich präsentieren Leony und Calum Scott ihren gemeinsamen Song „Stay“. Darin heißt es:
„Wenn ich deinen Namen rufe, wirst du auf dem Weg sein.
Du wirst du auf den Knien liegen und um meine Liebe beten.
Reich mir dein Herz auf einem Silbertablett.
Und ich höre dich immer noch sagen:
Baby, willst du nicht eine Minute bleiben?
Bleib für den Schmerz.“
Liebe, Herzschmerz und Verletzlichkeit
Wie in so vielen Songs geht es auch um „Stay“ um Liebe und Verletzlichkeit. Aber Leony und Calum Scott drehen die übliche Logik von Beziehung schlichtweg um:
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Üblicherweise vermeidet man Schmerz, weicht ihm aus, verlässt eine Beziehung wegen des Leides, das man in ihr erfährt. In „Stay“ ist das anders: Hier wird Schmerz nicht zu einem Grund um zu gehen, sondern zu einer Art Band, das zusammenhält. Schmerz wird zum Beweis für die Intensität und Echtheit der Liebe. Eine anscheinend paradoxe Vorstellung. Aber nur, wenn sie einseitig wäre, wenn also nur einer der Partner diese schmerzhaften Erfahrungen machen würde.
Wem das noch nicht genug ist: Keine Sorge, es kommt noch dicker. Textprobe:
„Tanz im Feuer, ertrinke im Regen.“
Zerstörung und Selbstaufgabe
Das ist weit mehr als eine Aneinanderreihung eindrucksvoller Bilder. Denn der Tanz im Feuer bedeutet nichts anderes, als sich freiwillig der eigenen Zerstörung auszusetzen. Und ausgerechnet im Regen, allgemein als lebensspendendes Prinzip angesehen, sein Leben zu verlieren, geht in dieselbe Richtung: sich für die Liebe, für den Partner zu opfern, sich selbst aufzugeben.
Risiko statt Friede, Freude, Eierkuchen
„Stay“ sagt auf eindrucksvolle Weise: Wahre Liebe ist nicht bequem. Wer wirklich liebt, darf nicht immer nur an seinen Schutz und seine Sicherheit denken. Um wirklich zu lieben, muss man bereit sein, sich auch dem sprichwörtlichen „Feuer“ und „Regen“ zu stellen. Das heißt: sich zu öffnen und zu vertrauen, wohl wissend, dass das sehr wehtun kann.
Dieses Risiko gibt es immer, egal wie gut eine Beziehung ist. Da ist eben nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen. Sondern da gibt es auch Probleme, Missverständnisse, Enttäuschungen und Verletzungen.
Schmerz als Bestätigung der Liebe
Aber genau das macht den Song aus: Wenn man diese schlechten Momente gemeinsam durchsteht, bekommt der Schmerz eine neue Bedeutung. Er wird zu einem Teil der Liebe. Statt bei der ersten Verletzung wegzulaufen, bleibt man und heilt gemeinsam. Genau das lässt die Beziehung wachsen und stärker werden, hebt sie somit auf eine höhere, gefestigtere Stufe.
Beziehung als Quelle des Wahnsinns UND des Heils
Wer lernt, dass eine Beziehung sowohl Quelle des Wahnsinns wie auch des wieder Heilwerdens ist, lernt auch viel über sich selbst und den anderen. Mit diesen Einsichten lassen sich auch zukünftige Probleme leichter meistern.
„Stay“ ist also ein Loblied darauf, schwierige Phasen gemeinsam durchzustehen und Enttäuschungen auszuhalten, anstatt vorschnell aufzugeben.
Der bei Radio Salü gesendete Beitrag ist eine Kurzfassung dieses Textes.
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